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Stahl : Die Aktie von SKW Stahl ist unterbewertet

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Ines Kolmsee, Vorstandschefin von SKW Stahl-Metallurgie Bild:

SKW Stahl-Metallurgie bietet eine schöne Kombination aus Wert und Wachstum. Das glaubt Vorstandschefin Ines Kolmsee. Die Börse hat dagegen Angst vor Amerika. Kein Problem, findet die Chefin. Sie sieht keine Rezessionstendenzen.

          SKW Stahl-Metallurgie ist ein gefallener Engel. Die Kursverluste der Aktie sind übertrieben, weil es fundamental keinen Grund dafür gibt. Obwohl das Unternehmen sehr stark in Amerika verankert ist, wirkt sich das auf die Bilanz nur umrechnungstechnisch aus. Auf die Expansionspläne, die Gewinnperspektiven oder die Finanzierungsmöglichkeiten hat der schwache Dollar keine Auswirkungen. Da das Unternehmen gut gemanagt wird, dürften sich Umsatz und Ertrag wie von Analysten erwartet mit ordentlichen Wachstumsraten nach oben entwickeln.

          Was meint Vorstandschefin Ines Kolmsee?

          Frau Kolmsee, wie kommt eine Frau dazu, einen Stahlzulieferer zu führen?
          Ich war Finanzexpertin bei der Beteiligungsgesellschaft Arques und bin in die Führung von SKW gegangen, als Arques die Gesellschaft gekauft hatte.

          Wieviel Unternehmen auf der Welt haben Ihr Know-How?
          In dieser Form kein anderes. Wir entschwefeln Roheisen und sind Weltmarktführer. Und wir stellen Fülldrähte zur Stahlveredelung her.

          Sie bestimmen Ihren Markt?
          Nein, aber unsere Kunden, die Stahlunternehmen, wollen unsere Produkte schnell und langfristig in gleich bleibend hoher Qualität erhalten. Der Preis ist dabei wichtig, spielt aber letztlich für das Endprodukt keine Rolle. Denn bei der Roheisenentschwefelung beträgt er nur rund ein Prozent der Gesamtkosten, beim Fülldraht sogar unter 0,5 Prozent.

          Wo liegt das Wachstumspotential?
          Bei der Roheisenentschwefelung sind wir nach der Übernahme von ESM die Nummer 1. Dieses Geschäft ist sehr stabil. Bei den Fülldrahten hilft uns der Trend zu immer höherwertigeren Stählen. Hier sehen wir dank neuer Produkte großes Potential, zusätzlichen Umsatz bei gleichzeitig deutlich besseren Margen zu schaffen.

          Warum mögen Analysten Sie?
          Erstens haben unsere neuen Produkte hohe Rohertragsmargen, weil wir die Effizienzgewinne mit den Kunden teilen. Zweitens gehen wir in neue Märkte: Russland, Mexiko, China, Indien und Brasilien. Das sind zwar alles Märkte, die nicht wie Deutschland oder Amerika funktionieren. Dort steigt aber die Stahlnachfrage deutlich, weil mehr gebaut wird. Die Unternehmen wollen vor Ort Stahl produzieren und wir müssen folgen.

          Werden Sie kopiert?
          Ja, das kommt vor. Deshalb gehen wir sehr vorsichtig mit unserem Know-How um. Wir haben auch Konkurrenten, die wesentlich kostengünstiger anbieten. Doch das sind Produkte mit deutlich schlechterer Qualität.

          Wo stehen Sie in fünf Jahren?
          Wir wollen 360 Millionen Euro bis 2011 umsetzen. Das bedeutet für uns, dass wir in den nächsten Jahren 30 Millionen Euro investieren müssen. Hierfür sind wir finanziell gut aufgestellt.

          Lohnen Zukäufe?
          Selten, zum Beispiel um die Wertschöpfungskette zu erweitern. Es ist sinnvoller, regional zu expandieren und Produkte zu entwickeln.

          Wann zahlen Sie Dividende?
          Wir könnten zahlen. Wann hängt jedoch von der Finanzierung der Zukunftsprojekte ab. Das Wachstumsprogramm ist stramm.

          Ihr Top-Argument für die Aktie?
          SKW Stahl Metallurgie bietet eine schöne Kombination aus Wert und Wachstum.

          Warum sieht die Börse das nicht?
          Vielleicht weil wir einen großen Teil unseres Geschäfts in Amerika machen. Rezessionstendenzen sind in unserer Branche jedoch keine erkennbar.

          Aber der Dollarverfall belastet?
          Die Amerika-Aktivitäten gleichen sich aus. Da sind wir auf natürliche Weise abgesichert. Wir haben kein Geschäftsrisiko, nur ein Umrechnungsrisiko, wenn Dollargeschäft in die Euro-Bilanz kommt.

          Was bedeuten die Aussagen von Ines Kolmsee für Anleger? Kurzfristig ist Vorsicht angesagt, mittelfristig ist die Aktie interessant.

          Der Chart sieht momentan nicht gut aus

          Der Kurschart mahnt zur Vorsicht. Auf mittlere Sicht befindet sich die Aktie seit dem Sommer zunächst einmal in einem Abwärtstrend. Möglicherweise hat der Kurs gerade seinen Boden gefunden, doch eindeutig ist dies noch nicht. Ein positives Zeichen wäre, wenn die Aktie relativ schnell wieder auf Niveaus von mehr als 28 Euro steigen würde. Danach sieht es aber noch nicht aus.

          Die SKW-Aktie ist ein Kaufkandidat

          Gemessen an den positiven Perspektiven ist die Aktie im Moment unterbewertet und ein Kauf - auch wenn noch keine Dividende gezahlt wird. Dafür sprechen auch Branchenaspekte. Stahlunternehmen werden auf Jahre hinaus gut beschäftigt sein, weil sich viele Schwellenmärkte weiter entwickeln. Alle wollen bauen und dafür brauchen sie Stahl. SKW arbeitet zwar in einer Nische, doch deren Vorprodukte sind unentbehrlich.
          Anleger sollten dennoch nicht auf schnelle Kursgewinne hoffen. Denn Aktien mit geringem Börsenwert sind momentan am Markt out. Es wird noch eine Weile dauern, bis sich der Wind wieder dreht. Für langfristig orientierte Investoren ist dies jedoch gerade gut. Sie haben Zeit, sich die besten Werte herauszusuchen. SKW Stahl-Metallurgie gehört dazu.

          Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

          Text: @stt

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