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Strategie : Es gibt Gegenthesen zum Konsensoptimismus

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Kurz vor Jahresende ist der Optimismus unter Anlegern, Anlageberatern und Strategen nach einem vergleichsweise guten Aktienjahr sehr groß. Sie rechnen mit einer Fortsetzung der bestehenden Trends. Es gibt aber auch Gegenargumente.

          Kurz vor Jahresende ist der Optimismus unter Anlegern, Anlageberatern und Strategen nach einem vergleichsweise guten Aktienjahr sehr groß. Sie werden unterstützt von noch zuversichtlicheren Wachstumsprognosen von Politikern und Wirtschaftsforschungsinstituten.

          So kann es kaum verwundern, dass sich die meisten der in den vergangenen Tagen veröffentlichten Jahresausblicke durch Wetten auf weiter steigende Kurse, hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie steigende Renditen auszeichnen. Besonders interessant seien weiterhin die Schwellenländermärkte, heißt es zudem.

          Viele Märkte sind technisch überkauft und überbewertet

          Konsensmeinungen dieser Art sind allerdings riskant. Vor allem dann, wenn sie auf technisch überkauften und tendenziell überbewerteten Märkten aufsetzen. Niedrige Volatilitäten, geringe Liquiditätspolster, ausgeprägte Positionierungen, Wertpapierkäufe auf Kredit in großem Ausmaß und nicht zuletzt auch hyperbolische Kursgewinne bei vielen Aktien zyklischer Unternehmen schreien förmlich nach einer Korrektur. Signifikante Auslöser sind in einem solchen Umfeld kaum nötig, oft reicht schon ein Stimmungsumschwung aus eigentlich nichtigem Grund.

          Auf der anderen Seite gibt es genügend Argumente, die im Gegensatz zum weit verbreiteten Optimismus stehen. Dazu zählt die Schuldenkrise in Europa, die letztlich zum Abbau von Stellen und zur Dämpfung der Nachfrage führen muss. Ähnliches ist in den Vereinigten Staaten zu erwarten, wo die Schulden des Gesamtstaates dramatisch zunehmen, während die Bundesstaaten und die regionalen Einheiten finanziell mit ihren Rücken zur Wand stehen. Mangels Einnahmen müssen sie ihre Ausgaben stark reduzieren.

          Hohe Energie- und Rohstoffpreise belasten weltweit die Verbraucher, beschneiden ihre Realeinkommen und damit das, was für den Konsum übrigbleibt. Auf diese Weise kann nicht nur in den Industriestaaten die Nachfrage gedämpft werden. Sondern es kann zu einem negativen Rückkopplungseffekt kommen, der die Entwicklung in den Schwellenländern ausbremst - sofern sie sich nicht schon selbst in die Ecke manövriert haben, indem sie ihre Geldpolitik zu stark an der amerikanischen orientiert haben und ihre Früchte in Form einer inflationären Entwicklung ernten.

          China hat nicht rechtzeitig gebremst

          China zum Beispiel hat viel zu lange gezögert, um gegen Vermögenspreis und nun auch zu Verbraucherpreisinflationen vorzugehen. Sollten Regierung und Zentralbank ernsthaft darauf reagieren und die überhitzte Dynamik im überwiegend auf den Export ausgerichteten Investitionsgüterbereich bremsen, würde weltweit die Rohstoffphantasie und die durch herbei geredete Knappheiten induzierte Preisblase platzen. Plötzlich säßen Anleger, die sich von Banken und allen möglichen „Experten“ zum Kauf von Rohstofffonds und -zertifikaten überreden ließen, mit Verlusten da.

          Áuf der anderen Seite nähme das Risiko zu, dass in Staaten wie Australien und Kanada die Immobilienpreisblasen implodierten, die sich dort bisher unter anderem aufgrund politischer Stützung hielten oder gar vergrößerten. Dagegen könnte der Dollar ähnlich plötzlich und stark aufwerten wie im Jahr 2008, sollten die amerikanischen Anleger ihr Kapital aus dem Ausland zurückholen und verringerte sich die Dollar-Liquidität, die bisher die Kehrseite des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits war.

          Insgesamt mag die Stimmung nach den gewaltigen geld- und fiskalpolitischen Stimulierungen der vergangenen Monate gut sein. Sie stellt sie nicht die Normalität dar. Entsprechend anfällig ist sie.

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