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Strategie : Chinas teure Börse hat wieder Auftrieb

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Bild: FAZ.NET

Die Kurse an den Börsen Chinas haben kurzfristig deutlichen Auftrieb. Der CSI 300 hat in zwei Handelstagen um knapp sieben Prozent zugelegt. Marktteilnehmer rechnen mit weiteren Kursgewinnen. Dabei sind die Aktien sehr teuer.

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          Hoffnungen weitere geldpolitische Lockerungen beflügeln der Risikoappetit der Anleger. Er zeigt in Form deutlich steigender Preise an den Rohstoffmärkten und ebenso deutlichen Kursgewinnen an vielen Schwellenländerbörsen.

          In den vergangenen Tagen sind auch die Kurse an den chinesischen Aktienmärkten deutlich gestiegen. Der CSI 300 Index, der sich aus 300 A-Aktien der Börsen Schanghai und Schenzhen zusammensetzt, hat nach Beendigung der „Goldenen Woche“ am Freitag und Montag um insgesamt 6,6 Prozent zugelegt.

          Marktteilnehmer rechnen kurzfirstig mit weiteren Kursgewinnen

          Viele Marktteilnehmer rechnen mit weiteren Kursgewinnen. Sie verweisen dabei sowohl auf die extremen geldpolitischen Strategien der Zentralbanken in den Industriestaaten, als auch auf die wirtschaftliche Entwicklung in China selbst. Chinas Wirtschaft hat einem Bericht zufolge im dritten Quartal jedoch an Schwung verloren. Die Wirtschaftsleistung legte zwischen Juli und September um 9,5 Prozent zu, wie das staatliche China Securities Journal am Montag unter Bezug auf vorläufige Schätzungen ohne Nennung von Quellen berichtete. Das sei der geringste Zuwachs seit einem Jahr. Für das vierte Quartal sei sogar mit weniger als neun Prozent Zuwachs zu rechnen. Chinas Wirtschaft mache derzeit eine „quasi-stagnierende“ Phase durch, hieß es.

          Diese werde aber nicht lange anhalten. Schon im kommenden Jahr sei eine neuerliche Erholung der Wirtschaft in Sicht, hieß es unter anderem mit Verweis auf die optimistische Stimmung unter Einkaufsmanagern. Die Lebenshaltungskosten hätten sich im September verglichen mit dem Vorjahr um 3,5 Prozent erhöht, hieß es weiter. Der Preisanstieg sei noch nicht so stark, dass die Geldpolitik gestrafft werden müsse. China müsse sich vielmehr auf die importierte Inflation konzentrieren, die zum Teil durch die lockere Geldpolitik in anderen Ländern angeheizt werde.

          China hat zwar in diesem Jahr die Zügel bei der Kreditvergabe kräftig angezogen, um die Entwicklung am heiß gelaufenen Immobilienmarkt zu dämpfen. Die Zinsen wurden aber nicht angetastet. Die Regierung in Peking befürchtet, höhere Zinsen könnten spekulatives Kapital anlocken. Schließlich werden ausländische Anleger nicht nur von der scheinbar robusten Wirtschaftsentwicklung angelockt, sondern auch von der Währung des Landes. Der Yuan gilt in Europa und in den Vereinigten Staaten als unterbewertet. Chinas Notenbankchef Zhou Xiaochuan sprach sich nun für eine maßvolle und behutsame Aufwertung des Yuan aus. Ein Notenbank-Berater sagte erklärte, der Kursanstieg dürfe nicht stärker als drei Prozent binnen eines Jahres ausfallen. Seit Juni hat der Yuan 2,3 Prozent an Wert zum Dollar gewonnen.

          Viele chinesische Aktien sind teuer

          Daten zeigen, dass die Mittelzuflüsse nach China in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen haben. Sie haben zum laufenden Kursaufschwung beigetragen, obwohl die Wirtschaftsnachrichten wenig inspirierend waren. Diese Tatsache macht zumindest technisch orientierte Analysten zuversichtlich. Die Stimmung seit zwar optimistisch, aber nicht zu optimistisch, heißt es. Die Aktienrendite sei vergleichsweise attraktiv, Kreditindikatoren deuteten auf eine Lockerung hin, der Immobilienmarkt werde trotz der Dämpfungsmaßnahmen die Wirtschaftsentwicklung nicht bremsen, während in den kommenden Tagen eine Welle bisher beschränkter Aktien freier handelbar würden. Dies könn die Kurse noch weiter steigen lassen, erklären Optimisten wie etwas Hang Hoa von der China International Capital Corporation.

          Der Blick auf die Finanzstruktur im Lande lässt ebenso gewisse Bedenken aufkommen (siehe auch: Interview: „China hat große Schulden“), wie die Bewertung der im CSI 300 Index enthaltenden Aktien. Denn das durchschnittliche Kurs-Gewinnverhältnis liegt auf Basis der abgelieferten Gewinne bei 41 und auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr bei knapp 28. Damit sind die Papiere in ihrer Gesamtheit alles andere als günstig. Wer sich entsprechende Papiere ins Depot legt, muss die damit verbundenen Risiken in Kauf nehmen.

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