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Software AG : Schwaches Quartal bringt Kurs unter Druck

Software AG: Vorstandschef Steibich hat schlechte Nachrichten Bild: dapd

Deutlich abwärts geht es am Donnerstag für den Kurs der Software AG. Ein schwaches zweites Quartal wird von Anlegern und Analysten höchst ungnädig aufgenommen.

          Enttäuschende vorläufige Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal lassen den Aktienkurs der Software AG am Donnerstag um deutlich mehr als 10 Prozent einbrechen lassen. Dies zieht auch den Technologiewerte-Index Tec-Dax in die Tiefe.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Umsatz fiel auf 256 bis 258 Millionen Euro, nachdem im Vergleichszeitraum des Vorjahres noch 267,3 Millionen Euro umgesetzt worden waren. Währungsbereinigt entspreche der Gesamtumsatz dem Vorjahreswert. Ungünstigere Währungsrelationen hätten einen wesentlichen Einfluss auf die ausgewiesenen Umsätze im Vergleich zum zweiten Quartal des Vorjahres ausgeübt.

          SAP-Produkte weniger gefragt

          Im Lizenzvertrieb habe sich die bereits im ersten Quartal spürbare Absatzschwäche in Europa fortgesetzt. Eine Reihe geplanter Lizenzverträge in beiden Produktbereichen (Datenmanagement (ETS) und Datenintegration (BPE)) sei im Juni nicht mehr zum Abschluss gekommen.

          Zu schaffen machte dem Unternehmen vor allem, dass die Nachfrage nach Implementierung von SAP-Produkten weiter unter der des Vorjahres geblieben sei. Dagegen sei der vor allem von der früheren IDS Scheer bearbeiteten Bereich BPE-Projektservices mit einer zweistelligen Rate gewachsen. Die Software AG rechnet für das Berichtsquartal mit einem Serviceumsatz von 105 bis 106 Millionen Euro und einem Produktumsatz von 151 bis 152 (Vorjahr 161,9) Millionen Euro, davon 57 bis 58 (68,8) Millionen Euro Lizenzumsatz.

          Jahresprognose bestätigt

          Des Weiteren erwartet das Unternehmen aufgrund der im Vergleich zum Vorjahr verbesserten Kostenstrukturen für das zweite Quartal 2011 dennoch einen Anstieg der operativen Ergebnismarge auf 22,5 bis 23,0 Prozent (22,0 Prozent im Vorjahr). Das ausgewiesene Betriebsergebnis des zweiten Quartals werde ungefähr auf Vorjahreshöhe (58,9 Millionen Euro) liegen.

          Die Auftragslage für das zweite Halbjahr sei auf Basis der erwarteten Lizenzabschlüsse und Beratungsprojekte weiter gut, so dass fehlende Lizenzumsätze des zweiten Quartals aufgeholt werden könnten. Zudem würden Maßnahmen eingeleitet, um identifizierte operative Schwächen in Europa zu beheben., hieß es weiter.

          Für das Gesamtjahr bestätigte die Software AG die bisherige Prognose und erwartet unverändert ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 5 Prozent bis 7 Prozent und eine Gewinnsteigerung von 10 Prozent bis 15 Prozent. Die detaillierten Ergebniszahlen wird die Gesellschaft am 28. Juli 2011 veröffentlichen.

          Unsicherheit herrscht vor

          Insgesamt sind diese Indikationen für das zweite Quartal wenig erfreulich, und so sind die Kursverluste durchaus nachvollziehbar. Analyst Knut Woller von der Unicredit reduzierte er seine Ergebnisschätzungen je Aktie für 2011 und 2012 um 3 Prozent. Er betonte aber auch, dass es in der Vergangenheit immer wieder derartige Ausrutscher gegeben habe. Im Gesamtjahr habe das Unternehmen die eigenen Gewinnziele dann häufig übertroffen.

          Alla Gorelova, Analystin von Steubing Research, sieht es als bedenklich an, dass in dem für den Gesamtumsatz entscheidenden Lizenzgeschäft trotz aller neuer Produkte kein Wachstum erzielt werde. Denkbar sei, dass sich einige Kunden zunächst neue Produkte anschauten, bewerteten und erst mit Verzögerung zugriffen. So lange sich dies jedoch nicht in konkreten Zahlen niederschlage, betrachte sie dieses Geschäft mit Vorsicht.

          Alles in allem herrscht eine gewisse Unsicherheit rings um die Aktie der Software AG. Was der Aktie am Donnerstag zum Verhängnis wird, ist ihre Hohe Bewertung, die sich nach dem Kursrutsch vom Tage auf 14,5 für das laufende und knapp 13 für das kommende Jahr zwar reduziert, aber damit immer noch bestenfalls angemessen erscheint. So ist noch nicht klar, ob die Prognosen nicht noch gesenkt werden.

          Kurs könnte sich wieder fangen

          Mit dem Kursrutsch vom Tage ist die Aufwärtsentwicklung der Aktiennotierung der vergangenen Monate jäh gestoppt worden. Mit einer raschen Erholung ist auch angesichts der Intensität des Sturzes und des Ausbleibens einer Erholung nicht zu rechnen. Indes sind die längerfristigen Aufwärtstrends derzeit noch nicht gebrochen. Es scheint daher nicht unwahrscheinlich, dass sich der Kurs an der Marke von 35 Euro wieder fängt und für einige Zeit seitwärts läuft.

          Einiges wird dabei auch vom Marktumfeld abhängen. Schlechte Rahmenbedingungen können den Kurs auch leicht weiter in Richtung der Marke von 30 Euro drücken.

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