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Solarworld : Es wird immer dunkler

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Kurs der ehemals im Tec-Dax gelisteten Aktien von Solarworld bricht am Donnerstag um mehr als 30 Prozent ein. Das Grundkapital des Konzerns ist aufgezehrt.

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          Die Lichter scheinen bei Solarworld immer mehr auszugehen. Der Bonner Konzern wird 2012 wegen Wertberichtigungen auf Anteile an verbundenen Unternehmen und auf Beteiligungen einen hohen Verlust ausweisen. Er dürfte sich Unternehmens-Angaben zufolge nach Steuern auf 520 bis 550 Millionen Euro belaufen.

          Die Gesellschaft teilte weiter mit, dass damit ein kumulierter Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals eingetreten ist, genauer gesagt ist das gesamte Grundkapital aufgezehrt. Nun muss eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden. Dazu werde anstelle zur ordentlichen Hauptversammlung 2012 nun zu einem neuen Termin eingeladen, so das Unternehmen.

          Vom Highflyer zum Pennystock

          Die jüngsten Negativmeldungen des einstigen Börsenlieblings Solarworld werden an der Frankfurter Börse mit einem herben Kurseinbruch quittiert. Der Kurs fällt auf ein neues Rekordtief von rund 64 Cents, nachdem sie am Vortag mit 92 Cents geschlossen hatte. Am 1. November 2007 hatte die Aktie noch ein Rekordhoch von 48,80 Euro erreicht, ehe ihr Stern angesichts der sich allmählich ausweitenden Krise im Solargeschäft  zu sinken begann.

          Bild: FAZFinance

          Die Frage ist, ob das Unternehmen die Umstrukturierung der Schulden schaffen kann“, so ein Händler am Morgen. Das Geschäft von Solarworld laufe schlecht, daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Solarworld hatte schon Ende Januar die Investoren mit dem Eingeständnis schockiert, drastische Schuldeneinschnitte vornehmen zu müssen, um überleben zu können. Bis zum Stichtag 30. September hatte die Gesellschaft Schulden in Höhe von gut einer Milliarde Euro angehäuft. Die Aktie des Solarkonzerns hatte danach massiv an Wert verloren und musste Anfang März den Technologiewerte-Index Tec-Dax verlassen.

          „Enorme Unsicherheiten“

          Die Solarworld-Aussagen dürften die Kurse der letzten in den wichtigen Indizes verbliebenen Solarwerte belasten, kommentierte ein weiterer Händler. Hinzu komme ein Medienbericht, wonach die Preise für Polysilizium erstmals in diesem Jahr zurückgegangen sind.

          Seitens der Analysten ist die Zuversicht gesunken, dass der Konzern die Kurve noch einmal bekommen könnte. Bei Solarworld dominieren beispielsweise nach Einschätzung der LBBW weiter enorme Unsicherheiten von existenzieller Bedeutung. Selbst die Gefahr einer Insolvenz sei vor dem Hintergrund der Branchentrends weiter im Blick zu behalten. Dies gelte insbesondere für den Fall, dass keine Einigung mit den Gläubigern erzielt werden könne. Andererseits könnte mit einer erfolgreichen Finanzrestrukturierung ein neuer Startpunkt für Solarworld gefunden werden, so die Analysten. Die LBBW rät zum Verkaufen der Aktie und sieht ein Kursziel von 0,85 Euro.

          In diese Kerbe schlägt auch die DZ Bank, die die Aktie von „Halten“ auf „Verkaufen“ abstufte und den fairen Wert von 60 auf 50 Cent senkte. Die Polysiliziumpreise seien auf dem Tiefpunkt und drückten auf den Gewinn, wenngleich die Mengennachfrage sich offenbar leicht erholt habe, schrieb Analyst Peter Spengler in einer aktuellen Studie. Eine Vollauslastung der Kapazitäten sei aktuell aber noch nicht in Sicht. Zudem sei die Aktie fundamental derzeit deutlich überbewertet.

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