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Software : Teure Red Hat-Aktie peilt neues Fünf-Jahres-Hoch an

  • Aktualisiert am

Linux saugt mehr Nutzer an... Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Gute Ergebnisse und einen ebenso netten Ausblick veröffentlichte am Mittwoch abend nach Börsenschluß der Linux-Distributor Red Hat. Doch die Aktie schwebt, gemessen an der Bewertung, bereits jetzt über den Wolken.

          Tux heißt der kleine Pinguin, der weit weniger agil ist als seine berühmten Artgenossen im Film „Madagascar“, dafür aber mehr von Computern versteht. Tux ist die Symbolfigur des alternativen Betriebssystems Linux und besonders auf Servern immer häufiger gesehen.

          Das zeigte sich auch in den am Mittwoch vorgelegten Quartalszahlen des weltgrößten Linux-Distributors Red Hat. Im dritten Quartal konnte das Unternehmen seinen Reingewinn dank guter Nachfrage auf 23,2 Millionen Dollar oder zwölf Cents je Aktie mehr als verdoppeln. Die Umsätze stiegen um 44 Prozent auf 73,1 Millionen Dollar und übertrafen damit die durchschnittlichen Schätzungen der Analysten, die mit 71,1 Millionen Dollar und neun Cents je Aktie gerechnet hatten. Auch die ursprüngliche Unternehmensprognose hatte in diesem Bereich gelegen.

          Erfolgreiche Abonnement-Politik

          Red Hat gelang es zum ersten, dem Konkurrenten Novell, der Ende 2003 die Nürnberger Suse Linux AG übernommen hatte, Umsätze abzuknöpfen. Zum zweiten konnte das Unternehmen Kunden zur Verlängerung ihrer Abonnementsverträge gewinnen ohne ihnen Rabatte anbieten zu müssen, so UBS-Analyst Heather Bellini. 24 der 25 wichtigsten Verträge seien erneuert worden. Zudem habe das Unternehmen im Berichtsquartal 12.000 neue Kunden gewonnen, sagte Firmenchef Matthew Szulik bei einer Telefonkonferenz mit Analysten. Auf diese Weise stiegen die Umsätze aus Software-Abonnements um 54 Prozent auf 60,2 Millionen Dollar.

          doch der Pinguin bleibt weiter relativ klein

          „Durch Abonnements sehen unsere Kunden den Wert, den sie erhalten und das ist der Grund, warum die Verlängerungsraten so sind wie sie sind“, sagte Szulik in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Im Abonnement leasen die Kunden die Programmpakete und zahlen Gebühren für Wartung und Upgrades. Zum dritten profitiert Red Hat auch Aufträge von Firmen, die von älteren und teureren Betriebssystemen wie Unix und Windows wechseln.

          Im laufenden Quartal soll der Gewinn bei Umsätzen zwischen 77,5 und 78,5 Millionen Dollar elf bis zwölf Cents je Aktie betragen, so die Prognose von Finanzchef Charles Peters. Im vergangenen Jahr hatte der Gewinn im vierten Quartal bei Umsätzen von 57,5 Millionen Dollar sechs Cents je Aktie betragen. Analysten rechnen derzeit mit zehn Cents Gewinn je Aktie bei Umsätzen von 76,7 Millionen Dollar.

          Die Aktie ist einfach teuer...

          Nachbörslich gewann die Aktie von Red Hat 1,14, oder 4,3 Prozent auf 27,70 Dollar, nachdem sie im regulären Handel bereits 83 Cents zugelegt hatten und sind in diesem Jahr bereits um 99 Prozent gestiegen.

          Gleich wie man es dreht oder wendet und wenn auch die Ergebnisse ein wenig besser ausfallen als ursprünglich erwartet - die Red Hat-Aktie ist mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) auf Basis der Analystenschätzungen von 77,2 für das laufende und 69,3 für das kommende Jahr einfach hoffnungslos überteuert.

          Auch wenn sich Linux als Betriebssystem seit einigen Jahren steigender Marktanteile erfreut: Im Betriebssystemsektor führt Windows weiterhin klar, während Linux nur auf einen Marktanteil im niedrigen einstelligen Prozentbereich kommt. Im Server- und High-End-Bereich sind die Prognosen zwar besser, doch müßte Red Hat seinen Gewinn vervierfachen, um auch nur auf ein KGV von 20 zu kommen. Linux hat unbestrittenes Potential, doch es wird Zeit benötigen, um Windows Marktanteile abzuringen - ein Erdrutsch ist einfach unwahrscheinlich.

          ... und heiß

          Charttechnisch sieht es dagegen für die Aktie weit besser aus. Nach dem fast obligatorischen Kurssturz von rund 140 Dollar im Zuge des Platzens der Technologieblase war das Papier drei Jahre seitwärts gegangen. Mitte 2003 hatte es sich erholt und ein Jahr später bei 28,73 Dollar ein immer noch gültiges Fünf-Jahres-Hoch markiert. Danach brach die Aktie rasch ein, hat sich aber in diesem Jahr abermals erholt und läuft seit dem Frühjahr auf ein neues Fünf-Jahres-Hoch zu. Das könnte der Aktie gelingen.

          Doch zeigt die Chart-Historie, daß bei Red Hat im Zuge von Enttäuschungen angesichts der überhohen Bewertung Kursstürze in der Dimension von 50 Prozent in drei Wochen durchaus möglich sind. Von daher ist eine Spekulation hier sehr heiß.

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