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Skandinavische Aktienmärkte : Je weiter nördlich, desto besser

Dänisches Bier ist nur ein Prozentplus an Skandinaviens Börsen Bild: ZB

Deutsche Anleger bevorzugen heimische Investments. Dabei gibt es je weiter nördlich, um so größere Chancen, findet Erik Friman, Aktienstratege der SEB in Deutschland. Skandinaviens Börsen hätten Anlegern einiges zu bieten.

          Die Finnen erfinden, die Schweden finanzieren, die Dänen verkaufen, und die Norweger kaufen es. So erklärt Erik Friman, der bei SEB Enskilda in Deutschland für Aktien verantwortlich ist, Anlegern Skandinavien am liebsten.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Denn dies spiegele die Wirtschaft und die Börsen der nördlichen Länder Europas am besten: „In Finnland gibt es viele Industrieunternehmen, in Schwedens Aktienindex spielen Banken eine große Rolle, in Dänemark Handelsunternehmen, und Norwegen hat viel Geld aus seinem Ölgeschäft, um all das zu kaufen.“

          Währungsgewinne helfen in Schweden und Norwegen

          Gerade in diesem Jahr hätte sich für Anleger ein Blick gen Norden gelohnt. Der Auswahlindex Dänemarks, der OMX Kopenhagen 20, liegt 16 Prozent höher als zu Jahresanfang. Der OMX Stockholm 30 Index hat 6 Prozent zulegt. Rechnet man die Währungsgewinne obendrauf - die schwedische Krone hat zum Euro 9 Prozent aufgewertet - ergibt sich für Aktionäre aus dem Euro-Raum ein Plus von 15 Prozent. Zum Vergleich: Der Dax hat sich kaum verändert und zählt damit aber noch zu den besseren Aktienindizes in Europa.

          „Je weiter nördlich, desto besser ist das Umfeld“, das hört der SEB-Experte häufig von Unternehmen. Dies gelte gleichwohl auch für die wirtschaftliche Lage. So habe Schweden gerade seine Wachstumsprognose für 2010 auf 4,5 Prozent angehoben, für 2011 seien es 4 Prozent. Anders als im Euro-Raum hätten die Notenbanken Schwedens und Norwegens die Leitzinsen schon erhöht. Insofern macht er sich auch keine Sorgen über eine abermalige Rezession in der Region. Es gebe zudem kaum Anlagen in Südeuropa. Die großen Investments der schwedischen Banken im Baltikum hingegen seien abgeschrieben.

          Hoffen auf Privatisierungsvorhaben

          „Die Länder haben keine große Verschuldung“, setzt der Stratege die Liste der Vorzüge fort. „Auch politische Risiken gibt es kaum.“ Dennoch verfolgt er die Parlamentswahlen in Schweden, die am 19. September stattfinden, mit großem Interesse: „Zurzeit sieht es so aus, als könnte sich die konservativ-liberale Regierung wieder durchsetzen. Und das wäre insgesamt gut für die Börse.“ Dann seien von 2011 an weitere Teilprivatisierungen von Telia Sonera und Nordea denkbar. Auch der finnische Versicherer Sampo sollte davon profitieren. Er ist zu 20 Prozent an der Nordea-Bank beteiligt.

          Der schwächere Euro nutzt nicht nur der deutschen Exportwirtschaft. „Auch Dänemark, das Land ist seit 1999 an den Euro gebunden, und Finnland profitieren“, sagt Friman. In Schweden wiederum habe die Krone nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers zunächst abgewertet: „Das ist traditionell in jeder Rezession der Fall und hilft den Unternehmen im Export und sichert zugleich Arbeitsplätze.“ In der Folge seien die Aktienkurse wieder gestiegen. Auch die Valuta habe an Stärke gewonnen. Seit Frühjahr hätten sich Anleger stärker den Aktien Finnlands zugewandt. Als Beispiel nennt er den Industriekonzern Wartsila, der mit einem Kursanstieg um fast 50 Prozent seit Jahresbeginn den Hex-25 (plus 7 Prozent) anführt. Nokia hingegen hat gut ein Fünftel des Börsenwertes verloren.

          Hohe Dividendenrenditen

          Eine Aktie, welche die dänische Börse sehr beflügelt hat, ist das Schwergewicht Novo Nordisk. Der Kurs des Pharmakonzerns und führenden Insulinherstellers der Welt ist in diesem Jahr um 46 Prozent gestiegen. „Dennoch bleibt der Wert angesichts der Wachstumsperspektiven eine sehr gute Idee für langfristig denkende Investoren“, sagt Friman. Der Pharmawert sowie viele Nahrungsmittel- und Getränkehersteller machten den defensiven Charakter des dänischen Aktienmarktes aus. Attraktiv seien zudem der Brauereikonzern Carlsberg und Christian Hansen. Der Hersteller von Zusatzstoffen für Lebensmittel ist seit Juni börsennotiert. Die Aktie hat seither rund 10 Prozent zugelegt.

          Eine Ausnahme bilden dagegen die Aktienindizes Norwegens, die seit Jahresbeginn im Minus liegen. „Der Ölpreis ist hier entscheidend; und der ist gefallen“, betont Friman angesichts der hohen Bedeutung der Ölindustrie. „Doch die Ölnachfrage und mithin der Preis werden wieder steigen: Dann werden Öldienstleister wie Seadrill, der zudem eine hohe Dividendenrendite bietet, wieder attraktiver, zumal es den Sektor anderswo kaum gibt.“ Auch der Zusammenschluss von Acergy und Subsea 7 zu einem der größten Unterwasserausrüster in Europa sei sehr interessant.

          Seine wirtschaftlichen Erwartungen für die nordischen Länder klingen vielversprechend. Aber unter einer abermaligen Rezession der Weltwirtschaft würden zweifelsohne auch sie leiden. Ein Argument, das Friman für Skandinaviens Aktien noch in die Waagschale wirft, sind hohe Dividendenrenditen von häufig 4 bis 5 Prozent. Beispielhaft nennt er den Versicherer Sampo und den Versorger Fortum in Finnland. Zum Teil seien diese Werte auch wachstumsstark wie der schwedische Bekleidungshersteller Hennes & Mauritz. „Dividenden schaffen gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten Sicherheit.“ Das gilt denn auch für den Norden.

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