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Stahlindustrie : Thyssen-Krupp liefert mit dem Aktienrückkauf ein starkes Signal

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Ekkehard D. Schulz, Vorstandschef von Thyssen-Krupp. Er soll noch bis 2011 an der Spitze des Konzerns stehen. Bild: picture-alliance/ dpa

Die Aktie von Thyssen-Krupp ist unterbewertet. Das glaubt auch das Management. Und deshalb kauft es nun Anteile zurück. Der Zeitpunkt ist gut, denn der Kurs ist sehr stark gefallen. Der Aktie tat die Ankündigung am Freitag sehr gut.

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          Thyssen-Krupp dreht auf. Zuerst lieferte der Stahlkonzern vor kurzem eine gute Zwischenbilanz, die die Erwartungen übertraf. Dann bestätigte die Hauptversammlung den Konzernlenker. Und nun startet die Gesellschaft auch noch einen Aktienrückkauf.

          Der Zeitpunkt dafür ist gut. Denn die Aktie ist in den vergangenen Wochen sehr stark gefallen. Angesichts der Rezessionsängste mit Blick auf Amerika ist das verständlich. Charttechnisch wirkt der Kurs denn auch angeschlagen. Er liegt unter dem mittelfristigen Aufwärtstrend und hat den kurzfristigen Abwärtstrend auch noch nicht gebrochen. Doch das könnte sich nun durch die Aktion des Managements schnell ändern.

          Grundsätzlich ist die Aktie attraktiv, auch wenn Analysten zuletzt ihre Kursziele senkten. Davon zeugt schon eine Dividendenrendite von um die vier Prozent.

          Mittelfristig ist zunächst der steile Aufwärtstrend der vergangenen Jahre gebrochen worden. Auch eine wichtige Unterstützung knapp unter 40 Euro ist gebrochen worden. Die Aktie schwenkt nun auf einen flacheren Wachstumspfad über.

          Analysten: „Aktienrückkauf ist ein gutes Signal“

          Die Aktien von Thyssen-Krupp kletterten am Freitag zeitweise mehr als fünf Prozent an die Dax-Spitze. Geplant ist der Erwerb von rund 15,8 Millionen eigenen Aktien und damit von rund drei Prozent des Grundkapitals. Das Aktienrückkaufprogramm läuft bis zum 17. Juli nächsten Jahres.

          „Der Aktienrückkauf von ThyssenKrupp ist ein gutes Zeichen“, sagte BHF-Bank Analyst Hermann Reith. „In Zeiten in denen sich die Investoren wegen der Kapitalmarktkrise mit Investitionen zurückhalten, ist es ein gutes Signal, wenn das Unternehmen seine Aktien als unterbewertet einstuft und zurückkauft. Der Rückkauf bringt dem Aktionär letztlich mehr Rendite als andere Investitionen.“

          Auch Analyst Jens Münstermann von CA Cheuvreux begrüßt das Rückkaufprogramm. „Dieser Schritt ist in jedem Fall positiv, denn er zeigt, dass sich das Management über die künftige Geschäftsentwicklung sehr sicher ist.“

          Quartalsgewinn war eingebrochen

          Die jüngsten Zahlen von Thyssen-Krupp waren dagegen schlecht, denn der Quartalsgewinn brach ein. Doch weil es nicht so schlimm kam, wie manche befürchtet hatten, freute sich die Börse darüber sogar. Insgesamt zeigte sich jedoch, dass der jüngste Pessimismus für die Aktie gerechtfertigt war.

          ThyssenKrupp hat im Auftaktquartal des laufenden Geschäftsjahres vor allem wegen eines schwächeren Edelstahlgeschäfts deutlich schlechter abgeschnitten als im Vorjahr. Vorstandschef Ekkehard Schulz sagte damals, falls sich die Konjunktur wie erwartet entwickle, gehe er für das laufende und das nächste Geschäftsjahr von einer „insgesamt positiven Geschäftsentwicklung“ aus. ThyssenKrupp liege im ersten Quartal über Budget und für dieses Jahr „voll im Rahmen der Planung“.

