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Kursschwankungen : Die mühsame Erholung der griechischen Aktien

Athener Börse: Gibt es so langsam wieder attraktive Möglichkeiten, in griechische Aktien zu investieren? Bild: dpa

Am Montag legten die griechische Bankaktien zu, am Donnerstag ging es abwärts. Trotzdem sind einige griechische Aktien relativ unabhängig von den Unwägbarkeiten des Binnenmarkts.

          Vor allem die anstehende Rekapitalisierung der griechischen Banken sorgt derzeit für starke Kursschwankungen am dortigen Aktienmarkt. Nachdem die Europäische Zentralbank am Wochenende verkündet hatte, dass Griechenlands Banken einen Kapitalbedarf von maximal 14,4 Milliarden Euro hätten, legten die Kurse griechischer Bankaktien am Montag um bis zu 30 Prozent zu, verloren im Wochenverlauf aber wieder. Am Donnerstagsnachmittag standen die Kurse der vier großen Banken – Piraeus Bank, Eurobank, Alpha Bank und National Bank – allesamt mehr als 10 Prozent im Minus.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vor allem der Kurs der Piraeus Bank stürzte um 29 Prozent regelrecht ab. Die EZB hatte die Obergrenze für die Ela genannten Kredithilfen an die angeschlagenen Geldhäuser um fast eine Milliarde Euro herabgesetzt, wie die griechische Notenbank am Donnerstag mitteilte. Die Notenbank wertete das als positives Signal, die Liquiditätslage des Bankensektors habe sich verbessert.

          Gibt es so langsam also wieder attraktive Möglichkeiten, in griechische Aktien zu investieren? In vielen deutschen Banken ist man sehr zurückhaltend; von dem Thema habe man sich „verabschiedet“ oder habe sich „nie damit beschäftigt“, hieß es auf Anfrage. Der japanische Finanzkonzern Nomura veröffentlichte gestern immerhin eine Studie darüber, wie die griechischen Banken dem Teufelskreis aus mangelndem Investorenvertrauen und Eigenkapitalknappheit entkommen könnten.

          Die Nomura-Analysten schreiben, sie seien hinsichtlich des Wachstums für 2016 und 2017 pessimistischer als die Vorhersagen. Gleichwohl sei die Wahrscheinlichkeit von politischen Unruhen nicht mehr so groß, und auch die Risiken aus der schwachen Leistungsfähigkeit des griechischen Staates im Zusammenhang mit den Verhandlungen mit den Geldgebern erschienen „händelbar“.

          „Derzeit keine klare Empfehlung“

          Einer, der im April mitten in einer schwierigen Zeit für Griechenland öffentlich verkündete, griechische Aktien seien attraktiv, war Mark Mobius, Schwellenländer-Investor und Chef der Fondsgesellschaft Franklin Templeton. Mobius hielt Griechenland damals zusammen mit dem amerikanischen Nobelpreisträger Robert Shiller die Treue und kaufte Aktien der National Bank of Greece. Würde er das heute wieder tun? Auf Anfrage sagte Mobius, man beobachte den griechischen Markt weiter, habe wegen des ständig wechselnden Marktumfeldes derzeit aber keine klare Empfehlung: „Wir analysieren die Entwicklung noch.“

          Unterdessen gibt es eine Fondsgesellschaft, die in Kooperation zwischen Deutschland und Griechenland auch für Privatanleger Investments in griechische Aktien fördern will: Die Nürnberger Vermögensverwaltung Anodos Asset Management wirbt für griechische Aktien, allerdings vor allem für Exportwerte, weniger für Banken.

          Fünf interessante Industrieunternehmen

          „Unternehmen mit erfolgreichen Geschäftsmodellen, finanzieller Stärke, positiven Cashflows, soliden Gewinnen und exzellenten Managementqualitäten sind im griechischen Markt keine Seltenheit“, sagte Geschäftsführer Christos Arbaras. Seine Fondsgesellschaft vertreibt den nach eigenen Angaben einzigen in Deutschland angebotenen aktiv gemanagten Griechenland-Aktienfonds, den „Hellas Opportunities“. Er spiegelt den griechischen Fonds „Alpha Trust Hellenic Equity“, dessen Managerin Nota Zagari ist und der nach Unternehmensangaben von der Ratingagentur Morningstar mit fünf Sternen bewertet worden ist.

          Der Fonds hat vor allem in den Sommermonaten bis Mitte August stark verloren, hat sich seither aber etwas erholt. Zagari hat Banken derzeit untergewichtet. Stattdessen nennt die Fondsgesellschaft fünf Industrieunternehmen aus Griechenland, die im Moment interessant seien (siehe Grafik): Titan Cement, Griechenlands größten Hersteller von Baumaterialien; den Schmuckhersteller Folli Follie, der vor allem von den asiatischen Märkten lebe; Motor Oil Hellas, die trotz des sinkenden Ölpreises die Margen stabil gehalten hätten; den Kraftwerkbauer Metka, der neue Märkte etwa im Mittleren Osten erschließe; und den Getränkeabfüller Coca-Cola Hellenic Bottling, der in immerhin 28 Länder exportiere. Sie alle erzielten große Teile ihres Umsatzes außerhalb Griechenlands – und seien deshalb relativ unabhängig von den Unwägbarkeiten des griechischen Binnenmarkts.

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