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SMA Solar : Das Aktien-Comeback des Börsenjahres 2015

  • Aktualisiert am

Mitarbeiter des Solartechnikherstellers SMA überwachen in der Produktionshalle in Kassel den Spannungstest an Wechelrichtern. Bild: dpa

Der Dax fährt weiter Achterbahn. Eine Solaraktie aus dem Tec-Dax begeistert derweil Analysten und Anleger.

          Gute Konjunkturdaten für Deutschland und eine starke Wall Street haben den Dax am Dienstag zunächst nach oben getrieben. Doch dann rutschte Deutschlands wichtigstes Börsenbarometer ins Minus. Schon am Vortag war das Börsenbarometer Achterbahn gefahren. Dünne Umsätze vor dem Jahresende verstärken Händlern zufolge die Kursschwankungen. „Der Hang der Marktteilnehmer, Kasse zu machen, ist vor dem Jahresende größer als die Tendenz zu kaufen“, sagte Aktienhändler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner. Immer wieder sorgten größere Verkaufsorder im eher dünnen Handelsgeschehen für Abgabedruck.

          Dabei waren die heimischen Wirtschaftsdaten gut. Die Zuversicht der deutschen Verbraucher hat nach vier Rückgängen in Folge wieder zugenommen. Das Konsumklima des Marktforschungsunternehmens GfK signalisiert für Januar einen Anstieg. Die New Yorker Börsen hatten zudem am Montag ihre Konjunktursorgen abgeschüttelt und einen Erholungskurs eingeschlagen. Dennoch hat der Dax seinen Erholungsversuch wie bereits am Vortag abgebrochen.

          Die Aktienbörsen litten noch unter den Nachwehen der jüngsten Kursturbulenzen am Rohstoffmarkt, so ein Analyst. Ein Ende des Ölpreis-Verfalls sei trotz der aktuellen Stabilisierung der Preise nicht in Sicht. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich am Dienstag um 0,4 Prozent auf 36,48 Dollar je Barrel (159 Liter) und lag damit weniger als 50 Cent über ihrem Elfeinhalb-Jahres-Tief vom Vortag. Die Experten der Großbank Goldman Sachs sagen für 2016 einen Rückgang des Ölpreises auf bis zu 20 Dollar voraus.

          Für zusätzlichen Druck auf die Aktienmärkte sorgte die Aufwertung des Euro, die Waren europäischer Unternehmen auf dem Weltmarkt unattraktiver macht. Die Gemeinschaftswährung verteuerte sich um etwa einen Viertel amerikanischen Cent auf 1,0935 Dollar. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, stagnierte dagegen bei 158,96 Punkten.

          SMA schreibt wieder schwarze Zahlen

          Im Technologie-Index TecDax kletterten SMA Solar um bis zu 3,4 Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch von 55,55 Euro. Die Analysten der Citigroup hoben dank der Verlängerung der Steueranreize für Solaranlagen ihre Prognose für den Reingewinn 2017 um 20 Prozent an. Das Kursziel für die Titel des Solarindustrie-Zulieferer setzten sie auf 56 von 50 Euro. Ausschlaggebender für die Kursgewinne waren jedoch wohl ein Interview von SMA-Chef Pierre-Pascal Urbon.

          Der Solartechnikkonzern SMA hat demnach 2015 die Ertragswende geschafft. Nach hohen Verlusten im Vorjahr schreibt der Branchenprimus wieder schwarze Zahlen, und die Aussichten sind nach Angaben von Firmenchef Pierre-Pascal Urbon rosig. "Die Rahmenbedingungen sind gut", sagte er im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Während Deutschland keine Rolle mehr spiele, liefen die Geschäfte vor allem in Amerika, Japan und Indien gut. Zudem werde SMA vom Weltklimaabkommen in Paris profitieren.

          Parallel zur wirtschaftlichen Erholung feierten auch die Aktien des Tec-Dax-Unternehmens 2015 ein fulminantes Comeback. Sie legten auf Sicht eines Jahres über 250 Prozent an Wert zu und notieren aktuell mit über 54 Euro so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr. Damit wird der Branchenprimus inzwischen an der Börse mit 1,9 Milliarden Euro bewertet. Zum Jahresbeginn waren es noch 400 Millionen Euro.

          "In Amerika  läuft das Geschäft sehr, sehr gut", betonte Urbon. Insgesamt habe SMA dort einen Marktanteil von 30 Prozent, im bedeutenden Großanlagengeschäft sogar von 50 Prozent. In Japan habe SMA anders als Wettbewerber den Eintritt in dem stark abgeschotteten Markt gemeistert und inzwischen mit fünf bis zehn Prozent erste Marktanteile gewonnen. Auch in Indien verzeichne SMA Erfolge mit einem Marktanteil von derzeit etwa 20 Prozent. Der wegen des Preisdrucks und der mauen Geschäfte in Deutschland ins Wanken geratene Branchenriese hatte zu Jahresbeginn ein Sparprogramm mit massiven Stellenstreichungen auf den Weg gebracht. Derzeit beschäftigt der Wechselrichter- Produzent 3600 Mitarbeiter, 1500 weniger als vor einem Jahr.

          Wechselrichter sind das Herzstück einer Solaranlage und wandeln den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um, der ins Netz eingespeist werden kann. "Ende Januar hat uns keiner geglaubt, dass wir die Fixkosten innerhalb kürzester Zeit um 40 Prozent senken. Aber wir haben es geschafft", betonte Urbon. Da die Geschäfte besser liefen als erwartet, hob Urbon in diesem Jahr mehrfach seine Prognose an. Er erwartet nun einen Umsatz von 925 bis 975 (805,4) Millionen Euro. Beim operativen Gewinn (Ebit) peilt er zehn bis 30 Millionen Euro an. Im Vorjahr  verbuchte SMA noch einen Verlust von 165 Millionen.

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