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Sportartikel : Adidas mit ersten Kratzern

  • Aktualisiert am

Ein gutes Jahr - aber Reebok bremst Adidas Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Das vergangene Jahr war für Adidas durchaus erfolgreich. Doch die Reebok-Übernahme drückte den Gewinn im vierten Quartal ins Minus. Die Aktie ist nur noch für Optimisten interessant.

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          Adidas darf ohne Zweifel als Erfolgsstory gelten. Umsatz und Gewinn steigen seit Jahren, der Aktienkurs nimmt einen Rekord nach dem anderen. Doch die neuen Geschäftszahlen sorgen für erste Kratzer: Die Kosten für die Übernahme des Konkurrenten Reebok haben den weltweit zweitgrößten Sportartikelhersteller im vierten Quartal 2005 überraschend in die Verlustzone gedrückt.

          Erst Ende Januar hatte das Papier ein neues Allzeithoch bei 174,30 Euro erreicht. Am Donnerstag ging es erst einmal bergab - die Aktie lag im frühen Handel 3,6 Prozent im Minus bei 159,20 Euro (Isin DE0005003404).

          Erwartungen der Analysten verpaßt

          Unter dem Strich sei im vierten Quartal ein Minus von vier Millionen Euro nach einem Gewinn von 20 Millionen Euro ein Jahr zuvor verbucht worden, teilte Adidas am Donnerstag mit. Damit verfehlte Adidas die Erwartungen von Analysten, die im Durchschnitt noch mit einem Gewinn von drei Millionen Euro gerechnet hatten.

          Adidas-Chef Hainer: „2005 war ein großartiges Jahr”
          Adidas-Chef Hainer: „2005 war ein großartiges Jahr” : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Auch im Gesamtjahr verpaßte Adidas die Erwartungen der Experten. Zwar stieg das Nettoergebnis um 21,8 Prozent auf 383 Millionen Euro, die von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Analysten hatten aber mit 392 Millionen Euro gerechnet. Adidas-Chef Herbert Hainer äußerte sich jedoch positiv: „2005 war ein großartiges Jahr für unsere Gruppe.“

          WM läßt Auftragsbestand steigen

          Bei Umsatz und Auftragsbestand spürt Adidas bereits positive Impulse durch die Fußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land. Im vierten Quartal legte der Konzernumsatz um satte 27,2 Prozent auf 1,521 Milliarden Euro zu, im Gesamtjahr um rund 13 Prozent auf 6,636 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand stieg bis zum Jahresende um 15 Prozent.

          Bei Reebok dagegen findet sich das ein oder andere unerfreuliche Detail: Im vierten Quartal ging der Umsatz der Reebok-Gruppe währungsbereinigt um drei Prozent zurück, in Dollar gerechnet sogar um fünf Prozent. Noch größere Sorgen bereiten Reeboks Auftragsbestände, die zum Ende des vierten Quartals währungsbereinigt um 22 Prozent und in Dollar gerechnet um 24 Prozent gesunken sind. In den Vereinigten Staaten ging der Auftragsbestand sogar um 30 Prozent zurück.

          Reebok drückt die Marge

          Adidas rechnet damit, daß die Erstkonsolidierung des Reebok-Geschäfts die operative Marge von 10,7 auf neun Prozent fallen läßt. Das Nettoergebnis soll aber steigen. „Unser Fokus richtet sich jetzt auf einen Turnaround der Marke Reebok“, kündigte Hainer an. Als der Adidas-Chef die 3,1 Milliarden Euro teure Übernahme im August angekündigt hatte, sprach er von Reebok noch nicht als „Turnaround“-Wert.

          Trotzdem blickt das Unternehmen aus Herzogenaurach optimistisch in die Zukunft: Für 2006 rechnet Adidas - inklusive Reebok - mit einem Umsatzplus im hohen zweistelligen Prozentbereich. Der Gewinn soll ebenso zulegen: „Unterm Strich rechnen wir zum sechsten Mal in Folge mit einer zweistelligen Gewinnsteigerung für das Jahr 2006“, sagte Hainer.

          „Asien bleibt für Adidas ein starker Wachstumsmotor“

          Auch die ersten Analysten-Stimmen fielen positiv aus: „Wir bestätigen nach den Zahlen unsere fundamentale Outperformer-Empfehlung“, sagt Christian Schindler von der Landesbank Rheinland-Pfalz. „Nach wie vor sind die Wachstumsperspektiven für die Sportartikelindustrie günstig. Vor allem Asien bleibt für Adidas ein starker Wachstumsmotor.“

          Tatsächlich hat Adidas seine Erlöse im vergangenen Jahr in Asien um 27 Prozent gesteigert, während sie in Europa nur um drei Prozent zulegten. Inzwischen erwirtschaftet Adidas etwa 23 Prozent seines Umsatzes in Asien.

          Die Aktie ist nur etwas für Optimisten

          Auf Basis der Gewinnschätzung für das laufende Jahr ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,4. Für 2007 errechnet sich ein KGV von 13,8. Damit ist die Aktie zwar höher bewertet als viele andere Dax-Werte, das Papier erscheint aber noch nicht übertrieben teuer. Für die Aktie spricht zweifelsohne auch der Chart: Der langjährige Aufwärtstrend bleibt intakt, selbst wenn die Aktie in den kommenden Wochen nur seitwärts laufen sollte.

          Doch Anleger dürfen nicht vergessen, daß die Integration von Reebok Adidas noch vor große Herausforderungen stellen kann. Auf der anderen Seite scheinen die positiven Effekte durch die Fußball-WM im Kurs schon eingepreist zu sein. Wer die Aktie langfristig weiter steigen sieht, muß schon Herbert Hainers Optimismus teilen.

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