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Sportartikel : Puma-Aktie hat holprige Wegstrecke vor sich

  • Aktualisiert am

Weltmeisterliche Werbeträger Bild: picture-alliance/ dpa

Seit Jochen Zeitz 1993 das Ruder übernommen hat, geht es mit Puma bergauf. Doch inzwischen ist der Aktienkurs der Entwicklung des Unternehmens vorausgelaufen. Den Titeln könnte eine längere Verschnaufpause bevorstehen.

          Seit sieben Jahren steigert Puma den Gewinn - und jetzt das: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei im zweiten Quartal um 15,4 Prozent auf 69 Millionen Euro zurückgegangen, teilte Puma am Donnerstag mit. Unter dem Strich blieben 50 Millionen Euro, knapp 15 Prozent weniger als vor einem Jahr. Da verwundert es nicht, daß die Aktie im frühen Handel etwa zwei Prozent verliert (Isin DE0006969603).

          Der Umsatz dagegen stieg deutlich um 38 Prozent auf 546,6 Millionen Euro. Sinkender Gewinn und steigender Umsatz lassen sich mit der Fußball-Weltmeisterschaft erklären. Puma hatte bei der WM zwölf Teams ausgestattet - darunter den Weltmeister Italien. Das treibt die Erlöse, aber auch die Marketingkosten. Außerdem drückten hohe Investitionen in neue Produkte den Gewinn.

          Der Chef bleibt zuversichtlich...

          Puma-Chef Jochen Zeitz ist zuversichtlich, seine Ziele für das Gesamtjahr zu erreichen. Sein Optimismus scheint gerechtfertigt, schließlich zogen die Auftragsbestände um 35 Prozent auf rund eine Milliarde Euro an.

          Er hat den Puma wieder springen lassen: Jochen Zeitz

          Der Sportartikelhersteller rechnet weiterhin mit einer Umsatzsteigerung von 35 Prozent und einem operativen Ergebnis von 360 Millionen Euro. Das Nettoergebnis werde im oberen einstelligen Bereich unter dem Vorjahreswert von 285,8 Millionen Euro liegen. Bei einem Umsatz von 1,8 Milliarden Euro hatte Puma im vergangenen Jahr operativ 397,7 Millionen erwirtschaftet.

          ... und denkt in Phasen

          Zeitz versteht es bestens, seine langjährige Strategie den Medien und den Analysten zu verkaufen. Er hat 1993 als 30jähriger das Ruder bei dem verschuldeten und defizitären Sportartikler aus Herzogenaurach übernommen. Die erste Phase hieß „Restrukturierung“ - es ging darum, auf kleiner Basis wieder profitabel zu werden. Von 1998 an belebte Zeitz die Marke wieder, diese Phase war mit „Investition“ überschrieben. Phase III, „Momentum“ genannt, diente ab 2002 dazu, das Markenpotential auf allen Ebenen voll auszuschöpfen.

          Vergangenes Jahr läutete Zeitz vor Journalisten dann Phase IV ein, jetzt steht Expansion auf dem Programm. Trotzdem werden die Umsätze nicht mehr so steigen können wie in der Vergangenheit: Seit 1998 kletterten die Erlöse um 31 Prozent - im Jahresschnitt. Als Zeitz 1993 bei Puma anfing, erlöste der Konzern noch 541 Millionen Euro, 2005 waren es 2,4 Milliarden. Die Umsatzrendite beträgt inzwischen mehr als 16 Prozent. Auch die Bilanz ist gesundet: Bis 1995 war das Eigenkapital negativ, jetzt beträgt die Eigenkapitalquote bequeme 66 Prozent.

          Die Rally der Puma-Aktie

          Zu dieser Entwicklung paßt der Chart: Die Puma-Aktie war bis 2001 jahrelang nicht viel mehr als zehn Euro wert, dann begann der Höhenflug. Die Aktie lief zwar immer mal für einige Monate seitwärts, doch in diesen Phasen schien das Papier nur Anlauf zu nehmen für einen neuen Spurt. Im Mai markierte die Aktie bei 333 Euro ein neues Rekordhoch.

          Die Korrektur an den Märkten brachte sie allerdings bis auf 257 Euro Mitte Juni zurück - das ist ein beachtliches Minus von 23 Prozent in nur gut einem Monat. Danach konnten sich die Titel wieder etwas erholen, am Mittwoch gingen sie bei 285,15 Euro aus dem Handel.

          Adidas- und Nike-Aktien sind billiger

          Bei der beeindruckenden Entwicklung in der Vergangenheit wundert es nicht, daß die Aktie kein Schnäppchen ist: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzung beträgt 17,3 für dieses und 14,4 für das kommende Jahr. Für das kommende Jahr erwarten die Analysten im Schnitt eine Dividende von 3,36 Euro, das würde einer Rendite 1,2 Prozent entsprechen.

          Die Konkurrenz ist an der Börse günstiger zu haben: Die Adidas-Aktie (DE0005003404) hat ein KGV von 14,9 für 2006 und 11,9 für 2007, auch Nike (US6541061031) ist mit 14,5 und 13,9 günstiger bewertet. Adidas bringt 1,3 Prozent Dividendenrendite, Nike 1,7 Prozent.

          Chart und Bewertung raten zur Vorsicht

          Der sinkende Gewinn muß nicht gegen Puma sprechen. Das Unternehmen investiert in seine Zukunft. Das große Engagement bei der Fußball-WM war zwar teuer, doch die Chancen stehen gut, daß es sich in Zukunft doppelt und dreifach auszahlen wird. Bisher hat Jochen Zeitz die Investoren nicht enttäuscht, und wenig spricht dafür, warum sich das plötzlich ändern sollte.

          Trotzdem raten der Chart und die relativ hohe Bewertung zur Vorsicht. Gut möglich, daß die Puma-Aktie wieder nur Luft holt und neuen Anlauf nimmt. Doch die Pause könnte länger werden, als es manchem Anleger recht ist.

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