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Spanien : Vor allem die mittelgroßen Banken leiden

Aus der Fusion von mehreren Sparkassen, darunter die Caja Madrid, hervorgegangen: Bankia Bild: dpa

Vor allem die Sparkassengruppen und mittelgroßen Geldinstitute belasten den spanischen Staat: Der Kapitalbedarf soll höher ein als der aktuelle Börsenwert.

          Es sind nicht die großen Banken wie Santander, Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) oder Caixa, deren Kapitalbedarf den spanischen Staat überfordert. Es sind die Sparkassengruppen wie Bankia, Catalunya Caixa oder Nova Galicia sowie die mittelgroßen Institute wie Banco Popular oder Banco de Valencia. Dies lässt sich auch an der Aktienkursentwicklung seit Anfang 2011 ablesen. Die Aktien von Santander und BBVA, deren Ratings Fitch am Montag um jeweils zwei Stufen von „A“ auf „BBB+“ senkte, haben ähnlich verloren wie der europäische Branchenindex Stoxx Banken, der in dem Zeitraum gut ein Drittel eingebüßt hat. Dagegen brach der Kurs der Banco Popular um 54 Prozent ein, der von Banesto um 55 Prozent und der von Sabadell um 43 Prozent. Die am 20. Juli 2011 an die Börse gegangene Bankia hat ihren Aktionären bislang einen Verlust von 70 Prozent beschert.

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          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bankia ist aus der Fusion von mehreren Sparkassen, darunter die Caja Madrid, hervorgegangen und gilt wegen ihres hohen Engagements am Immobilienmarkt als angeschlagen. Ihr vor wenigen Wochen um 19 auf 23 Milliarden Euro aufgestockter Kapitalbedarf sorgte für die Befürchtung, dass die bislang von der spanischen Notenbank verbreiteten Zahlen zum Kapital- und Vorsorgebedarf spanischer Banken das tatsächliche Ausmaß der Krise nicht zeigten.

          Verkaufsempfehlungen wegen der hohen Risiken

          Das Eingeständnis der spanischen Regierung, Hilfskredite der Eurogruppe von bis zu 100 Milliarden Euro zu beantragen, sowie der Bericht des Internationalen Währungsfonds (IWF), wonach der Kapitalbedarf spanischer Banken 60 bis 80 Milliarden Euro beträgt, werten die Analysten von Goldman Sachs als gut für die zwei größten Banken des Landes, Santander und BBVA. So attestierte der IWF ihnen ausreichend Kapital, um auch eine weitere Eskalation der Krise, deren Ursprung in einer geplatzten Immobilienpreisblase liegt, überstehen zu können. Zudem halten die Analysten von Goldman Sachs durch die für die Bankenrekapitalisierung bereitgestellten Mittel der Eurogruppe das Risiko einer tiefgehenden Bankenkrise in Spanien, vor der auch Santander und BBVA nicht gefeit wären, für begrenzt. Die Aktie von Santander gab am Montag um 0,3 Prozent nach und die von BBVA schloss unverändert.

          Um 1,9 Prozent fielen die Aktien der Banco Popular, die Goldman Sachs ebenso wie die Titel von Bankinter zum Verkauf empfiehlt. In einer Analyse der Citigroup wird der Kapitalbedarf der Popular auf 5 Milliarden Euro geschätzt, um nach Berücksichtigung der Kreditverluste auf eine harte Kernkapitalquote von 9,5 Prozent zu kommen. Das wären 167 Prozent der Marktkapitalisierung. Für dieses Jahr erwarten die Citigroup-Analysten, dass die Banco Popular einen Verlust von 558 Millionen Euro ausweisen wird. An der mit einer Bilanzsumme von 130 Milliarden Euro fünftgrößten Bank Spaniens ist die Allianz mit 9,2 Prozent beteiligt. Im ersten Quartal hat der Münchner Versicherungskonzern die Beteiligung schon mit 77 Millionen Euro abgeschrieben.

          Einen Kapitalbedarf, der über den gegenwärtigen Börsenwert hinausgeht, haben nach Ansicht der Citigroup-Analysten auch Sabadell und Banesto. Sabadell benötigt nach dem Citigroup-Stresstest 3,5 Milliarden Euro, was 114 Prozent der Marktkapitalisierung entspricht. Für Banesto werden 2,5 Milliarden Euro oder 143 Prozent des Börsenwerts erwartet. Während die Citigroup-Analysten die Aktien von Popular, Sabadell und Bankinter wegen der hohen Risiken zum Verkauf empfehlen, sind sie für Banesto neutral. Ein wesentlicher Grund dürfte Santander sein, die mit einer Beteiligung von 88,5 Prozent Banesto kontrolliert.

          Hohes Verwässerungsrisiko für die Aktionäre

          Auch Caixa, die aus der Sparkasse von Barcelona hervorgegangen ist, wird in dem IWF-Bericht als stark genug eingeschätzt, um die Kreditverluste verkraften zu können. Allerdings beziffern die Citigroup-Analysten den Kapitalbedarf auf 6,9 Milliarden Euro oder 85 Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung. Zudem raten sie, die Caixa-Aktie zu verkaufen.

          Die Analysten von Goldman Sachs stufen die Aktien von Banesto, Caixa und Sabadell noch mit neutral ein. Den Verkauf empfehlen sie für Popular und Bankinter. Obwohl die Bewertungen schon deutlich gesunken seien, bestehe weiterhin das Risiko einer Verwässerung des Anteilsbesitzes durch die Rekapitalisierung über den staatlichen Bankenrettungsfonds Frob. Darüber hinaus sei das Geschäftsumfeld in Spanien zunehmend herausfordernd. Das Land befindet sich in einer Rezession und weist mit 24 Prozent die höchste Arbeitslosenquote im Euroraum auf.

          Das Verwässerungsrisiko für die Aktionäre der mittelgroßen Banken werten auch die Analysten von JP Morgan Cazenove als hoch. Zudem erwarten sie weitere Kreditrückstellungen und in Zukunft eine engere Beziehung vieler Banken mit dem Staat. Schließlich sei mit rückläufigen Gewinnausschüttungen zu rechnen.

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