          Das Edelstahlgeschäft läuft schlechter

          Der Gewinn vor Steuern und wesentlichen Sondereffekten habe zwischen Oktober und Dezember nach ersten Berechnungen in der Größenordnung von 700 Millionen Euro gelegen, hieß es. Im Vorjahr hatte ThyssenKrupp noch 1,06 Milliarden Euro verdient. Hauptgrund für den Gewinnrückgang ist das schwächere Edelstahlgeschäft. Schulz hatte bereits im Dezember bei Vorlage der Bilanz auf eine bevorstehende „Normalisierung“ dieses zuletzt starken Bereichs hingewiesen. Im Vorjahr seien Nachfrage und Preise in dem Bereich außergewöhnlich hoch gewesen.

          Vor Steuern will der Stahlkonzern mehr als drei Milliarden Euro verdienen

          Die Ziele für 2007/2008 und darüber hinaus bekräftigte der deutsche Branchenprimus jedoch. „Der Vorstand erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz in Höhe von insgesamt 53 Milliarden Euro und ein Ergebnis vor Steuern - vor wesentlichen Sondereffekten, unter anderem Anlaufkosten für die Stahlwerke in Brasilien und den Vereinigten Staaten - von über drei Milliarden Euro“, sagte Schulz.

          Im vergangenen Jahr hatte ThyssenKrupp bereinigt um eine Kartellstrafe im Aufzuggeschäft vor Steuern noch 3,8 Milliarden Euro verdient - inklusive der Belastung lag der Vorsteuergewinn bei 3,3 Milliarden Euro. Neben dem schwächeren Edelstahlgeschäft hatte Schulz bei der ersten Bekanntgabe der Ziele im Dezember unter anderem Unsicherheiten bei den Rohstoffkosten als Gründe für den vorsichtigen Ausblick genannt.

          Mittelfristig peilt ThyssenKrupp unverändert ein Umsatzniveau von 60 Milliarden Euro und einen Vorsteuergewinn vor Sonderposten von vier Milliarden Euro an. Nach Inbetriebnahme der neuen Stahlwerke in Nordamerika soll der Umsatz dann längerfristig auf 65 Milliarden Euro und das Vorsteuerergebnis auf 4,5 bis 5 Milliarden Euro steigen.

          Analysten senken ihre Kursziele

          Die Commerzbank hat die ThyssenKrupp-Aktie nach den vorläufigen Zahlen mit „Buy“ und einem Kursziel von 46 Euro bestätigt. Vor der Zahlenvorlage hatten die Analysten das Kursziel allerdings von 55 auf 46 Euro gesenkt.

          UniCredit sind noch vorsichtiger. Sie hoben ihr Einschätzung zwar von „Sell“ auf „Hold“, das Kursziel senkten sie aber von 38 auf 37 Euro. Analyst Christian Obst erklärte, der Aktienkurs habe nach den letzten Rückgängen das Kursziel erreicht. Auch die Deutsche Bank senkte nach Angaben von Händler ihr Kursziel: auf 45 von 54 Euro.

          Vorstandschef Schulz bleibt bis 2011

          Der Vertrag von Vorstandschef Ekkehard Schulz wurde verlängert. Der Thyssen-Krupp-Chef soll bis 2011 im Amt bleiben. Der Thyssen-Krupp-Chef hatte zuvor schon mit einer Horrorprognose auf sich aufmerksam gemacht: Durch die EU-Pläne zum Emissionshandel seien in der Stahlindustrie 300.000 Arbeitsplätze bedroht. „Für die westeuropäische Stahlindustrie wäre die Pflicht zum Kauf der Emissionsrechte eine Katastrophe“, sagte der Chef des größten deutschen Stahlkochers ThyssenKrupp , Ekkehard Schulz. Wenn die hiesigen Stahlproduzenten die daraus entstehenden Kosten tragen müssten, könnten sie nicht mehr mit Lieferanten aus Osteuropa, Amerika und Asien konkurrieren.

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