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Sonderausschüttung : Bittere Pille für Altana-Aktionäre

Bild: F.A.Z.

Privatanleger werden an einer Sonderausschüttung der Altana AG keine große Freude haben. Denn wer mehr als 45 Aktien besitzt, muss die Ausschüttung versteuern. Um das zu umgehen, hat Großaktionärin Klatten eigens eine Kapitalgesellschaft gegründet.

          Der Vorstand der Altana AG behauptet, er habe für die Aktionäre mit einer Sonderausschüttung und einer Dividendenerhöhung ein attraktives Paket geschnürt. Für Privatanleger allerdings wird die Sonderausschüttung Anfang Mai schnell zu einer dicken Kröte. Denn sie müssen die Ausschüttung versteuern.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zu der Ausschüttung kommt es, weil Altana mit Wirkung zum 31. Dezember ihr Pharmageschäft für 4,6 Milliarden Euro verkauft hat. Künftig wird die Gesellschaft, die derzeit insgesamt an der Börse mit 6,7 Milliarden Euro bewertet wird, nur noch aus der Chemie-Sparte bestehen. Der gesamte Verkaufserlös für das Pharma-Geschäft wird ausgekehrt. Es verbleibt eine Altana-Chemie AG mit einem Marktwert von derzeit 2,1 Milliarden Euro. Damit bringt Altana nicht mehr genug auf die Waage, um auf Dauer im Dax zu bleiben. Der Abstieg in den M-Dax könnte schon im Juni erfolgen.

          Kurs im Gleichklang mit dem Dax

          Dies muss die langfristigen Aussichten der Altana-Aktie nicht schmälern. Kurzfristig indes ranken sich um die Aktie einige Missverständnisse, die den Kurs stärker gestützt haben könnten als gerechtfertigt. Seit Bekanntgabe der Sonderausschüttung Anfang November bewegte sich der Kurs im Gleichklang mit dem Dax und beendete damit eine monatelang unterdurchschnittliche Kursentwicklung.

          Einigen Privatanlegern ist womöglich nicht klar, dass die Sonderausschüttung wie jede Aktie, die ex Dividende gehandelt wird, den Kurs entsprechend reduzieren wird. Das heißt: Erfolgt nach Ende der Hauptversammlung am 3. Mai die Ausschüttung, wäre es eine Überraschung, wenn sich der Kurs nicht um die „normale“ Dividende von 1,30 Euro und die Sonderausschüttung von 32 Euro je Aktie reduzierte. Der Kurs dürfte sich dann also nicht mehr wie derzeit bei 47,30 Euro, sondern bei rund 14 Euro bewegen.

          „Ausschüttungsrendite“ von rund 70 Prozent

          Gleichwohl, so mag mancher Aktionär argumentieren, ist eine Ausschüttung grundsätzlich nicht zu verachten. So können Altana-Aktionäre, bezogen auf den Kurs von gut 47 Euro, eine gewaltige „Ausschüttungsrendite“ von rund 70 Prozent berechnen. Dabei ist jedoch zu beachten, dass Altana in den kommenden Jahren sicherlich deutlich weniger ausschütten wird. Die genannte Rendite ist also - angesichts der Höhe kaum überraschend - einmalig. Am wichtigsten aber ist, dass Privatanleger für 2007 die Renditebetrachtung nach Steuern in den Blick nehmen. Gemäß dem Halbeinkünfteverfahren muss die Ausschüttung zur Hälfte versteuert werden.

          Dies trifft die Altana-Aktionäre auch deshalb hart, weil der Sparerfreibetrag in diesem Jahr auf 750 Euro (Verheiratete: 1.500 Euro) halbiert wurde. Lässt man die Werbungskostenpauschale außen vor, heißt das: Sogar wer über Altana hinaus keine weiteren Zinsen und Dividenden erhält, kann als Lediger die hohe Sonderausschüttung für nur 45 Altana-Aktien - im heutigen Marktwert von rund 2.100 Euro - steuerfrei einnehmen. Von der 46. Altana-Aktie an muss Einkommensteuer gezahlt werden. Spitzenverdiener zahlen nach Ausschöpfung des Sparerfreibetrages auf die halbe Ausschüttung 45 Prozent plus Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer.

          Kritik auf der Hauptversammlung groß

          Da viele Privatanleger mehr als 45 Altana-Aktien oder weitere Kapitalerträge haben, war die Kritik am Vorgehen von Altana auf der Hauptversammlung am 19. Dezember groß. Es wurde hinterfragt, ob der Vorstand tatsächlich im Interesse aller Aktionäre handele oder ob die hohe Ausschüttung auf die Großaktionärin Susanne Klatten zugeschnitten sei.

          Schließlich kann die Quandt-Erbin Klatten der Steuerzahlung auf die Ausschüttung ein gutes Stück weit ausweichen, da sie ihr Paket von 50,1 Prozent aller Altana-Aktien in die eigens dafür gegründete Kapitalgesellschaft Skion GmbH eingebracht hat. Diese zwischengeschaltete Gesellschaft muss nur auf 5 Prozent der Sonderdividende von mehr als 2 Milliarden Euro 25 Prozent Körperschaftsteuer und 14 Prozent Gewerbesteuer zahlen.

          Altana-Privataktionären bleibt der Verkauf

          Für viele Privatanleger dagegen dürfte sich die Gründung einer Kapitalgesellschaft nicht lohnen. Für sie wäre es womöglich günstiger gewesen, wenn Altana den Verkaufserlös von 4,6 Milliarden Euro für ein zumindest kursstützendes Aktienrückkaufprogramm verwendet hätte. Der Vorstand erklärt hierzu, diese Option sei geprüft und verworfen worden. Denn Altana besitze schon eigene Aktien in Höhe von 3,1 Prozent des Grundkapitals. Da höchstens 10 Prozent erworben werden dürfen, könnten lediglich weitere 6,9 Prozent zum heutigen Kursniveau von 460 Millionen Euro gekauft werden. Damit wäre nur ein Zehntel des Verkaufserlöses verbraucht. Mehr könnte Altana indes dann für eigene Aktien ausgeben, wenn zuvor eine Kapitalherabsetzung erfolgte. Diese Maßnahme ist dem Vorstand allerdings zu komplex.

          Somit bleibt den Altana-Privataktionären, die ihren Steuerfreibetrag nicht mit einem Schlag ausschöpfen wollen oder die Absicht haben, ihre Steuerlast zu begrenzen, wohl nur der Verkauf ihrer Aktien. Als Wiederanlage können sie ein Zertifikat der Deutschen Bank kaufen. Dieses lässt die Anleger heute schon an der künftigen Kursentwicklung der Altana-Chemie teilhaben - ohne einen Anspruch auf die umstrittene Sonderausschüttung am 3. Mai 2007 zu erwerben.

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