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Strategie : Fondsmanager setzen auf Minenaktien

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Minenwerte stehen im Brennpunkt Bild: REUTERS

Die Aktienkurse globaler Minengesellschaften haben am Freitag mit kräftigen Kursgewinnen auf die Beteiligung der chinesischen Chinalco mit Alcoa an der drittgrößten Minengesellschaft der Welt, Rio Tinto, reagiert. Die Konsolidierung hält an.

          Die Aktienkurse globaler Minengesellschaften haben am Freitag mit kräftigen Kursgewinnen auf die Beteiligung der chinesischen Chinalco mit Alcoa an der drittgrößten Minengesellschaft der Welt, Rio Tinto, reagiert. Anleger, die die jüngste Kursschwäche am Markt für den Kauf von Minengesellschaften genutzt hatten, wurden mit Kursgewinnen von teilweise mehr als 10 Prozent belohnt.

          Der Aktienkurs von Rio Tinto schnellte zeitweise um 17 Prozent in die Höhe, teilweise getrieben von der Hoffnung, der Konkurrent BHP Billiton werde kommende Woche mit einer höheren Übernahmeofferte für Rio Tinto nachziehen. Gleichzeitig stieg der Aktienkurs von BHP Billiton um gut 12 Prozent. Auch andere Minengesellschaften verbuchten kräftige Kurssprünge von 5 bis 8 Prozent.

          Aktie „lachhaft niedrig“ bewertet?

          "Wir haben unsere Beteiligung an BHP Billiton im Januar gerade aufgestockt. Die Aktie war lachhaft niedrig bewertet", sagt Graham Birch, der Leiter des weltgrößten Rohstoff-Fonds von Black Rock Merrill Lynch. Birch hält auch eine statthafte Beteiligung an Rio Tinto, nutzte jedoch die Gelegenheit und verkaufte Chinalco und Alcoa einen Teil seiner Fondsbeteiligung für 60 Pfund je Aktie, ein Preisaufschlag auf den Marktkurs am Donnerstag von 21 Prozent. "An dieser Prämie sollten unsere Fonds teilhaben", sagt Birch. Der Fondsmanager glaubt an den Superzyklus im Minensektor, erwartet, dass die große Hausse in der Branche noch bevorsteht, und legt jedem Investor ans Herz, Minenwerte zu kaufen: "Sie ärgern sich in zehn Jahren nur, wenn Sie es nicht getan haben."

          Investoren wie Birch lassen sich von der Angst um eine Rezession in den Vereinigten Staaten nicht beirren. "Obwohl wir unsere Prognose für das amerikanische Wirtschaftswachstum für dieses Jahr gerade auf 0,8 Prozent reduziert haben, bleiben wir bei unseren zuversichtlichen Prognosen für Rohstoffe in diesem Jahr, glauben, dass sich die Preise in der zweiten Jahreshälfte erholen werden, und empfehlen, Rohstoffe im Portfolio hoch zu gewichten", sagt Goldman Sachs. "Die meisten negativen Nachrichten über die amerikanische Wirtschaftsflaute sind in den Preisen bereits vorweggenommen", betont James Gutman, Rohstoffspezialist bei der amerikanischen Investmentbank.

          Goldman Sachs empfiehlt, eine Marktschwäche für einen Zukauf zu nutzen. Birch rät Anlegern jedoch, weniger in die Rohstoff-Produkte selbst zu investieren, sondern Minenaktien zu kaufen, die dem Anleger eine letztlich höhere Gesamtrendite sichern. Die Deutsche Bank empfiehlt derzeit zum Beispiel den indischen Minenkonzern Vedanta zum Kauf mit einem Kursziel von 2500 Pence je Aktie. Am Freitag notierte die Aktie in London bei 1915 Pence und dies nach einem Kursanstieg von mehr als 6 Prozent.

          Es gibt mehrere Gründe, die trotz der amerikanischen Konjunkturflaute mittlerweile für ein Ende der Preiskorrektur am Rohstoffmarkt und für wieder höhere Preise sprechen: So ist der rohstoffintensive Immobilienmarkt in den Vereinigten Staaten seit längerer Zeit kräftig auf dem Rückzug, der entsprechende Effekt auf die globalen Rohstoffpreise also weitgehend verarbeitet. Das starke Nachfragewachstum bei Rohstoffen wurde in den beiden vergangenen Jahren zudem nicht von dem amerikanischen, sondern chinesischen Markt ausgelöst. Chinas Wirtschaftsaufschwung macht eine schwächere amerikanische Nachfrage daher mehr als wett, es sei denn, die ganze Welt würde plötzlich in eine tiefe Rezession gezogen.

          Steigende Produktionskosten, Lieferengpässe und technische Schwierigkeiten verzögern Kapazitätsausweitung

          Eine Konjunkturschwäche in Amerika hat für die globalen Rohstoffmärkte sogar möglicherweise einen positiven Preiseffekt: Sie bewahrt nämlich die chinesische Regierung davor, das zuvor sehr starke Wachstum im Lande zu stark drosseln zu müssen. Dies wiederum lässt der chinesischen Inlandsnachfrage und Bautätigkeit Luft, was wiederum für eine weiterhin starke Nachfrage Chinas am globalen Rohstoffmarkt sorgen dürfte.

          Steigende Produktionskosten, Lieferengpässe bei speziellem Minengerät und technische Schwierigkeiten in der Produktion verzögern zudem die Kapazitätsausweitung der Minengesellschaften. Zudem ist die Minenproduktion für Produktionsunterbrechungen anfällig, wie dies in diesen Tagen wegen Stromunterbrechungen in Südafrika zu beobachten ist. Stromknappheit wegen des eisigen Winters hat in China zudem dazu geführt, dass derzeit 10 Prozent der chinesischen Aluminiumproduktion und 13 Prozent der Zinkproduktion still liegen mit entsprechenden Preissprüngen an der Londoner Metallbörse.

          Die Bergbaugesellschaften fusionieren zwar, um ihre Produktion und Effizienz zu erhöhen. Dies spornt die Übernahmetätigkeit in der Branche aber an und treibt letztlich die Bewertungen der Minengesellschaften an der Börse in die Höhe. Aber die Weltproduktion der Rohstoffe hält dennoch mit der rasanten Nachfragesteigerung nicht Schritt.

          Die Anleger sollten ihr Augenmerk in diesem Jahr zudem auf Agrarrohstoffe richten. Dort erwarten die meisten Analysten trotz der Preissteigerungen zu Beginn des Jahres wegen der begrenzten Anbauflächen Preisaufschläge bei Soja, Baumwolle und Mais. Der eisige Winter in China dürfte zudem die Ernte in Südchina beeinträchtigen, die Nahrungsmittelpreise also auch von dort weiter in die Höhe treiben.

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