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Strategie : Der Dax kann sich wieder sehen lassen

Symbol für die gegenwärtige Anlegerstimmung Bild: REUTERS

Es war seit April das gewohnte Bild: Dax rauf bis etwa 6300 Punkte, dann wieder runter bis 5700, zuletzt nur noch 5900 Punkte. Mehrmals ist er „Fahrstuhl“ gefahren. Nun scheint er nach oben ausgebrochen zu sein. Der M-Dax ist noch erfolgreicher

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          Es war seit April das gewohnte Bild: Dax rauf bis etwa 6300 Punkte, dann wieder runter bis 5700, zuletzt nur noch 5900 Punkte. Mehrmals ist er bis zu seinem Jahreshoch aus dem April gestiegen und dann wieder in den Keller gesunken. Doch jetzt scheint die Zeit der Pendelei vorbei.

          Dyrk Scherff

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit einem kräftigen Sprung bis auf zeitweise mehr als 6500 Punkte hat der Dax zu einem neuen Aufschwung angesetzt. "Das könnte der Auftakt für eine Jahresendrally sein, die den Dax zunächst bis auf 6750 Punkte hieven sollte", erwartet Carsten Klude, Chefvolkswirt der Privatbank M.M.Warburg.

          Der Dax liegt nur noch 17 Prozent unter seinem Höchststand

          Der Dax hat nun wieder das Niveau vor der Lehman-Pleite erreicht und schon zwei Drittel seiner Verluste seit dem Höchststand Mitte 2007 aufgeholt (siehe Grafik). Er liegt nur noch 19 Prozent darunter. Erholt sich die Konjunktur weiter, kann der Dax das alte Niveau schon 2012 wieder erreichen. So schnell hat wohl kaum jemand mit einer Besserung gerechnet.

          Damit ist Deutschlands wichtigster Aktienindex auch Spitze unter den Industrieländern. Er hat ein neues Jahreshoch erreicht, während wichtige Konkurrenten wie der Euro Stoxx 50 für den Euroraum und Amerikas Dow Jones das noch nicht geschafft haben. Es zeigt vor allem, wie stark Deutschlands Exportwirtschaft ist. Sie profitiert stärker als in anderen Staaten vom Aufschwung in den Schwellenländern und treibt den Dax nach oben. Nicht überraschend gehören daher die Autobauer BMW, MAN und Volkswagen auch zu den erfolgreichsten Aktien des Index seit Jahresanfang.

          Für den jüngsten Schub sorgte dann allerdings die amerikanische Notenbank. Sie kündigte an, die Geldpolitik wegen der schwachen Konjunktur in Amerika möglicherweise weiter zu lockern. Das gefällt Börsianern, sie lieben niedrige Zinsen. Denn das unterstützt den Aufschwung und macht den Anleihemarkt als Konkurrenz zu Aktien unattraktiv.

          Auch die ersten Quartalszahlen, die aus Amerika kamen, seien es nun Alcoa, Intel oder Google, waren überraschend gut und hoben die Stimmung weltweit. In den nächsten zwei Wochen kommen dort die meisten Unternehmen mit ihren Zahlen, danach legen die Dax-Firmen ihre Ergebnisse vor. Konjunkturelle Sorgen vor allem in Amerika treten so lange erst einmal in den Hintergrund.

          Nebenwerte sind besonders gut gelaufen

          Anleger, die von der starken Konjunktur profitieren wollen, sollten aber nicht nur auf den Dax schauen. Viele gute Exportaktien tummeln sich auch unter den Nebenwerten im Tec-Dax und vor allem im M-Dax. Unter den besten Aktien Deutschlands tauchen ganz vorne überdurchschnittlich viele dieser Nebenwerte auf, darunter der Handyzulieferer Dialog Semiconductor, der Telekomausrüster Adva Optical, das Chemieunternehmen Lanxess oder die Autozulieferer Elring Klinger und Fuchs Petrolub. Bei den besten Exporttiteln kommt der Dax-Wert BMW erst auf Platz sieben (siehe Grafik). Auch der M-Dax insgesamt steigt seit September stärker als der Dax.

          Der seit Wochen starke Euro bereitet nun Sorge, dass der deutsche Export und damit auch der Dax und der M-Dax bald schwächeln werden. Doch das scheint noch übertrieben. "Die Auftragsbücher sind voll, die technologische Wettbewerbsfähigkeit ist hoch und die Aufwertung des Euro noch überschaubar", sagt Thorsten Weinelt, Chefstratege der Unicredit Bank. Er räumt aber ein, dass die Exportdynamik nachlassen wird, denn der Welthandel verliere deutlich an Fahrt. Für einen guten Jahresabschluss könnte es jedoch noch reichen. "Die ungeliebte Anlageklasse Aktien dürfte auf Sicht der nächsten Monate, vielleicht sogar für die nächsten ein bis zwei Jahre die attraktivste Anlageform sein", erwartet Chefökonom Klude.

          Für das kommende Jahr zeigen sich andere Analysten aber vorsichtiger. Die abermalige Lockerung der Geldpolitik in Amerika zeige, wie labil die Wirtschaft dort noch ist, was auch die deutschen Exporte belastet. Zudem werden die Staatshaushalte konsolidiert werden müssen. "2011 wird sich das Weltwirtschaftswachstum abschwächen", warnt die DZ Bank.

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