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Solaraktien : Aktie von SMA Solar knabbert am Allzeithoch

  • Aktualisiert am

SMA-Wechselrichter vom Typ „Sunny Boy” Bild: dpa

Bei SMA Solar laufen die Geschäfte gut. Die Aktie verzeichnet deutliche Kursgewinne, nachdem das Unternehmen die Umsatz- und Gewinnprognose erhöht hat. Wie lange laufen die Geschäfte so gut und wann steigt die Konkurrenz ein?

          2 Min.

          Während die Hersteller von Solarzellen an den Börsen der Welt aufgrund des harten Preiswettbewerbs ihren Nimbus als Boombranche im Sinne von stark steigenden Kursen längst verloren haben, entwickeln sich die Geschäfte und damit die Papiere selektiver Zulieferer deutlich eindrucksvoller.

          Die Aktien der SMA AG zum Beispiel. Sie können am Dienstag Kursgewinne von bis zu 23 Prozent verzeichnen und befinden sich mit Kursen von bis zu 104 Euro nach dem Börsengang zu 47 Euro im Juni des Jahres 2008 nahe an ihrem Allzeithoch.

          Robuster Geschäftsgang führt zur Erhöhung von Prognosen

          Tatsächlich laufen die Geschäfte vergleichsweise robust. Einen Tag, nachdem sich Bundestag und Bundesrat auf einen Kompromiss zur Kürzung der Solarförderung in Deutschland verständigt haben, erhöhte das Unternehmen, das Solar-Wechselrichter und Überwachungssysteme für Photovoltaikanlagen entwickelt, produziert und vertreibt, seine Prognose. Es prognostiziert für das Jahr 2010 nun einen Umsatz von 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro. Bislang war das Unternehmen aus dem hessischen Niestetal von Erlösen von 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro ausgegangen.

          Bild: FAZ.NET

          Grund für den Optimismus ist die Annahme eines stärkeren Wachstums des Weltmarkts. Statt 9 bis 11 Gigawatt (GW) erwartet SMA, dass weltweit in diesem Jahr bis zu 14 GW an neuen Anlagen installiert werden. Der Nachfrageboom soll auch zu einer höheren Profitabilität führen als bisher erwartet. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) will SMA eine Marge von 24 Prozent bis 27 Prozent verdienen. Damit würde das Unternehmen nicht, wie bislang behauptet, an Ertragskraft einbüßen. Im Vorjahr hatte die Marge 24,6 Prozent betragen und SMA ging zunächst davon aus, dieses Jahr maximal 23 Prozent zu erzielen.

          Das Unternehmen profitiert von seiner starken Stellung im Markt für Wechselrichter, einem Kernelement jeder Photovoltaikanlage. Den eigenen Anteil am Weltmarkt für diese Produkte beziffert SMA auf rund 40 Prozent. Er soll verteidigt oder sogar ausgebaut werden. Mit dieser Position profitiert SMA im Moment von der von Sondereffekten geprägten Entwicklung in Deutschland. Die lang anhaltende Diskussion um eine außerplanmäßige Absenkung der Fördersätze für Solarstrom hat dem Markt zu einem wahren Boom verholfen, weil viele Investoren ihre Projekte vor entscheidenden Fristen fertig stellen wollen.

          Wie lange laufen die Geschäfte so gut und wann steigt die Konkurrenz ein?

          Die Marktforscher von EuPD Research schätzen, dass hierzulande allein im zweiten Quartal rund 2,5 GW installiert werden. Für das Gesamtjahr rechnen die Bonner mit rund 5,5 GW. Der Nachfrageschub kommt nicht zuletzt durch die drohende Kürzung der Einspeisevergütungen zustande. Durch die Einführung einer zweiten Stufe zum ersten Oktober rechnen Experten mit weiteren Vorzieheffekten zu rechnen.

          Der typische Run am Jahresende werde nicht ausfallen, heißt es. SMA geht deshalb von einer kontinuierlichen Marktentwicklung aus. In den ersten sechs Monaten hat das Unternehmen mehr als 800 Millionen Euro umgesetzt und mehr als 3,1 GW Wechselrichter-Leistung verkauft. Zum Vergleich: Im ganzen Vorjahr lag der Umsatz bei 934 Millionen Euro, die verkaufte Leistung betrug 3,4 GW. Damals hatte das Geschäft mit dem Abflauen der Wirtschaftskrise und der üblichen Jahresendrally im zweiten Halbjahr spürbar angezogen. SMA musste innerhalb von drei Wochen ihre Umsatz- und Gewinnprognose gleich zweimal anheben - um sie dann doch noch zu übertreffen.

          Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 15 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sind die Aktien des Unternehmens selbst nach den jüngsten Kursavancen noch vernünftig bewertet. Das mag den Papieren in einem risikofreudigen Umfeld zu weiteren Kursgewinnen verhelfen. Allerdings werden sich die Anleger mittel- und längerfristig die Überlegung anstellen, wie robust das Geschäft bleiben kann, sobald überaus großzügige Förderungen auslaufen oder wenn alternative Anbieter von den attraktiven Margen in den Markt gelockt werden. Nachdem eine ähnliche Entwicklung schon bei den Herstellern von Solarmodulen zu beobachten war, kann es auch in diesem Bereich nicht ausgeschlossen werden. In diesem Sinne können beim Kauf der Papiere Absicherungsstrategien sicherlich nicht schaden.

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