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SMA Solar : Aktie erscheint langfristig aussichtsreich

Der Sonne entgegen Bild: dpa

Wie schon Q-Cells am Dienstag, so ist auch der Ausblick von SMA Solar für 2011 eher gedämpft. Die solare Revolution, die der Aktienmarkt in den vergangenen Tagen andeutete, bleibt wohl aus. Langfristig aber hat die Aktie durchaus Chancen.

          Nachdem schon am Dienstag die Prognosen des Solarzellen-Herstellers Q-Cells eher anzeigten, dass die Solare Revolution in der Energieversorgung auch nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima und den für die Grünen so erfolgreich verlaufenen Landtagswahlen kurzfristig ausbleibt, so bestätigt der am Mittwoch vorgelegte Ausblick des Wechselrichter-Herstellers SMA Solar diesen Eindruck.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          SMA-Chef Günther Cramer äußerte er sich skeptisch für das laufende Geschäftsjahr: Wegen der Förderkürzungen in wichtigen europäischen Solarmärkten wie Deutschland und Italien rechnet er für 2011 mit einem stagnierenden Markt. Auch eine leicht rückläufige Entwicklung könne nicht ausgeschlossen werden.

          2011 wird eher schwach

          Der Vorstand bekräftigte daher seine Prognose und rechnet mit einem Umsatz zwischen 1,5 und 1,9 Milliarden Euro bei einer leicht sinkenden betrieblichen Umsatzrendite von 21 bis 25 Prozent.

          2010 hatte SMA Solar einen Rekordgewinn verbucht. Bei einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro nach 0,9 Milliarden im Vorjahr stieg der Betriebsgewinn auf 516 von 228 Millionen Euro. Netto verdiente der Konzern 365 Millionen Euro nach 161 Millionen im Jahr davor.

          Indes sieht Cramer 2011 als eine vorübergehend Schwäche an. Mittelfristig werde sich die Nachfrage nach Solarstromanlagen deutlich erhöhen, vor allem Nordamerika und Asien wiesen erhebliches Potential auf.

          Durchsetzung auf außereuropäischen Märkten steht noch aus

          Wie bei Q-Cell stellt sich auch bei SMA Solar die Frage, inwieweit das Unternehmen auch auf den Auslandsmärkten konkurrieren kann. Allerdings sind die Chancen für Hersteller von Komponenten besser als von Zellen, da hier niedrige Produktionskosten noch nicht so ausschlaggebend sind.

          SMA-Wechselrichter gehören laut dem Solarenergie-Portal Soolux zu den effizientesten Produkten dieser Kategorie, wobei sich SMA in Amerika etwa gegen Power One wird durchsetzen müssen. Die Amerikaner haben nach der Aufstellung von Soolux konkurrenzfähige Produkte und haben im vergangenen Geschäftsjahr ihren Umsatz von 431,6 Millionen Dollar auf mehr als eine Milliarde steigern können. Indes setzten sie mit Wechselrichtern in Amerika lediglich 10 Millionen Dollar um, konnten dafür aber den Umsatz in Italien um das Vereinhalbfache auf 366 Millionen Euro steigern. Power One ist dennoch erheblich kleiner als SMA Solar.

          Derzeit ist SMA Solar aber Weltmarktführer und tätigt schon 45 Prozent seines Umsatzes im Ausland. 2010 waren es noch 38 Prozent gewesen. Allerdings wurden nur 13,2 Prozent der Umsätze außerhalb Europas getätigt nach 12,4 Prozent im Jahr 2009. Während also der Umsatz in der EU um 160 Prozent stiege, waren es außerhalb Europas lediglich 110 Prozent.

          Längerfristig durchaus mit Chancen

          Indes könnte der Aktienkurs von SMA Solar dennoch zulegen. Erstens ist das Börsenumfeld am Mittwoch freundlicher, zweitens ist das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit von SMA Solar ungebrochen. Nur 18 Prozent der Analysten geben eine Verkaufsempfehlung ab. Bei Q-Cells sind es fast 40 Prozent. Jeder zweite empfiehlt SMA Solar zum Kauf, bei Q-Cells ist es nur jeder zehnte.

          Mit einer Bewertung mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 10,5 für das laufende und 11,1 für das kommende Jahr ist die Aktie auch nicht so teuer wie andere Solarwerte, besonders Q-Cells. Obendrein will S;A Solar eine deutlich höhere Dividende zahlen. Je Aktie sollen 3 Euro ausgeschüttet werden nach 1,30 Euro für 2009. Das ist zudem erheblich mehr als von Analysten geschätzt und verleiht der Aktie eine Rendite von 3,5 Prozent. Das ist für sich genommen so wenig nicht und für einen Solarwert sogar sehr viel.

          Daher ist davon auszugehen, dass die Notierung den Widerstand bei 85,50 Euro am Mittwoch knacken kann. Allerdings stellen sich dem weiteren Weg nach oben weitere Widerstände entgegen. Sollte SMA Solar sich auf dem Weltmarkt erfolgreich behaupten können, sind langfristig Kursgewinne durchaus zu erwarten, auch wenn die solare Revolution wohl erst einmal ausbleibt.

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