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Sinkende Preise : Ausverkauf am Goldmarkt

  • -Aktualisiert am

Viele Anleger trennen sich derzeit von ihren Goldanlagen Bild: dpa

Die Preise für Gold und Silber sind binnen weniger Tage so stark gesunken wie seit 30 Jahren nicht mehr. Zugewinne bei Banktiteln geben den Aktienmärkten derweil Auftrieb.

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          Der Rückgang der Preise an den Rohstoffmärkten beschleunigt sich: Investoren ziehen sich sogar aus Anlageklassen zurück, die wie Gold und Silber besonderes in Krisenzeiten gefragt sind. Innerhalb von nur drei Handelstagen haben die beiden Edelmetalle so stark an Wert verloren wie seit rund 30 Jahren nicht mehr. Auch die Preise für Rohöl und Industriemetalle geraten weiter unter Druck. Dabei hatten sich in den vergangenen Wochen die Rohstoffpreise noch behaupten können und waren nicht so stark gesunken wie etwa die Aktienkurse.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Angetrieben durch Zugewinne bei Bank- und Finanztiteln haben derweil die Aktienmärkte am Montag ein Plus verbuchen können. Der Dax verlor im Handelsverlauf zwar wieder seine üppigen Zugewinne und kletterte aber bis kurz vor Handelsschluss um 2,6 Prozent auf 5330 Punkte. Am Wochenende waren Gerüchte aufgekommen, wonach die Europäische Union (EU) an Plänen zur Rekapitalisierung des Finanzsektors arbeitet. Zudem nahm die Zuversicht zu, dass die Ausweitung des Euro-Rettungsfonds EFSF die Rückendeckung durch die deutsche Regierungskoalition erhält. Am Donnerstag stimmt der Bundestag zu diesem Thema ab. Auch der Geschäftsklimaindex des Münchner Konjunkturforschungsinstituts Ifo sorgte für Erleichterung der Aktionäre: Zwar trübte sich die Stimmung unter den deutschen Unternehmen weiter ein. Jedoch hatten Volkswirte nach den jüngsten Börsenturbulenzen mit einem deutlich schlechteren Stimmungsbild gerechnet.

          Wichtig für die jüngste Marktentwicklung ist ebenfalls, dass mit dieser Woche das dritte Quartal zu Ende geht. Fondsmanager schichten ihre Portfolios noch einmal um, damit sie gegenüber ihren Kunden zum Ende des Quartals gut da stehen. So werden auch Gewinne bei jenen Vermögenswerten realisiert, die wie zum Beispiel Edelmetalle von der jüngsten Aktienbaisse profitiert hatten.

          Drastischer Rückgang im Silbermarkt

          Während an den Aktienbörsen die Kurse zulegten, hat sich Gold zu Wochenbeginn um bis zu 7 Prozent auf 1534 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verbilligt. Später war es ein Minus gut 2 Prozent. Noch drastischer war der Rückgang im Silbermarkt – hier sank der Preis um rund 16 Prozent auf 26 Dollar. Damit wird am Goldmarkt ein langer und rasanter Preisauftrieb abrupt gebremst. Der Goldpreis ist das elfte Jahr in Folge geklettert und war Anfang dieses Monats mit 1923 Dollar je Unze so hoch wie noch nie. Schuldenkrise und Börsenturbulenzen hatten diesen Preisauftrieb verstärkt, auch viele Notenbanken aus Schwellenländern haben viel Gold gekauft. Trotz der herben Verluste liegt der Goldpreis seit Beginn des Jahres immer noch mit rund 13 Prozent im Plus. Manche Analysten hatten schon darauf hingewiesen, dass es eine Blase am Goldmarkt gibt, daher kommt die Korrektur nicht völlig überraschend.

          Für den Ausverkauf am Goldmarkt gibt es mehrere Gründe: Zum einen ist der Bedarf an Liquidität sehr groß, so dass Anleger sich aus dem Goldmarkt verabschieden. Hinzu kommt, dass viele Investoren Kapital abziehen, um ihre Verluste in anderen Märkten auszugleichen. Außerdem hat der Börsenbetreiber CME Group die Sicherheitsleistungen („Margins“) im Gold- und Silberhandel erhöht. Anleger müssen mehr Geld hinterlegen, wenn sie mit den Metallen handeln. Wegen der gestiegenen Kosten ziehen sich viele zurück. In den vergangenen Tagen haben besonders die spekulativ orientierte Finanzanleger wie Hedgefonds im Goldmarkt Kasse gemacht und damit die Preise unter Druck gesetzt.

          Da Rohstoff-Fonds wie „die Gold-ETF derzeit kaum Abflüsse verzeichnen, dürfte der starke Preisrückgang im Wesentlichen auf Gewinnmitnahmen spekulativer Finanzinvestoren zurückzuführen sein“, urteilen die Rohstoffanalysten der Commerzbank. „Die Netto-Long-Positionen der Anleger wurden in der Woche zum 20. September die zweite Woche in Folge um 14 Prozent auf 151,4 Tausend Kontrakte abgebaut.“

          „Großes Risiko“

          Auch der Wertgewinn des Dollar trägt zum Rückgang des Goldpreises bei. Gegenüber dem Euro hat die amerikanische Währung innerhalb von drei Monaten um 5 Prozent an Wert zugelegt. Rohstoffe wie Gold und Silber sind in Dollar notiert – steigt der Wert der amerikanischen Währung, ist es für Anleger außerhalb des Dollar-Raums weniger attraktiv mit diesen Rohstoffen Geschäfte zu machen. UBS-Analystin Edel Tully sieht nun ein „großes Risiko“, dass der Goldpreis weiter sinkt. Dies gelte auch für Silber.

          Am Aktienmarkt waren am Montag die hohen Aufschläge für Finanztitel bemerkenswert: Der Aktienkurs des Versicherungskonzerns Allianz legte um bis zu 10 Prozent zu. Die Titel der Deutschen Bank verteuerten sich um 7 Prozent und jene der Commerzbank um 5,9 Prozent. Auch die Aktien französischer Großbanken wie etwa BNP Paribas, Société Générale oder Crédit Agricole verzeichneten hohe Kursaufschläge. Die Analysten der amerikanischen Bank JP Morgan bezifferten den Kapitalbedarf europäischer Banken auf bis zu 150 Milliarden Euro. Davon entfielen auf die 28 größten Institute mindestens 45 Milliarden Euro. Dabei rät JP Morgan zu einer europäische Version des amerikanischen Kapitalisierungsprogramms (Troubled Asset Relief Program, Tarp).

          Auch der Präsident von Goldman Sachs, Gary Cohn, hält dies für eine gute Lösung. Die amerikanische Regierung hatte nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im Oktober 2008 das amerikanische Finanzsystem mit 700 Milliarden Dollar rekapitalisiert.

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