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Steuervorteile gefordert : Mitarbeiteraktien sollen aus der Nische kommen

Will künftig die Zahl seiner Mitarbeiteraktien von 144.000 auf 200.000 steigern: Der Siemens-Konzern Bild: dpa

Bei großen Unternehmen wie Siemens ist es längst üblich, dass die Belegschaft Firmenanteile besitzt. Zehn Verbände wollen diese Praxis ausweiten und fordern höhere Steuervorteile und weniger Bürokratie.

          Für eine „Agenda Mitarbeiterkapitalbeteiligung“ wollen zehn Verbände unter Federführung des Deutschen Aktieninstituts von diesem Donnerstag an werben. Ziel des gemeinsamen Aufrufs ist es, die Bedingungen für die Kapitalbeteiligung der Mitarbeiter an ihren Unternehmen zu verbessern. Dies sei ein wichtiges Instrument, Arbeitnehmer zu motivieren, ihre Produktivität zu steigern und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu verbessern.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          „Nur zwei Prozent der deutschen Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern eine Kapitalbeteiligung an“, bemängelt Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts. „Die Zahl der Mitarbeiter mit Belegschaftsaktien ist im vergangenen Jahr mit 800.000 auf einem neuen Tiefststand angelangt.“ Allein die 30 Dax-Konzerne hatten am Jahresende nach Berechnungen der Beratungsgesellschaft EY 3,8 Millionen Mitarbeiter. Damit gehören Mitarbeiteraktien nicht einmal in den Dax-Konzernen zum Standard.

          Doch das Interesse der Unternehmen an einer Beteiligung ihrer Mitarbeiter steigt, sagt Heinrich Beyer, Geschäftsführer des Bundesverbandes Mitarbeiterbeteiligung, dem 150 Unternehmen angehören. „Der Fachkräftemangel führt dazu, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter stärker an das Unternehmen binden wollen, und da ist die Kapitalbeteiligung ein Weg.“ Zudem wollten die Unternehmen damit auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stärker Rechnung tragen. „Die Vermögensbildung der Mitarbeiter ist ohne den Kapitalmarkt im aktuellen Zinsumfeld kaum möglich“, sagt Beyer.

          Mindestens 1000 Euro Steuerfreibetrag gefordert

          Bislang erfolgt die Mitarbeiterbeteiligung in Deutschland vor allem über Belegschaftsaktien. Diese werden von den Unternehmen entweder gratis ausgegeben oder mit Rabatt auf den aktuellen Kurs, oder beim Kauf von zum Beispiel drei Aktien gibt es nach einer bestimmten Haltefrist eine Aktie als Bonus. Bis zu 360 Euro im Jahr dürfen auf diese Weise dem Mitarbeiter steuer- und abgabenfrei zugutekommen.

          Zu wenig, finden die zehn Verbände, darunter auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA), aber auch die Anlegerschutzverbände DSW und SdK. „In Österreich beträgt der Steuerfreibetrag 1500 Euro im Jahr, in Großbritannien sind es sogar 3500 Pfund“, sagt Beyer. Einen konkreten Wunsch für Deutschland nennt der Aufruf nicht. Das Aktieninstitut hielte mindestens 1000 Euro für sinnvoll.

          Davon würden nicht nur Unternehmen und Mitarbeiter in börsennotierten Unternehmen profitieren. Auch in Unternehmen fern der Börse gibt es Kapitalbeteiligungen. „Wir schätzen die Zahl der stillen Gesellschafter und Genussrechteinhaber auf ebenfalls etwa 800.000“, sagt Beyer. Die Baumarkt- und Warenhauskette Globus habe zum Beispiel etwa 10.000 stille Gesellschafter, der Sägenhersteller Stihl 4000 Genussrechte-Inhaber. Die Mitarbeiter erhalten hier regelmäßige Zinszahlungen, die in der Regel deutlich über den aktuellen Marktzinsen liegen.

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