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Investieren in Vernetzung : Smart-Home-Aktien lohnen sich

  • -Aktualisiert am

So sieht’s aus, das intelligente Haus: Alle Haushaltsgeräte sind miteinander verbunden. Bild: ZVEI

In Smart Homes sind alle Haushaltsgeräte vernetzt. Intelligente Haustechnik wird zum Milliardenmarkt. Anleger können mitverdienen.

          Was Häuser sagen würden, wenn sie zu uns sprechen könnten, wissen wir nicht so genau. Denken können einige jedenfalls bereits, das haben ihnen Entwickler beigebracht. Freilich gibt es erst sehr wenige dieser intelligenten Häuser, Smart Homes genannt, in denen technisch alles total vernetzt ist. Doch immer mehr Geräte, die wir um uns scharen, lernen neuerdings das Sprechen und machen uns Bewohnern damit das Leben leichter, zum Beispiel so: Die Lichtanlage im Schlafzimmer registriert, dass der Hausherr aufgewacht ist, und sendet ein Signal an die Jalousie, die Sonne hereinzulassen. Derweil wärmt die Fußbodenheizung schon mal das Bad vor, und die Kaffeemaschine brüht die erste Tasse Kaffee. Die intelligente Haustechnik wird zum Milliardenmarkt, sagen Technologieanalysten. Daran können Anleger kräftig mitverdienen.

          „Seit 2011 hat die Dynamik erheblich zugenommen“, stellt Andreas Gentner fest, Partner bei der Unternehmensberatung Deloitte und zuständig für die Bereiche Medien und Telekommunikation. Bereits in zwei Jahren werde die intelligente Haustechnik in Europa für einen Umsatz von vier Milliarden Euro sorgen. Und die Erlöse könnten um rund 20 Prozent jährlich wachsen. Der Verband der deutschen Elektroindustrie taxiert allein den deutschen Markt intelligenter Hausgeräte in zehn Jahren auf 19 Milliarden Euro Umsatz. Dann könnte der Weltmarkt schon gigantische 14 Billionen Dollar umsetzen, schätzt Netzwerkanbieter Cisco.

          Warum dieser enorme Wachstumsschub? Weil das, was sich bisher im Luxussegment bewegte und als hübsche Spielerei reicher Immobilienbesitzer galt, wohl den Durchbruch zum Massenmarkt schaffen wird. Seit Beginn des Jahrtausends basteln Entwickler an denkenden Häusern, und es ist schon etwas her, dass Schauspieler Götz George im Werbespot vom Boot aus seine Jalousien fernsteuerte. Doch vor allem zwei Dinge verpassen der Idee von der steuerbaren Haustechnik nun ungeahnten Schub: die Funktechnologie und das allgegenwärtige Smartphone. Bisher fußten viele Lösungen auf einer Komplettverkabelung des Hauses - eine teure Angelegenheit. Und auf Steuerungsanlagen, die kompliziert zu programmieren und fast genauso schwer zu bedienen waren. Inzwischen gibt es sehr viele Geräte, die über Chips funken und über Apps per Smartphone gesteuert werden können. Das fängt bei der Heizung an, deren Temperatur aus der Ferne geregelt werden kann. Fenster werden geöffnet und geschlossen. Licht lässt sich auch per Handy anknipsen, selbst wenn man nicht zu Hause ist, als Einbrecherabschreckung. Herde und Hausgeräte lassen sich ein- und ausschalten, wodurch sich im Urlaub endlich die Frage erledigt: „Hat jemand die Kaffeemaschine ausgestellt?“ Waschmaschinen waschen nur noch dann, wenn der Strom gerade billig ist. Alarmanlagen senden Videokamerabilder aufs Handy, mit denen man kontrolliert, ob jemand ums Haus schleicht. Und längst funken sich Notebooks, Handys, Lautsprecher und Fernseher im ganzen Haus gegenseitig Bilder, Filme oder Musik zu.

          Sind das nun Phantasien von Technikfreaks, die kein Mensch braucht? Beileibe nicht, laut Studien von Unternehmensberatungen sagen rund drei Viertel aller Internetnutzer, sie hätten an Smart-Home-Technologien Interesse. Zwei Drittel gehen davon aus, dass solche Anwendungen bis 2025 zum Massenphänomen werden. Vor allem, wo es ums Energiesparen geht (weil Heizung, Licht und Jalousien gesteuert werden) oder um Sicherheit (weil Rauchmelder, Alarmanlagen oder Wasserdetektoren Daten funken), wird es für Bewohner interessant. Selbst Ältere könnten sich gut mit der Technik anfreunden, wenn sie ihnen das Leben erleichtert und sie nicht mehr jeden Knopf selber drücken müssen. So weit die Wünsche.

          Daran, dass sie schnell Wirklichkeit werden, arbeitet die Technologiebranche noch. Viele Anwendungen, die es bereits gibt, sind nämlich Insellösungen, funktionieren also nur mit bestimmten Geräten. Wenige Gerätehersteller haben sich mit Energieriesen oder Technologiekonzernen zusammengeschlossen, etwa Buderus mit RWE, um Heizungen zu fernsteuerbaren Energiesparern zu machen. Oder ABB und Cisco, um Hausgeräte, Smartphones und Tabletcomputer zu vernetzen. Noch gibt es keine einheitlichen Standards und Steuergeräte. Gerade davon hängt aber ab, wie schnell sich die Heimvernetzung ausbreiten wird, sagen die Deloitte-Analysten. Je breiter die Firmen kooperieren und je offener die Plattformen sind, an denen man Geräte andocken kann, desto offener werden auch die Kunden sein.

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