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Solarwerte : Zweifel weiter vorhanden

  • Aktualisiert am

Bild: AP

Das Geschäftsmodell der Branche wird auch nach der Solarworld-Umstrukturierung weiter angezweifelt. Die Zulieferer stehen etwas besser da.

          Es gab Zeiten, da waren die drei Buchstaben „Sol“ im Firmennamen gleichbedeutend mit Kursanstiegen, hohen Renditen und satten Gewinnen. Doch diese Phase scheint vorbei zu sein. Die Solarworld AG musste am Dienstag ihre Gläubiger um Unterstützung bitten, um den Fortbestand zu sichern. Das Unternehmen bekam ihn.

          Nach mehreren Pleiten in der Branche hat Solarworld als Deutschlands größter Solarkonzern eine drohende Insolvenz abgewendet. Mit der Zustimmung der Aktionäre ist der Weg frei für das Sanierungskonzept. Mit ihm will Vorstandschef Frank Asbeck einen Neustart in einem von chinesischer Billigkonkurrenz dominierten Markt ermöglichen. Asbeck sprach von einem „neuen Geburtstag“ für das von ihm vor 15 Jahren gegründete Unternehmen. Auch in Freiberg, dem größten Produktionsstandort des Konzerns, löste die Billigung des Rettungsplanes Erleichterung aus.

          Am späten Mittwochabend hatten die Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung in Bonn mit 99,1 Prozent dem von Asbeck vorgeschlagenen Rettungsplan zugestimmt. Die Umsetzung des Konzepts für das hoch verschuldete Unternehmen soll im Februar 2014 abgeschlossen sein. Nunmehr kann der Schuldenberg von 900 Millionen Euro um mehr als die Hälfte gedrückt werden. Asbeck, der auf der zwölfstündigen Marathonsitzung viel Kritik einstecken musste, soll das Unternehmen bis 2019 führen.

          Nur eine Chance

          Andere Solarunternehmen stecken im Insolvenzverfahren. Produktionsstandorte in Europa werden geschlossen. Anleihen von Photovoltaikproduzenten notieren weit unter ihrem Ausgabekurs oder können nicht zurückgezahlt werden. Seit Juni vergangenen Jahres haben drei von vier Unternehmen die Aufnahme ihrer Anleihen in das Mittelstandssegment Bond-M der Stuttgarter Börse gekündigt.

          Dass der Weg für eine Umstrukturierung von Solarworld nach längerem Ringen von den Gläubigern freigegeben wurde, werteten Börsianer positiv. Seit Montag verteuerte sich die Aktie um ein Viertel. Mit 62 Cent liegt der Kurs aber meilenweit weg von den einst erreichten 48 Euro im November 2011. Keiner der zehn von Bloomberg befragten Analysten gibt noch eine Kaufempfehlung. Dass Vorstandschef Frank Asbeck gegen den Kompromiss der EU im Handelsstreit mit China klagen will, dürfte weiteres Vertrauen möglicher Kunden kosten, erwarten sie.

          “Solarworld hat nur eine Chance, wenn es sich auf Bereiche konzentriert, in denen es wettbewerbsfähig ist“, sagt Stefan Freudenreich, Analyst der Equinet Bank. Mit den deutlich größeren integrierten Modulherstellern aus China, die ebenfalls die gesamte Wertschöpfungskette abbilden, könne das Unternehmen nicht mithalten. Technologisch hinke es schon jetzt hinterher. Seine Stärke liege darin, die Produkte an den Endverbraucher zu bringen. So sieht es auch Stefan Wulf, Analyst von Warburg-Research: „Wenn sich Solarworld darauf konzentriert, kann es weiterhin einen Platz im Markt haben“, sagt er.

          Der F.A.Z.-Branchenindex Erneuerbare Energien ist durch die Turbulenzen inzwischen auf zwei Werte dezimiert worden: den Windanlagenhersteller Nordex und den Wechselrichterproduzenten SMA Solar, der Photovoltaikhersteller beliefert. Seit Jahresanfang ist der Index um 47 Prozent gestiegen, wobei SMA Solar mit einem Zuwachs von 28,9 Prozent schwächer beigetragen hat als Nordex. Das ließ sich aber nur erreichen, weil der Aktienkurs zuvor stark verfallen war. Mit 24,505 Euro notiert er weit von seinem Hoch entfernt, das im Januar 2010 fast 104 Euro betragen hatte.

          Als Zulieferer auch für die asiatischen Hersteller profitiert SMA Solar von der Erholung des dortigen Marktes. Und anders als in Deutschland, Frankreich oder Italien dürfte sich der Ausbau weltweit noch fortsetzen. Nachdem die Subventionen zurückgefahren wurden, müssten sich Anbieter hierzulande auf eine Klientel konzentrieren, die angesichts hoher Energiekosten auf Produktion für den Eigenbedarf setzten, sagt Analyst Freudenreich. Der börsennotierten Solar-Fabrik nutze es, dass sie die Module hier nur noch zusammensetze und so vom Preisverfall auf dem Weltmarkt profitiere. „Zwar ist sie relativ gut durch die Krise gekommen. Damit ist ihr Fortbestand aber keineswegs gesichert“, sagt er. Zweifel ranken sich auch um Centrosolar: Nimmt man den Kurs der in Stuttgart gehandelten dreijährigen Anleihe als Indikator, gibt es Sorge unter den Anlegern. Sie notiert derzeit bei rund 21 Prozent ihres Ausgabekurses. Im März ist sie auch schon einmal unter 18 Prozent gefallen.

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