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Software : Zukauf für Peoplesoft-Aktie nicht der Befreiungsschlag

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Peoplesoft übernimmt den Konkurrenten J.D.Edwards und steigt damit zum zweitgrößten Anbieter für Unternehmens-Software auf. Die Börsianer reagieren trotzdem reserviert, weil Marktführer SAP zu übermächtig erscheint.

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          Zu einer überraschenden Übernahme kommt es am Montag im Sektor für Unternehmens-Software. Der amerikanische Anbieter Peoplesoft übernimmt im Zuge eines Aktientausches den Konkurrenten J.D.Edwards und zahlt dafür insgesamt 1,7 Milliarden Dollar.

          Die Börsianer scheinen von dem Geschäft aber wenig zu halten. Der Aktienkurs von Peoplesoft fällt jedenfalls um 5,55 Prozent auf 15,48 Dollar, obwohl die Gesellschaft nach der Übernahme mit einem Umsatz von 2,8 Milliarden Dollar nach der deutschen SAP zum zweitgrößten Anbieter betriebswirtschaftlicher Software aufsteigt. Da für J.D.Edwards eine Prämie verglichen mit dem Schlußkurs vom Freitag gezahlt wird, zieht aber immerhin dieser Titel um 10,58 Prozent auf 13,06 Dollar an.

          Zweifel an den strategischen Vorteilen des Geschäfts

          Die Entscheidung kommt bei den Aktionären von Peoplesoft vermutlich deshalb nicht übermäßig gut an, weil er aus der Defensive heraus geboren zu sein scheint. Zuletzt hat Marktführer SAP in Amerika jedenfalls Marktanteile gewonnen, ohne daß die amerikanischen Konkurrenten wie Peoplesoft, Oracle oder Siebel eine Antwort auf diesen Siegeszug parat hätten. Speziell bei Peoplesoft ist der Umsatz im Vorjahr um acht Prozent gefallen. „Die Übernahme verstärkt den Eindruck, daß SAP ein furchterregender Wettbewerber ist“, erklärt Martin Schulz, Fondsmanager bei National City Corp.

          Der Einstieg bei J.D. Edwards bringt Peoplesoft zwar eine zusätzliche Präsenz in 20 Branchen und vor allem eine Verbesserung im industriellen Fertigungsbereich. Doch aus Sicht von Marc Osigus, Analyst bei der Berenberg Bank, ist der Kauf trotzdem nicht ganz nachvollziehbar, weil beide Softwarehersteller Ähnlichkeiten bei der Produktpalette und beim Kundenkreis, nämlich dem amerikanischen Mittelstand, aufwiesen.

          Bewertung und Charttechnik spricht nicht für die Peoplesoft-Aktie

          Branchenkenner gehen zudem davon aus, daß eine Erfolg versprechende Zusammenlegung der einzelnen Lösungen zwei bis drei Jahre dauert und ein strategischer Vorteil sei nicht unmittelbar zu erkennen. Gut aus Sicht der gesamten Branche ist es allerdings, daß der Zusammenschluß die Konsolidierung in Richtung Oligopol beschleunigt, was laut Osigus zu mehr Preisstabilität führen dürfte.

          Aber ob dieser Umstand ausreicht, um die Aktie von Peoplesoft wieder in der Gunst der Anleger steigen zu lassen, erscheint zweifelhaft. Seit Monaten bewegt sich die Notiz in einem Seitwärtsband und eigentlich gibt es derzeit keine richtige Veranlassung für einen Ausbruch nach oben. Denn die Bewertung ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 30 und einem Kurs-Umsatz-Multiplikator von fast drei recht hoch bewertet. Eher droht der Wert angesichts der Kursschwäche zum Wochenauftakt unter die bis 14,34 Dollar reichende Unterstützungszone zu rutschen.

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