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Software : Microsoft-Aktie leidet unter zuviel Optimismus

  • Aktualisiert am

Immer selbstbewußt: Microsoft Campus in Redmond Bild: Microsoft

Microsoft hat mit seinem Quartalsgewinn und dem Ausblick die Erwartungen erfüllt. Analysten empfehlen den Titel fast durchweg zum Kauf. Aber wo sollen starke Kursgewinne herkommen, wenn schon alle, die auf Analysten hören, die Aktie haben?

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          Der Donnerstag war ein ordentlicher Tag für Microsoft an der Technologiebörse Nasdaq. Zwar blieb der Titel mit einem Kursgewinn von knapp 0,4 Prozent hinter dem Index zurück. Die Microsoft-Aktie stieg aber im nachbörslichen Handel um 1,5 Prozent auf 26,90 Dollar. Der Grund: Das weltgrößte Softwarehaus Microsoft hat im abgelaufenen Quartal auch dank der Markteinführung der Spielekonsole Xbox 360 den Gewinn um fünf Prozent gesteigert. Dieses Ergebnis entsprach den Analysten-Erwartungen. Auch der Ausblick für das laufende Quartal steht im Einklang mit den Prognosen.

          Microsoft-Aktionäre dürfte dies in zweifacher Hinsicht freuen. Zum einen wegen des Kursgewinns an sich und zweitens, weil das Tagesplus für etwa zwei Drittel der binnen Jahresfrist (!) erzielten Kursgewinne steht. Denn mehr als drei Prozent war in diesem Zeitraum an der Wall Street mit Microsoft nicht herauszuholen. Es sei denn, Anleger haben Kursbewegungen vorausgeahnt und in der Nähe von Tiefs gekauft und bei Zwischenhochs verkauft. Aber das dürfte nur den wenigsten Investoren gelungen sein, so sie es überhaupt versucht haben. Jedenfalls hat sich der Titel in den jüngsten zwölf Monaten deutlich schlechter entwickelt als der Nasdaq 100, dem er historisch gesehen vorauseilt (siehe Grafiken).

          Für deutsche Microsoft-Aktionäre stellt sich die Lage wegen der zwischenzeitlichen Aufwertung des Dollar etwas angenehmer dar. Hierzulande hat der Titel ein Plus von annähernd sieben Prozent zu Buche stehen. Aber was ist das im Vergleich zu den gut 26 Prozent, die der TecDax vorgerückt ist? Ganz zu schweigen von den fast 40 Prozent im MDax und den gut 45 Prozent im Gex. Die Aktie des Software-Giganten ist zwar gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis anderer amerikanischer Technologieaktien nicht teuer. Doch drängt sie sich trotzdem nicht auf. Schließlich ist der Titel in seiner seit zwei Jahren geltenden Handelsspanne gefangen. Auch gibt es keinen kurzfristigen Aufwärtstrend, der Mut machen könnte.

          Könnte besser laufen: die Xbox

          Gewinn um gut sechs Prozent gesteigert

          Im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres sei ein Nettogewinn von 3,65 Milliarden Dollar oder 34 Cent je Aktie erwirtschaftet worden, teilte Microsoft am Donnerstag nach Börsenschluß mit. Vor Jahresfrist lag der Gewinn noch bei 3,46 Milliarden Dollar oder 32 Cent je Aktie. Ohne Berücksichtigung von Steuergutschriften lag der Gewinn je Aktie in Höhe der Analysten-Prognose von 33 Cent. Der Umsatz des Unternehmens stieg auf 11,84 Milliarden Dollar nach 10,82 Milliarden im Vorjahresquartal. Von Reuters befragte Analysten hatten 11,97 Milliarden Dollar erwartet.

          Den etwas unter den Analysten-Prognosen liegenden Umsatz begründete Microsoft mit anfänglichen Lieferproblemen bei der Xbox 360. Dennoch wolle das Unternehmen bis Ende Juni wie geplant 4,5 bis 5,5 Millionen dieser Spielekonsole verkaufen, hieß es. Die Xbox 360 sowie die Datenmanagement- und Analyse-Plattform SQL Server 2005 sind die ersten Produkte einer Serie, mit der der Konzern eine Steigerung des Aktienwertes erreichen will. Zu den neuen Produkten gehört auch die neue Version des Betriebssystems Windows (Vista), die bis Ende des Jahres auf den Markt kommen soll.

          Für das laufende Vierteljahr rechnet Microsoft mit einem Gewinn zwischen 32 und 33 Cent je Aktie. Analysten erwarteten für diesen Zeitraum einen Gewinn je Aktie von 36 Cent. Den Umsatz sieht Microsoft bei 10,9 bis 11,2 Milliarden Dollar. Die Prognose der Analysten lautete auf 11,0 Milliarden Dollar. Für das laufende zweite Halbjahr rechnet Finanzvorstand Liddell mit einem Gewinnwachstum im „starken zweistelligen Prozentbereich“. Liddell verwies dabei auf ein anhaltend starkes Geschäft mit seinen Kernprodukten Windows und Office.

          „Wir sind nicht beeindruckt“ - „Ein gutes Zeichen“

          Analysten haben unterschiedlich auf die vorgelegten Zahlen reagiert. Die Daten seien nicht so schlecht, wie manche erwartet hätten, sagte Kim Caughey, Vermögensmanager bei Fort Pitt Capital Group in Pittsburgh, zu Bloomberg. Und fügte hinzu: „Wir sind nicht beeindruckt.“ Analyst Gene Munster von Piper Jaffray verwies dagegen auf den ordentlichen Ausblick, mit dem Microsoft die nach den als enttäuschend bewerteten Zahlen von Intel und Apple aufgekeimten Bedenken beschwichtigt habe. „Das ist ein gutes Zeichen“, meint er und schreibt dem Bericht von Microsoft einen „Leithammel“-Charakter zu.

          In der Microsoft beobachtenden Riege der Analysten dominieren Optimisten wie Munster. Laut Bloomberg empfehlen 30 Analysten das Papier zum Kauf, während fünf darin eine Halte-Position sehen. Von Verkaufsempfehlungen ist nicht die Rede.

          Ob sich die Experten angesichts der Größe und der damit verbundenen Marktmacht von Microsoft nicht trauen, die Aktie kritisch zu sehen? Berechtigt wäre es schon aufgrund der seit Jahren mageren Kursentwicklung und des ziemlich trostlosen Kursbildes, auch wenn der Titel mit einem KGV von 18,1 auf den ersten Blick nicht teuer ist; allerdings hält sich das Tempo des Ertragswachstums in engen Grenzen. Auch die erwartete Dividendenrendite von 1,3 Prozent reißt einen nicht vom Hocker. Und die Aussicht auf einen schwächelnden Dollar macht den Titel aus deutscher Sicht nicht attraktiver. Mithin: Diese Aktie muß man weiterhin nicht haben.

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