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Squeeze-Out : Abfindungskandidaten helfen beim Überstehen stürmischer Börsenzeiten

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Dr. Scheller Cosmetics: Kandidat für einen Squeeze-Out Bild: Dr. Scheller Cosmetics

Squeeze-Out-Kandidaten weisen in der Regel eine geringe Korrelation zur Kursentwicklung am Gesamtmarkt auf. Das macht diese Titel gerade in schwierigen Börsenphasen wie aktuell zu einer guten Alternative für die Risikostreuung.

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          In den vergangenen Wochen ging es an den Aktienmärkten weltweit gehörig zur Sache. Selbst der Dax verlor in der Spitze rund 14 Prozent an Wert und etliche Schwellenländerbörsen mußten noch deutlichere Verluste einstecken.

          Wer in dieser Zeit in Aktien investiert war, hatte es schwer, sich dem Abwärtssog zu entziehen. Denn nur sehr wenige Titel haben die Korrektur ohne größere Blessuren überstanden. In schwierigen Börsenphasen zeigt sich daher, wie sinnvoll es sein kann, aus Gründen der Diversifikation auch auf Sondersituationen zu setzen.

          Dazu zählt unter anderem die Wette auf Squeeze-Out-Kandidaten, also Aktien von Unternehmen, bei denen die Aussicht auf eine Zwangsabfindung der Minderheitsaktionäre besteht. Diese kann durch einen Großaktionär eingeleitet werden, wenn dieser eine Mehrheit von mindestens 95 Prozent des Aktienkapitals erlangt, falls er die verbliebenen Minderheitsationäre aus der Gesellschaft gegen ihren Willen ausschließen will.

          Bild: FAZ.NET

          Geringe Korrelation zum Gesamtmarkt

          Weil der Ausschluß letztlich oft zu einem deutlich höheren Preis als zum bisherigen Börsenkurs erfolgt, läßt sich damit auch in holprigen Börsenphasen Geld verdienen. Und daß am deutschen Aktienmarkt in diesem Segment noch viel Bewegung ist, zeigte sich erst zur Wochenmitte wieder. Da teilte die Nordkapital Private Equity GmbH als Hauptaktionärin der Equitrust AG (Isin: DE0007776007) mit, über mehr als 95 Prozent der Equitrust-Aktien zu verfügen.

          Gleichzeitig kündigte sie an, die Anteile der Minderheitsaktionäre gegen Zahlung einer Barabfindung erwerben zu wollen. Wie hoch das Abfindungsgebot genau sein wird, muß zwar erst noch festgelegt werden. Am Markt scheinen die Akteure aber auf ein großzügiges Angebot zu hoffen, hat sich der Wert ausgehend von einem Kurs von 2,20 Euro in diesem Jahr in der Spitze doch fast schon verdoppelt.

          Kein Wunder, daß sich angesichts solcher Gelegenheiten einige Experten auf das Ausfindigmachen von Squeeze-Out-Kandidaten konzentriert haben. Zu diesen Fachleuten zählt auch Thorsten Geson, Vorstand der Spezialwerte AG. „Abfindungskandidaten führen teilweise ein Eigenleben. Mit ihnen im Depot lassen sich auch stürmische Börsenzeiten ganz gut überstehen“, lautet seine Einschätzung.

          Zu einem ähnlichen Schluß kommt auch Christoph Schäfers, Vorstand der Falkenstein Nebenwerte AG: „Durch eine Konzentration auf Sondersituationen wie Squeeze-Outs kann eine relativ geringe Abhängigkeit vom Gesamtmarkt erreicht werden.“ Allerdings hat dieser Umstand nicht nur Vorteile: „In Phasen stark steigender Kurse am Gesamtmarkt entwickeln sich Abfindungskandidaten nicht selten auch unterdurchschnittlich“ räumt er ein.

          Der deutsche Kurszettel beinhaltet noch etliche Abfindungskandidaten

          Letztlich bestätigt aber auch dieses Verhalten, daß sich Squeeze-Out-Kandidaten gut dazu eignen, um mehr Unabhängigkeit vom Gesamtmarkt zu erlangen. Wer das anstrebt, steht jedoch vor der schwierigen Aufgabe, die interessantesten Titel ausfindig zu machen und herauszufinden, ob jeweils ein lukratives Abfindungsangebot winken könnte, sofern es tatsächlich zum erwarteten Zwangsausschluß kommen sollte.

          Die Experten lassen sich dabei, wie Schäfers einräumt, nicht gerne in die Karten schauen. Zumindest nicht bei jenen Werten, bei denen sie noch immer Einstiegschancen wittern und ihre eigene Positionierung noch nicht abgeschlossen haben.

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