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Wells Fargo : Skandal bei Warren Buffetts Liebling

  • -Aktualisiert am

Negativen Schlagzeilen sind für Wells Fargo ungewöhnlich: Das Institut galt lange als eines der saubersten Banken in den Vereinigten Staaten. Bild: AFP

Wegen illegaler Machenschaften muss die amerikanische Bank Wells Fargo Bußgelder in Millionenhöhe zahlen. Eine für illegale Vertriebsmethoden verantwortliche Bankmanagerin erhält zum Abschied 124 Millionen Dollar.

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           Für Warren Buffett, den berühmten Investor und das Gewissen der Wall Street, gibt es im Leben keinen wichtigeren Wert als den guten Ruf. „Es dauert 20 Jahre, einen guten Ruf aufzubauen und fünf Minuten, ihn zu ruinieren. Wenn man darüber nachdenkt, wird man Dinge anders machen“, lautet eine vielzitierte Erkenntnis des populären Multimilliardärs. Nun schickt sich in Amerika gerade die Bank, die zu den größten Beteiligungen von Buffett gehört, an, ihren bisher exzellenten Ruf zu ruinieren: Wells Fargo.

          Norbert Kuls
          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Wells Fargo muss im Rahmen eines Vergleichs mit mehreren Aufsichtsbehörden 185 Millionen Dollar Strafe zahlen, weil Angestellte für Kunden ohne deren Zustimmung jahrelang zusätzliche Konten und Kreditkarten eröffnet hatten. Nach Angaben der Aufsichtsbehörden wurden rund 1,5 Millionen zusätzliche Konten und 565.000 Kreditkarten illegal eröffnet. Die Bank hat sich bereit erklärt, etwa 2,6 Millionen Dollar illegal eingenommener Gebühren zurückzuerstatten. Nach eigenen Angaben hat sich Wells Fargo zudem von insgesamt 5300 Angestellten getrennt, die an den seit 2011 grassierenden Vertriebsmethoden beteiligt waren.

          Für eine Bank von der Größe Wells Fargos ist die Höhe des Bußgeldes leicht zu verkraften. Das Institut wies allein im vergangenen Quartal einen Nettogewinn von 5,6 Milliarden Dollar aus. Der Rufschaden und die möglichen Konsequenzen für die geschäftliche Entwicklung wiegen ungleich schwerer. Der Aktienkurs des langjährigen Börsenlieblings rutschte in den Tagen nach Bekanntwerden der Strafe Mitte der vergangenen Woche um 6 Prozent ab – deutlich stärker als die Aktienkurse im Rest der Branche. Zudem halten die rufschädigenden Schlagzeilen an.

          Gewinnsteigerung wurde mit hohem Druck auf Angestellte erreicht

          In dieser Woche wurde bekannt, dass die für die Privatkundensparte und die aggressiven Vertriebsmethoden verantwortliche Wells-Fargo-Managerin Carrie Tolstedt zu ihrem Abschied am Ende des Jahres rund 124 Millionen Dollar erhalten wird – eine Mischung aus Aktien, bisher verkaufsbeschränkten Aktien und Aktienoptionen. Tolstedt war die treibende Kraft hinter der Strategie des hochprofitablen „Cross-Selling“ gewesen, das die Bank offenbar übertrieben hat. Wells Fargo konzentrierte sich in den vergangenen Jahren darauf, bereits existierenden Privatkunden zusätzliche Produkte wie Autokredite, Hypotheken oder Kreditkarten anzubieten. Analysten zeigten sich in der Vergangenheit immer beeindruckt, wie gut das der Bank gelang. Wells Fargo war eine der wenigen amerikanischen Großbanken, die seit der Finanzkrise beständig ihre Gewinne steigerten. Erreicht wurde das offenbar mit hohem Druck auf die Angestellten, vorgegebene Vertriebsziele zu erreichen.

          Wells Fargo hatte das Ausscheiden der 56 Jahre alten Managerin Tolstedt, die 27 Jahre lang für die Bank tätig war, Mitte Juli angekündigt. Die damals laufenden Verhandlungen mit den Aufsichtsbehörden wurden mit keiner Zeile erwähnt. Tolstedt hatte im vergangenen Jahre 9 Millionen Dollar verdient, was mit dem anhaltenden Wachstum neuer Konten begründet wurde. „Carrie Tolstedt war eine unserer wertvollsten Führungskräfte bei Wells Fargo, eine Bannerträgerin unserer Kultur, eine Vorkämpferin für unsere Kunden, und ein Rollenvorbild für verantwortlichen, prinzipientreuen und offenen Führungsstil“, ließ sich der Vorstandsvorsitzende John Stumpf im Juli zitieren. Der Bankenausschuss des Senats hat für die kommende Woche eine Anhörung zu dem Thema angekündigt. Es ist davon auszugehen, dass Stumpfs Zitat dabei zur Sprache kommen wird. In der Vergangenheit glichen Anhörungen in Washington modernen Spießrutenläufen für Spitzenbanker.

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