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Soziale Medien : Facebook bleibt eine Ausnahme an der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Facebook werden robuste Wachstumsraten vorausgesagt. Bild: dpa

Die drei prominentesten Vertreter der sozialen Netzwerke haben ihre Quartalsergebnisse vorgelegt - und die Anleger enttäuscht. Einzig Facebook hat zugelegt. Der Aktienkurs von Twitter geht wegen enttäuschender Wachstumsraten auf Talfahrt.

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          Es ist die Woche der sozialen Netzwerke an der Wall Street. Die drei prominentesten Vertreter dieser Internetaktien – Facebook, Twitter und Linkedin–legen ihre Quartalsergebnisse vor, und die erste große Enttäuschung ist bereits da. Der Kurznachrichtendienst Twitter berichtete am Montagabend für das dritte Quartal einen Verlust von 175,5 Millionen Dollar – deutlich mehr als im vergangenen Jahr, als der Fehlbetrag bei knapp 65 Millionen Dollar gelegen hatte. Anleger reagierten verschnupft.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Der Aktienkurs von Twitter sackte im frühen Handel an der New Yorker Börse um zeitweise 13 Prozent ab. In diesem Jahr liegen die Twitter-Aktien nun schon um 34 Prozent im Minus. Verluste sind die Aktionäre von Twitter zwar gewohnt, weil das Unternehmen in Wachstumsstrategien investiert und noch nie profitabel war. Twitter verfügt zudem über Barreserven in Milliardenhöhe, mit denen sich Verluste zumindest zeitweise kompensieren lassen. Der jüngste Fehlbetrag lag zudem im Rahmen der Erwartungen. Enttäuscht waren Anleger aber vor allem, weil es an dem erhofften Wachstum haperte. Zwischen dem ersten und dem zweiten Quartal war die Mitgliederzahl von Twitter noch um 16 Millionen gestiegen. Nun meldeten sich lediglich 13 Millionen neue Mitglieder bei Twitter an. Für Twitter-Vorstandschef Dick Costolo ist die Erhöhung der Nutzerzahlen daher „Priorität Nummer eins“. Mit seinen 284 Millionen Nutzern hängt Twitter weit dem sozialen Netzwerk Facebook hinterher, das rund um die Welt zuletzt 1,32 Milliarden Menschen nutzten.

          Anleger an der Wall Street unterstellen Facebook, dessen Nutzerzahl im zweiten Quartal um 14 Prozent zugelegt hatte, weiter robuste Wachstumsraten. Der Aktienkurs des Unternehmens, das am Dienstagabend seine Quartalszahlen vorlegen wollte, ist in diesem Jahr um 48 Prozent geklettert und notiert mit rund 81 Dollar auf Rekordniveau. „Facebook hat die Nutzerzahlen mit robusten Tempo von einer sehr breiten Basis aus gesteigert“, meint Analyst Mark Mahaney von der Wertpapiersparte der Royal Bank of Canada. Mahaney unterstellt den Facebook-Aktien ein Gewinnpotential von 15 Prozent. „Der bei weitem wichtigste Trend im Internet sind mobile Geräte, und Facebook ist ein mobiles Unternehmen geworden“, resümiert Mahaney. Im zweiten Quartal stammten mehr als drei Fünftel der Werbeeinnahmen aus dem mobilen Internet – im Gegensatz zur Werbung auf Personalcomputern.

          Als Facebook im Mai 2012 an die Börse gegangen war, hatten Anleger noch befürchtet, dass das Unternehmen den Trend zu internetfähigen Mobiltelefonen und Tabletcomputern verpassen könnte. Diese Sorgen sind verflogen. An der Börse ist Facebook in diesem Jahr eine regelrechte Ausnahmeerscheinung. Der Branchenindex S&P 500 Internet Software&Services, in dem Facebook abgebildet ist, hat in diesem Jahr nur um 8 Prozent zugelegt. Damit haben sich Internetaktien immer noch ein wenig besser entwickelt als der breite Markt. Das Standardwertebarometer S&P 500 liegt in diesem Jahr um knapp 7 Prozent im Plus.

          Bremsklötze im Branchenindex

          Linkedin, das im Gegensatz zu Facebook ausschließlich auf geschäftliche Verbindungen spezialisierte Netzwerk, war neben Twitter einer der Bremsklötze im Branchenindex. Der Aktienkurs von Linkedin liegt trotz einer Erholung im zweiten Halbjahr um mehr als 7 Prozent im Minus. Analysten werden wie bei den anderen sozialen Netzwerken ebenfalls stark auf das Wachstum der Nutzerzahl achten, wenn Linkedin am Donnerstag Quartalsergebnisse vorlegt. Analyst John Blackledge von der Investmentbank Cowen erwartet ein Wachstum von 27 Prozent auf rund 330 Millionen Nutzer.

          Für die Unternehmen ist es zudem wichtig, ihre Nutzer über das Geschäft mit Anzeigen zu Geld zu machen. Twitter gelang es immerhin, mit Einnahmen von 361 Millionen Dollar die Analystenschätzungen zu übertreffen. Das Gros der Werbeeinnahmen stammt mit 85 Prozent zudem aus dem wichtigen Geschäft im mobilen Internet. Auf das Jahr hochgerechnet, wird Twitter seinen Marktanteil am digitalen Werbekuchen vergrößern, schätzen die Marktforscher von Emarketer – wenngleich auf niedrigem Niveau. Im vergangenen Jahr lag der Marktanteil von Twitter am digitalen Werbemarkt bei 0,5 Prozent. In diesem Jahr sollen es rund 0,8 Prozent werden.

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