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Software AG : Wenig Hoffnung auf rasche Kurserholung

Die Früchte hingen 2011 für die Software AG wohl zu hoch
          3 Min.

          Noch hat die Bilanzsaison nicht begonnen. Und schon steht zu hoffen, dass die ersten Meldungen keinen Trend darstellen. Denn das könnte sich als belastend für die Aktienkurse auf breiter Front erweisen, wie das Beispiel der Software AG am Dienstag zeigt. Denn der Kurs von Deutschlands zweitgrößtem Software-Hersteller fällt am Morgen um 22 Prozent.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hintergrund ist eine als Gewinnwarnung interpretierte Meldung des Unternehmens, wonach ein schwaches Geschäft in Amerika und auch eine allgemeine Zurückhaltung der Kunden das Geschäft im wichtigen Schlussquartal verhagelt habe. Bereits Mitte Juli hatte die Software AG mit einem überraschenden Umsatzrückgang im zweiten Quartal für eine kräftige Enttäuschung gesorgt (vgl. Schwaches Quartal bringt Kurs unter Druck).

          Analysten vollkommen überrascht

          Diesmal kam die Warnung noch überraschender: Laut Analystin Alla Gorelova von Steubing war das Verfehlen der Ziele nicht zu erwarten gewesen. „Meine Schätzungen haben sogar deutlich über dem tatsächlichen Wert und den bisherigen Unternehmensprognosen gelegen“, so die Expertin. Auch Marcus Bäumer, Analyst der UBS, hatte in seinem Ausblick auf die Zahlen hatte noch mit saisonal starken Lizenzverkäufen gerechnet.

          Josep Bori von Exane BNP Paribas rechnete mit starken Bilanzkennziffern und Akquisitionen in den kommenden Monaten. Chandramouli Sriraman von Merrill Lynch erwartete zwar ein schwieriges Jahr, da die Sorgen über die Kapitalmarktentwicklung die Ausgabenbereitschaft der Kunden beschränken könnten, rechnete jedoch allenfalls mit einer leichten Umsatzbelastung.

          Umsätze und Gewinne schrumpfen deutlich

          Konkret erwartet die Software AG nach einer ersten Umsatz- und Ergebnisschätzung nunmehr ein Nettoergebnis von 45 bis 50 Millionen Euro belaufen. Im Vorjahresquartal hatten die Darmstädter noch 65 Millionen Euro erzielt, Analysten hatten im Durchschnitt mit mehr als 70 Millionen gerechnet.

          Der Umsatz im vierten Quartal werde voraussichtlich 290 bis 295 Millionen Euro erreichen. 2010 hatte das Unternehmen noch Erlöse in Höhe von 327 Millionen Euro erzielt. Analysten hatten mit 340 Millionen gerechnet. Der wichtige Lizenzumsatz brach um 27 Prozent auf 90 bis 95 Millionen Euro ein. Im Gesamtjahr liegt der Konzern mit 1,1 Milliarden Euro währungsbereinigt auf Vorjahresniveau. Der Gewinn nach Steuern soll im Gesamtjahr 2011 etwa die Vorjahreshöhe von 175,6 Millionen Euro erreichen. Analysten hatten indes mit rund 200 Millionen Euro gerechnet.

          Desaströses Amerika-Geschäft

          Im Geschäft mit Software für Integration und Prozessautomation stieg zwar der Lizenzumsatz in Deutschland und Europa um rund 40 Prozent, doch sei dieser Erfolg wurde durch den Umsatzrückgang in den Vereinigten Staaten kompensiert worden. Das zeigt, wie drastisch der Umsatzeinbruch in Übersee war.

          In der Serversparte ETS sei das Dezemberfieber ausgeblieben. Deshalb sei ein erwarteter strukturell bedingter Umsatzrückgang in Brasilien nicht wie geplant kompensiert worden, obwohl der Lizenzumsatz in Europa gleich geblieben und in den Vereinigten Staaten sogar gestiegen sei.

          Schwache Konjunkturhoffnungen

          Die abermalige Enttäuschung ist, wie unschwer an der Kursreaktion abzulesen, ein Schock für die Anleger, die sich nunmehr offenbar um das Geschäftsmodell in toto sorgen. Auf Basis der nunmehr hinfälligen Analystenschätzungen war die Aktie für das vergangene Jahr mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,4 und mehr als 12 für das kommende Jahr eher fair bewertet. Mit dem Kurssturz vom Dienstag ist die Kennziffer für das vergangene Jahr auf rund 12 etwas gefallen. Kann der Konzern im kommenden Jahr nun die erwartete Aufwärtsentwicklung von einem niedrigen Ausgangsniveau fortsetzen, so ist die Aktie im Grunde etwas günstiger zu haben. Kann die Software AG gar aufholen, wird die Aktie attraktiv.

          Die Frage ist also, wie sich die konjunkturelle Entwicklung 2012 gestalten wird. Da 2011 in Europa und Deutschland für die Darmstädter eher ein gutes Jahr war, könnte dies 2012 nicht so gut ausgehen. Andererseits gelten die konjunkturellen Signale aus Amerika derzeit als ermutigend und so wäre eine Erholung hier denkbar. Insgesamt aber hat sich das Bild eingetrübt und der Grund, auf dem das Unternehmen agiert, derzeit eher unsicher. Zudem gab die Software AG keinen Ausblick auf 2012, der Anlass für Hoffnungen gäbe.

          Charttechnisch ist günstig zu vermerken, dass der Kurs nicht unter das Oktobertief bei 23,085 Euro gefallen ist. Allerdings ist ein test nicht auszuschließen. Sollte die Marke nicht halten, könnte der Kurs weiter in Richtung 20 Euro rutschen.

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