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Stoxx Health Care : Pharma- und Biotechnologie-Werte sind en vogue

  • -Aktualisiert am

Forschung bei Fresenius: Die Aktie des Unternehmens ist ein technischer Kauf Bild: dpa

Sektorindex-Investment, Sanofi, FMC und Qiagen sind technische Käufe. Die Lage hat sich dabei grundlegend verbessert. Ein Grund ist die aktuelle Währungssituation. Die Technische Analyse.

          Die langfristige technische Lage im Sektorindex Stoxx Health Care hat sich grundlegend verbessert. Grund ist die gute Lage einiger großer amerikanischer Pharmariesen wie zum Beispiel Merck, die Bilderbuch-Hausse im Nasdaq Biotechnology Index und die aktuell attraktive Währungssituation. Der Sektorindex arbeitet aus technischer Sicht jetzt daran, die seit über zehn Jahren bestehende Seitwärtspendelbewegung nach oben zu verlassen. Neben einem Investment in den Sektorindex stellen der französische Pharma- und Biotechnologie-Konzern Sanofi sowie die Dax-Werte Fresenius Medical Care und Fresenius SE und der Biotechnologie-Wert Qiagen technische Käufe dar.

          Der Stoxx Health Care umfasst die 35 nach Streubesitz größten Aktien aus dem Bereich Gesundheit und Biotechnologie. Hierbei vereinen zurzeit die vier größten Sektorwerte (Novartis, Roche Holding, GlaxoSmithKline, Sanofi) einen Anteil von mehr als 60 Prozent auf sich. Dieser Sektorindex, der Ende Dezember 1991 bei 100 Punkten startete, befand sich auf Basis der zurückgerechneten Kurse in den 1980er und 1990er Jahren in einer technischen Neubewertung, wobei sich ein Kursanstieg von 37,7 Punkten (November 1987) auf 533,5 Punkte (Jahreswechsel 2000/2001) ergab. Anfang 2002 wurde dieser langfristige Aufwärtstrend zur Seite verlassen, so dass die technische Neubewertung eine Pause einlegte. Diese jetzt seit über zehn Jahren bestehende Seitwärtspendelbewegung besteht bisher aus einem Wechselspiel von jeweils zwei normalen Baisse-Trends (von 2001 bis 2003 und von 2007 bis 2009) und zwei normalen Hausse-Trends (2003 bis 2007 und 2009 bis heute) und hat aus technischer Sicht die Form einer Dreiecksformation mit einem trendbestätigenden Charakter nach oben.

          Attraktives technisches Gesamtbild

          Mit Hilfe des seit März 2009 (Start bei 267 Punkten) bestehenden Hausse-Trends ist der Stoxx Health Care aus dieser Seitwärtspendelbewegung nach oben herausgelaufen, so dass die technische Neubewertung ansteht. Da auch die isolierte Lage der großen und mittelgroßen Sektoraktien mit ihrer guten technischen Situation dies untermauert, bietet sich ein Investment an. Umsetzen lässt sich das zum Beispiel durch einen Fonds, der sich am Sektor ausrichtet, oder durch einen Stoxx-Health-Care-ETF (Exchange Traded Fund), der die Sektorentwicklung dupliziert.

          Der französische Pharma- und Biotechnologie-Konzern Sanofi stellt weiterhin eine gute Kombination aus einem attraktiven technischen Gesamtbild und einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite dar. Bei Sanofi endete die Baisse - Start im Sommer 2006 bei 79,90 Euro - im Oktober 2008 mit einem Ausverkauf bei 36,10 Euro und zum Jahreswechsel 2008/2009 in einer technischen Bodenformation. Mit den Kaufsignalen vom Herbst 2009 etablierte die Aktie eine moderate langfristige Hausse, die durch einen zentralen Hausse-Trend, der aktuell bei 45,60 Euro liegt, begrenzt wird. Innerhalb dieses Hausse-Trends war die Seitwärtspendelbewegung der Jahre 2010/2011 eine mittelfristige Konsolidierung mit einem trendbestätigenden Charakter nach oben.

          Deshalb überrascht es nicht, dass Sanofi zum Jahreswechsel 2011/2012 mit einem Kaufsignal nach oben in Bewegung gekommen ist. Die zuletzt aufgetretenen Kaufsignale und die neuen Jahrestops bestätigen die intakte technische Hausse. Da die Gesamtlage bereits andeutet, dass das bisherige technische Kursziel (Test der Widerstandszone um 65 Euro) zu konservativ ist, noch weiteres Kurspotential bestehen sollte und zusätzlich eine Dividendenrendite von 4,2 Prozent vorhanden ist, bleibt Sanofi ein technischer Kauf. Hierbei sollten Sanofi-Positionen mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 46 Euro belegt werden.

          Technische Form eines Aufwärtsdreiecks

          Der Dialysespezialist Fresenius Medical Care (FMC) gehört seit dem Jahr 2002 zu den technischen Marathonläufern im Dax. Der Begriff steht für Aktien, die sich in sehr langfristigen Aufwärtsbewegungen befinden. Insgesamt bestehen die letzten zehn Jahre bei FMC aus drei technischen Phasen. Zuerst die Hausse-Bewegung, die im September 2002 bei Kursen um 6,60 Euro startete und bis zum Jahreswechsel 2007/2008 mit Kursen um 39,90 Euro lief. In der zweiten Phase bis März 2009 kam es bei der Aktie zu einer Korrekturbewegung, die den Wert bis auf 25,5 Euro zurückführte. Seitdem liegt wieder eine technische Hausse vor. Innerhalb dieser durchlief die Aktie seit Juli 2011 unterhalb der Widerstandszone von 55 Euro bis 56 Euro eine Konsolidierung mit der technischen Form eines Aufwärtsdreiecks, eine nach oben trendbestätigende Formation. In den letzten Handelstagen ist FMC mit einem neuen Kaufsignal und einem ersten mittelfristigen technischen Etappenziel von 65 Euro nach oben auf neue historische Höchstkurse gestiegen. Als Konsequenz sollten sich die laufende Hausse und die technische Neubewertung fortsetzen. Aufgrund dieser Gesamtlage bleibt FMC ein Kauf, wobei der strategische Sicherungsstopp bei 48,0 Euro liegen sollte.

          Das Biotechnologie-Unternehmen Qiagen ist der nach Streubesitz größte Wert im Tec-Dax. Bei dieser Aktie wurde die moderate, langfristige Hausse, die im Oktober 2002 bei 4,2 Euro gestartet war und die Aktie bis April 2010 auf Kurse um 17,9 Euro geführt hatte, von einer Zwischenbaisse unterbrochen. Hierbei fiel der Titel mit zwei Abwärtsschüben bis Oktober 2011 auf ein Kursniveau um 9,10 Euro zurück. Zum Jahreswechsel 2011/2012 hat Qiagen im Bereich um 10 Euro aber wieder eine Bodenformation herausgebildet. Die neuen Kaufsignale vom Januar, April und Juli 2012 haben die Aktie aus der Bodenformation, danach aus dem Baisse-Trend und zuletzt in einen neuen Hausse-Trend geführt. Da die Gesamtsituation als nächstes Etappenziel einen Test der Widerstandszone um 16 Euro andeutet, stellt Qiagen einen technischen Kauf dar. Trotz dieses attraktiven technischen Gesamtbildes sollte aber jede Qiagen-Position mit einem strategischen Sicherungsstopp bei 11 Euro belegt werden.

          Der Autor leitet das europäische Index-Research von Commerzbank Corporates & Markets.

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