https://www.faz.net/-gv6-15nf8

Spaniens Banken in der Krise : Verstaatlichung der CajaSur legt die Probleme offen

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Neben dem griechischen gehören die Aktienmärkte Italiens und Spaniens zu den schwächsten in Europa. Die Volkswirtschaften haben ähnliche Problem, deren Symptome sich an der Verstaatlichung der Caja Sur zeigen.

          Neben der griechischen gehören die Aktienmärkte Italiens und Spaniens zu den schwächsten in Europa. Der spanische Madrid Stock Exchange General Index hat seit Beginn des laufenden Jahres etwas mehr 22 Prozent seines Wertes verloren, mit dem FTSE Italia All-Share Index ging es dagegen um 16,4 Prozent nach unten.

          Beide Indizes sind in den vergangenen Wochen deutlich unter ihre gleitenden 200-Tagesdurchschnitte gefallen und bei beiden Indizes scheinen Anleger Erholungsversuche als günstige Gelegenheiten zum Verkauf von Aktien zu nutzen. Beide Staaten zeichnen sich durch ähnliche Probleme aus, die in Griechenland in extremer Form zur Finanz- und Wirtschaftskrise geführt haben.

          Vorübergehender, einseitiger Boom wegen tiefer Zinsen

          Ihre Volkswirtschaften konnten in den vergangenen Jahren zunächst vom Boom profitieren, der von den tiefen Zinsen ausging, die der Beitritt zum Euro mit sich brachten. Sie beflügelten zusammen mit einer vergleichsweise robusten Weltwirtschaft den Konsum, die Immobilienmärkte und die Exportwirtschaft. Allerdings fand diese Entwicklung auf der Basis zunehmender Verschuldung, einer einseitigen wirtschaftlichen Entwicklung und hohem Risikoappetit internationaler Anleger statt. Die Investoren „spielten“ in diesen Jahren den so genannten „Konvergenzprozess“ und ließen fundamentale Risiken außen vor.

          Nun erst nehmen sie wahr, dass sie sich verschätzt haben. Denn die Volkswirtschaften dieser beiden Staaten sind in großen Teilen international nicht wettbewerbsfähig. Sie müssen gleichzeitig sparen und ihre Wirtschaftsstrukturen reformieren. Das wird nicht einfach, zumal die Finanzsysteme beider Staaten angeschlagen sind. Die Aktienkurse der Banken gehören schon seit Wochen zu den schwächsten Werten, da sie in ihren Büchern aufgrund der schwachen Immobilienmärkte und der problematischen Wirtschaftsstrukturen noch größeren Abschreibungsbedarf verbergen.

          Das zeigte sich am Wochenende in Spanien. Es wurde bekannt, dass die spanische Zentralbank die angeschlagene Sparkasse Caja Sur aus der südspanischen Stadt Cordoba übernehmen musste. Die Bilanz des zuvor von der katholischen Kirche kontrollierten Instituts wird von notleidenden Hypotheken belastet. Ihr Kreditbuch belaufe sich auf 13 Milliarden Euro und sie halte 0,6 Prozent der Vermögenswerte des spanischen Finanzsystems, heißt es.

          Caja Sur litt unter einem rasch steigenden Volumen problembehafteter Kredite

          Die Caja Sur galt als schwächstes Glied der Sparkassen. Ihre Solvenz litt unter einem rasch steigenden Volumen problembehafteter Kredite. Am Freitag hatte sie Fusionsverhandlungen mit der andalusischen Sparkasse Unicaja abgebrochen und damit die Zentralbank auf den Plan gerufen. Die Schieflage von Caja Sur ist die zweite einer spanischen Bank seit dem Beginn der weltweiten Finanzkrise vor zwei Jahren. Viele Sparkassen waren während des spanischen Baubooms des vergangenen Jahrzehnts durch Hypothekenvergabe gewachsen. Mit dem schrumpfen der Immobilienblase geraten nun zahlreiche Schuldner in Zahlungsschwierigkeiten.

          So kann es kaum verwundern, dass die Anleger Finanz-, Bau- und Immobilienwerte in Spanien, aber auch in anderen Regionen Europas kritisch betrachten und sie im Zweifel verkaufen. Während die Immobilienpreise sich noch lange nicht normalisiert haben, gibt es große Bestände an bisher unverkauften Immobilien. Gleichzeitig ist kaum absehbar, welche Industrien diese Volkswirtschaften wachsen lassen, die angespannten Arbeitsmärkte entspannen und indirekt die Nachfrage nach Immobilien künftig wieder anziehen lassen könnten.

          Gerade in Spanien seien die allgemeinen Wachstumserwartungen noch zu optimistisch, erklärten kritische Ökonomen wie etwas Javier Diaz-Gimenez, Professor an der IESE Business School in Madrid. In diesem Sinne dürften Anleger die spanische Börse weiterhin kritisch betrachten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          In einem Gedenkgottesdienst nehmen Angehörige, Freunde und Nachbarn Abschied von dem achtjährigen Jungen

          Nach Frankfurter Gewaltat : Abschied von getötetem Achtjährigen

          Nach der grausamen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof haben Angehörige, Freunde und Nachbarn in einem Gedenkgottesdienst Abschied von dem getöteten Jungen genommen. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier war anwesend.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.