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Smax : Zum dritten Geburtstag werden die Gäste weniger

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"Bemerkenswerte Firmen im Smax": Götz Albert (Independent Research) im F.A.Z. Business Radio Bild:

Die Mittelständler flüchten aus dem Smax, dem Nebenwertesegment der Deutschen Börse. Der SDax wird nun abgespeckt.

          Der dritte Geburtstag des Neuen Marktes, am 10. März 2000, war zugleich der bisher schönste Tag des Börsensegments. Der Blue-Chip-Index des Technologiesegments erreichte mit 9.631 Punkten einen Rekordstand, der Andrang von Unternehmen, die auch am Neuen Markt gelistet werden wollten und damit am Erfolg der Börse partizipieren wollten, war groß.

          Der dritte Geburtstag des Smax (kurz für „Small Exchange“) am Freitag fällt dagegen wesentlich bescheidener aus, denn die Anzahl der potenziellen Partygäste ist in den vergangenen Monaten drastisch geschrumpft. Hatte das Nebenwertesegment in der Spitze immerhin 138 Mitglieder, so verkleinerte sich die Anzahl auf aktuell 95 Werte. Dabei hatte der damalige Börsenchef Reto Francioni dem Smax zur Geburtsstunde ein riesiges Potenzial vorausgesagt, bis zu 300 Unternehmen kämen für eine Notiz in Frage.

          Schattendasein sollte beendet werden

          Aber nicht jeder, der könnte, wollte auch in den vermeintlich elitären Kreis der Small Caps aufgenommen werden. Vielmehr verzichten viele freiwillig auf die Mitgliedschaft. Erst im vorigen Monat haben zwölf Aktiengesellschaften, darunter Heinkel, Herlitz, Brau und Brunnen sowie Kampa-Haus das Nebenwertesegment verlassen. Für sie hatte das Listing nicht die gehegten Hoffnungen erfüllt. Trotz der Smax-Notierung blieben die Aktien weitgehend unberücksichtigt, das Listing brachte nicht die gewünschte Aufmerksamkeit.

          Angetreten war die Deutsche Börse 1999 mit dem Smax, weil sie das Schattendasein vieler Nebenwerte beenden und mittels einer neuen Plattform die oft vernachlässigten Werte in den Blickpunkt rücken wollte. Der Smax sollte als Qualitätssiegel für die Anleger gelten, und viele Investoren anlocken. Im Gegensatz zum Geregelten Markt sind beim Smax die Zulassungsvoraussetzungen strenger. Wie am Neuen Markt müssen die Gesellschaften Quartalsberichte erstellen und nach den internationalen Rechnungslegungsstandards bilanzieren.

          Abgespeckter SDax

          Zudem brauchen die Aktiengesellschaften Designated Sponsors. Das sind Banken und Makler, die gewährleisten, dass jederzeit ein Kurs für die Aktie gestellt wird, was sie sich von den Emittenten bezahlen lassen. Die Smax-Mitglieder müssen mindestens einmal im Jahr eine Analystenveranstaltung halten. Experten schätzen, dass die Kosten für die Mitgliedschaft im Smax im sechsstelligen Bereich liegen. Viel Geld für die Mittelständler, denn trotz aller Mühe betreuen nur wenige Analysten die Werte, meistens sind es nur die Banken, die auch die Unternehmen an die Börse gebracht haben. Zudem sind die Umsätze bei den meisten Unternehmen gering, sie bleiben damit für institutionelle Anleger uninteressant.

          Erste Auswirkungen der Flucht aus dem Nebenwerte-Bereich gibt es ab Juni. Dann wird der Auswahlindex SDax abgespeckt. Bislang waren die 100 größten Unternehmen des Smax im SDax vertreten. Aber da der Smax nicht einmal mehr 100 Aktien umfasst, wird sich künftig der Auswahlindex nur noch aus 50 Aktien zusammen setzen. Trotz der rückläufigen Zahlen ist die Deutsche Börse zuversichtlich für ihr jüngstes Segment. „Wir glauben weiterhin an den Smax als Qualitätssegment für Mittelständler. Immerhin ist dies die einzige Möglichkeit für die Mittelständler, Interesse auf sich zu ziehen“, sagt Alexandra Franz, Sprecherin der Deutschen Börse.

          Durchschnittliche Performance

          Vergleicht man die Entwicklung des SDax mit den Dax (siehe unten stehenden Chart) so zeigt sich, dass die Nebenwerte weniger schwankungsanfällig sind, sowohl in der Hausse als auch in der Baisse. Besser als der Dax haben sich die SDax-Titel allerdings nur in den ersten Monaten sowie im vergangenen September entwickelt, als sie weniger fielen als der Dax. Traurig ist dagegen die Bilanz der Neuemissionen in den vergangenen zwei Jahren. Von den zehn jüngsten Emissionen - insgesamt waren es 42 seit Bestehen des Segments - notieren mittlerweile alle deutlich unter dem ersten Kurs.

          Mit ihrer Performance heben sich die deutschen Nebenwerte von der amerikanischen Börse ab, wo beispielsweise der Nebenwerte-Index Russell-2000-Value seit Jahresbeginn sowohl die Nasdaq als auch den Dow Jones outperformt hat (siehe Link: Amerikanische Nebenwerte in guter Kondition). Denn angesichts der Unwägbarkeiten in den Bilanzen der großen Konzernen bevorzugen viele amerikanische Fonds mittlerweile Nebenwerte, deren Bilanzen übersichtlicher und deren Bewertungen geringer sind.

          Trotz der rückläufigen Mitgliederzahl und einer eher durchschnittlichen Entwicklung hat der Smax noch immer eine wichtige Funktion in der deutschen Börsenlandschaft. Ohne den Smax würden viele Gesellschaften im großen Grau des Geregelten Marktes untergehen. Die Mitgliedschaft ist noch immer eine gute Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen. Allerdings kann der Smax keine aktionärsfeindliche Politik ausgleichen. Wer Versprechen nicht hält, wird abgestraft, egal in welchem Segment. Dagegen haben gute Mittelständler durch eine Mitgliedschaft im Smax durchaus bessere Chancen, dass ihre Stärken entdeckt werden.

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