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Sinkende Aktienkurse : An der Börse wird’s gefährlich

Bild: © Images.com/Corbis

Die Aktienkurse sinken dramatisch. Monatelang hatten sich die Aktionäre nicht daran gestört, dass Griechenland Schwierigkeiten hat - aber in den vergangenen Tagen fiel ihnen das wieder ein. Die Konjunktur schwächelt.

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          Auf dem Weg zur Vorkrisen-Höhe sind die deutschen Aktienkurse erst mal nicht mehr. Monatelang hatten sich die Aktionäre nicht daran gestört, dass Griechenland Schwierigkeiten hat – aber in den vergangenen Tagen fiel ihnen das wieder ein. Dass der Internationale Währungsfonds seine Kredite verlängert, wird immer unwahrscheinlicher. Inzwischen wird selbst der Nachbarstaat Italien von der Ratingagentur Standard & Poor’s mit einer schlechteren Bonitätsnote bedroht. Jetzt sinken die Kurse dramatisch. Der F.A.Z.-Aktienindex ist vergangene Woche gar unter seinen Stand vom Jahresanfang gefallen. Denn jetzt werden auch viele Profis skeptisch. So mancher Fondsmanager verkauft jetzt die Aktien und legt das Geld aufs Konto – oder kauft davon die sicheren Bundesanleihen. Dabei hatten viele Anleger gedacht, die müsse man im laufenden Aufschwung möglichst schnell loswerden.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Zwar verweisen die Optimisten an der Börse darauf, dass die Aktien immer noch billig seien, also „günstig bewertet“ im Börsianer-Deutsch. Gemessen an den Firmengewinnen, seien die meisten Kurse geradezu auf Schnäppchen-Niveau, tönen fast alle Analysten. Doch Zyniker halten genau das für den Zeitpunkt zum Aussteigen. Auf jeden Fall aber sind günstige Bewertungen keine Garantie für weitere Kursanstiege, wie der Vermögensverwalter Jens Ehrhardt betont: Schon im Jahr 2007 seien die Aktien günstig bewertet gewesen. Damals allerdings sanken die Kurse trotzdem – und die Gewinne bald hinterher.

          Fünf Argumente

          Pessimisten nennen derzeit fünf Argumente dafür, dass der laufende Aufschwung die Anleger bald enttäuschen könnte. Erstens: Auch nach zwei Jahren trägt sich der deutsche Aufschwung noch nicht selbst. Nach wie vor trägt der private Konsum kaum zum Wachstum bei. Bislang stammt das Wirtschaftswachstum vor allem aus zusätzlichen Exporten – und daher, dass die Firmen wegen der starken Exporte in neue Maschinen und Anlagen investieren. Auch die Staatsausgaben stützen das Wachstum. Doch für einen langen und kräftigen Aufschwung wäre vor allem privater Konsum nötig, wie Andreas Rees betont, der Chefvolkswirt für Deutschland bei der Bank Unicredit. Schließlich seien die beiden größten Wachstumsphasen der vergangenen 40 Jahre zum Großteil von den Verbrauchern getragen worden.

          Bild: F.A.Z.

          Zweites Problem: Auch der Export, der derzeit noch Wachstum bringt, könnte Deutschland in den kommenden Monaten weniger Freude bereiten. Der Großteil der deutschen Exporte bleibt in Europa, und dort haben viele Länder Probleme. Nicht nur die Menschen in den finanzschwachen Peripheriestaaten können sich wenig leisten, wie Vermögensverwalter Jens Ehrhardt feststellt, sondern auch Großbritannien knabbert an einer schwachen Konjunktur. Selbst auf China können sich die deutschen Exporteure nicht mehr verlassen. Denn im Kampf gegen die Inflation hat auch China sein Wachstum gebremst, und das trifft auch die Deutschen. Die chinesischen Importe sind in den vergangenen Monaten deutlich langsamer gewachsen als zuvor.

          Das Geschäft der Firmen wird zusätzlich dadurch erschwert, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen anhebt. Auf diese Weise werden die Kredite verteuert, mit denen die Firmen ihre Investitionen bezahlen. Zwar schadet das den Aktienkursen nicht immer gleich bei den ersten Zinserhöhungen, sondern manchmal erst später: wenn die kurzfristigen Notenbank-Zinsen höher sind als die langfristigen Anleihezinsen. So weit ist es noch nicht, doch der Weg dorthin ist vorgezeichnet: Die Notenbanker scheinen sich gerade auf eine Zinserhöhung im Juli vorzubereiten. Das ist das dritte Problem der Aktionäre.

          Optimismus der Unternehmer lässt nach

          Viertens lässt auch der Optimismus der deutschen Unternehmen langsam nach. Der Ifo-Index, für den monatlich 7000 Unternehmen nach ihrer Stimmung gefragt werden, ist zwar im Mai nicht mehr wie zuvor gefallen, sondern stagnierte nur noch auf seinem hohen Niveau. Doch gerade die Erwartungen für die kommenden sechs Monate trüben sich immer weiter ein. Aus Sicht der Aktionäre gibt es sogar noch einen fünften Grund zum Pessimismus: Die Kurserholung an der Börse wird nur von wenigen Aktien getragen. Richtig gewonnen hat in den vergangenen Monaten nur der Deutsche Aktienindex mit den größten 30 Aktien Deutschlands. „Der F.A.Z.-Index, der 100 Aktien umfasst, ist nicht so weit gestiegen“, stellt Vermögensverwalter Jens Ehrhardt fest. Er hält das für ein schlechtes Zeichen. Denn Aufschwünge seien dann stark, wenn vor allem die kleinen Firmen an Kurs gewinnen. „Aber wenn die Anleger ängstlich sind, halten sie sich an große Namen. Dann rechnen sie mit einer Baisse, und dann kommt sie auch oft.“

          Alternativen zu den deutschen Aktien sind allerdings nicht leicht zu finden. Zuletzt haben Länder wie Australien und Norwegen den europäischen Anlegern viel Gewinn gebracht – doch deren Wirtschaft hängt von den Rohstoffen ab. Wenn die Weltkonjunktur nachlässt, könnte das auch die Rohstoffpreise drücken und damit diesen Ländern schaden.

          Gold als Chance

          Vermögensverwalter Ehrhardt sieht derzeit noch Chancen im Gold – und empfiehlt ansonsten, das Geld schlicht auf dem Konto zu parken. Ohnehin rechnet er nicht damit, dass die Kurse lange sinken. Schließlich diskutierten die Amerikaner schon wieder darüber, ob sie neues Geld drucken, und das könne ab Herbst die Kurse wieder treiben.

          Wer einen längeren Atem hat und nicht alle paar Monate sein Depot umschichten möchte, dem empfiehlt Ehrhardt nach wie vor die Schwellenländer. Deren Aktien dürften sich trotz aller Probleme langfristig noch besser entwickeln als die aus Deutschland, schätzt Ehrhardt. Und er bekommt Unterstützung von der Bank Citigroup. Deren Aktienstrategen empfehlen, Aktien aus der Eurozone gegen Aktien aus den Schwellenländern einzutauschen. Die hätten langfristig wieder gute Wachstumschancen. Und sie seien nicht so verschuldet wie Europa.

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