https://www.faz.net/-gv6-qfe9

Smartphones : Nokia hinkt technisch hinterher

  • Aktualisiert am

Nur noch zweite Wahl? Bild: AFP

Nokia zeigt, wie schnell und unbarmherzig Enttäuschungen an den Börsen zu massiven Gewinnmitnahmen und Kursverlusten führen können. Das Unternehmen scheint mit Konkurrenten technisch nicht mithalten zu können, der Aktienkurs bricht ein.

          Kaum etwas ist schnelllebiger als die Entwicklung im Technologie- und Telekommunikationsbereich. Das spürt der weltgrößte Handyherstellers Nokia deutlich. Nachdem das Unternehmen noch in Boomzeiten aufgrund der starken Wachstumsraten, der starken Marktstellung und des scheinbaren technologischen Vorsprungs als sicherer Gewinner der Branche galt, so ist dieser Eindruck inzwischen widerlegt worden.

          Denn das Unternehmen ist technologisch im Vergleich mit hoch innovativen Konkurrenten wie Apple, Research in Motion und anderen in den Rückstand geraten. Nokia hat Probleme, mit einem Touchscreen-Modell auf den Markt zu kommen, das mit Konkurrenzprodukten mithalten kann. Nach einem überraschend guten und optimistisch kommunizierten Auftakt im Geschäftsjahr warnten die Finnen am Mittwoch vor schwächeren Umsätzen ihrer Handysparte im laufenden Quartal.

          Aktie nahe am 12-Jahrestief

          Dies wirkte wie eine kalte Dusche an den Börsen. Die Nokia-Aktie gab in Helsinki um bis zu 11,4 Prozent nach und fiel im Tagestief auf bis zu 7,02 Euro je Aktie. Das war nicht nur der tiefste Stand seit März des Jahres 2009, sondern das erreichte Kursniveau lag nahe an einem 12-Jahrestief. Seit April des laufenden Jahres haben die Papiere knapp 40 Prozent ihres Wertes verloren. Der kurzfristige Trend zeigt zwar weiterhin nach unten, allerdings kam es in den vergangenen Jahr auf diesem Kursniveau zu einer Erholungsbewegung. Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von knapp elf und neun auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr sowie mit einer Dividendenrendite von 5,6 Prozent sieht die Bewertung zumindest optisch vergleichsweise reizvoll aus.

          Allerdings kann dieser Eindruck täuschen, da sich unter Anlegern der Eindruck verstärkt, die Nord-Europäer könnten mit der Konkurrenz technologisch nicht mehr mithalten. Daher verliert das Unternehmen Kunden, die vermehrt Produkte mit hohen Margen von Research in Motion, von Apple oder von anderen Anbietern kaufen. Bisher punktet Nokia vor allem auf dem Markt für billigere Smartphones, die zwar für Masse aber nicht für Marge sorgen. Diese Entwicklung führt zu Sorgen über Nokias langfristige Marktposition, die indirekt durch ein schwaches Image geschädigt werden könnte.

          Prognosen für Umsatz und Margen gesenkt

          Nokia hat am Mittwoch seine Prognosen für Umsatz und Margen gesenkt. Dies gelte sowohl für das zweite Quartal als auch für das Gesamtjahr, teilte der Konzern im finnischen Espoo mit. Nokia verwies zur Begründung auf den schwächeren Euro, was aber nur als Ausrede gelten kann.

          Der finnische Handyhersteller rechnet jetzt in der Sparte Devices und Services mit einem Netto-Umsatz am unteren Rand oder sogar unter den bisherigen Erwartungen von 6,7 bis 7,2 Milliarden Euro. Auch die Rendite werde am unteren Ende oder unterhalb der bisherigen Prognose von neun bis zwölf Prozent liegen. Die bereinigte Betriebsmarge bei Mobiltelefonen dürfte im zweiten Quartal unter neun Prozent und für das Gesamtjahr unter elf Prozent sinken, teilte Nokia weiter mit. Das Unternehmen hatte im April seine Prognosen bereits auf neun bis zwölf Prozent für das Quartal und auf elf bis 13 Prozent für das Jahr zurückgenommen.

          Zudem geht der Konzern aus Espoo davon aus, dass sein Anteil am Markt für mobile Anwendungen in diesem Jahr im Vergleich zum Jahr 2009 etwas schrumpft. Nokia-Finanzvorstand Timo Ihamuotila erwartet auch im dritten Quartal einen harten Wettbewerb. Ob sich die europäische Schuldenkrise auf den Absatz des Konzerns auswirken werde, könne er noch nicht sagen. Insgesamt dürften Anleger dazu tendieren, die Aktien des Unternehmen weiterhin skeptisch zu betrachten. Eine deutliche Kurserholung ist erst dann zu erwarten, wenn eine Verbesserung der technologischen Basis abzeichnet. Das scheint im Moment nicht der Fall zu sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Über der getroffenen Ölanlage in Abkaik steht eine immense Rauchsäule (Fernsehbild).

          Angriff auf Saudi-Arabien : Der Ölpreis dürfte am Montag kräftig steigen

          Die Houthi-Rebellen haben das Herz der saudi-arabischen Ölindustrie getroffen. Der Drohnenangriff könnte an den Märkten zu einem Schock führen. An der Tankstelle mussten Autofahrer schon etwas mehr zahlen.
          Zu häufiges Nutzen des Smartphones kann krank machen. Aber ganz darauf verzichten geht heutzutage auch nicht.

          Data Detox : Wie man mit wenigen Schritten seine Datenflut eindämmt

          Unsere Datenflut kommt Konzernen wie Facebook und Google zugute, wobei alles andere als klar ist, was genau mit den Informationen geschieht. Mit einigen Tipps kann man sein Handy vor Zugriffen schützen.
          Erkennt Widersprüche und artikuliert sie auch: Snowdens Buch ist keine rührselige Beichte.

          Snowdens „Permanent Record“ : Die Erschaffung eines Monsters

          Nicht die Rebellion, die Regierungstreue steht am Anfang dieser Biographie: Edward Snowden erzählt glänzend, wie er erwachsen wurde, während die digitale Welt ihre Unschuld verlor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.