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Unter 11.000 Punkten : Yuan-Abwertung lässt Dax abrutschen

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Die chinesische Zentralbank hat die Landeswährung heute ein weiteres Mal auf Talfahrt geschickt. Bild: Reuters

Die Sorgen um die Geschäfte der deutschen Wirtschaft mit China haben den Dax am Mittwochnachmittag unter 11.000 Punkte gedrückt. Der Euro hingegen legt den sechsten Tag in Folge zu.

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          Die erneute Abwertung des Yuan hat den Dax tief ins Minus gedrückt. Der deutsche Leitindex verlor am Mittwochnachmittag 3,25 Prozent auf 10.927 Zähler und rutschte damit unter die wichtige Marke von 11.000 Punkten. Die chinesische Notenbank ließ den Yuan am Mittwoch weiter fallen, die Währung markierte den tiefsten Stand seit vier Jahren.

          Analysten sind der Ansicht, dass ein schwächerer Yuan vor allem der Exportindustrie des Landes helfen wird. Die Ausfuhren Chinas waren im Juli um 8,3 Prozent im Vergleich zum Juli des Vorjahres eingebrochen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) nannte die Abwertung des Yuan einen „willkommenen Schritt", weil der Markt eine größere Bedeutung bei der Bestimmung des Wechselkurses erhalte. Auch die EU-Kommission in Brüssel sprach nach dem überraschenden Politikwechsel der chinesischen Zentralbank von einer „positiven Entwicklung".

          Unklarheit herrscht nun darüber, ob noch weitere Abwertungsschritte folgen. Die Zentralbank schrieb zwar am Mittwoch in einer Stellungnahme:“Momentan gibt es keine Basis dafür, die Abwertung des Wechselkurses fortzusetzen." Allerdings hatten die Geldwächter schon bei der Intervention am Vortag betont, dass es sich um eine "einmalige Maßnahme" handele.

          An den Märkten verstärkte dies die Sorgen vor einem Währungskrieg. Die Maßnahmen der Zentralbank sehen viele Investoren zudem als Beleg dafür, dass der chinesischen Wirtschaft eine deutliche Abkühlung droht. Nach der zweiten Abwertung wachse die Wahrscheinlichkeit, dass andere asiatische Länder nachziehen und ihre Währungen ebenfalls schwächen könnten, sagte ein Börsianer. Dadurch könnte das gewünschte Ziel der chinesischen Zentralbank, die Wirtschaft zu stützen, verfehlt werden. Ein schwächerer Yuan macht chinesische Produkte im Ausland wettbewerbsfähiger, verteuert umgekehrt aber ausländische Produkte für chinesische Käufer. An der Börse in Hongkong, an der auch ausländische Anleger ohne Beschränkungen handeln können, ziehen sich die Investoren nach Angaben eines Marktteilnehmers zurück. Wegen der Yuan-Abwertung würden auch Aktien und Anleihen in dieser Währung immer stärker an Attraktivität verlieren, sagte ein Börsianer.

          Euro legt den sechsten Tag in Folge zu

          Größter Verlierer im Dax waren Henkel mit einem Minus von mehr als 8 Prozent. Der Konsumgüterkonzern konnte die Anleger trotz der Zuwächse bei Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal nicht überzeugen. Bergab ging es angesichts der Sorgen um die chinesische Wirtschaft auch für die Titel der exportorientierten Autobauer. Daimler, BMW und Volkswagen verloren zwischen 5 und 3,5 Prozent.

          Der Euro hat heute hingegen die Aufwärtsbewegung der vergangenen Handelstage fortgesetzt. Am Nachmittag stand die Gemeinschaftswährung bei 1,1182 Dollar und damit höher als am Vorabend. Der Euro kann damit den sechsten Handelstag in Folge zulegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Dienstagmittag auf 1,1055 Dollar festgesetzt. Händler erklärten die Kursgewinne beim Euro unter anderem mit der Sorge der Anleger, dass die amerikanische Notenbank ihre erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren wegen einer Konjunkturflaute in China verschieben könnte. Noch rechnen viele Experten im September mit der Zinswende in den Vereinigten Staaten. Zuvor hatte die Aussicht auf steigende Zinsen in Amerika und eine weiter extrem lockere Geldpolitik in der Eurozone den Euro stark belastet.

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