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Singapur : Größter Börsengang Südostasiens in den Startlöchern

Containerhafen in Hongkong Bild: AP

Hutchison Whampoa will chinesische Häfen für 6 Milliarden Dollar an Singapurs Börse bringen. Analysten interpretieren den Verkauf als Hinweis darauf, dass sich Chinas Export und Wachstum abkühlen wird.

          2 Min.

          Südostasien steht vor seinem größten Börsengang. Der Mischkonzern Hutchison Whampoa aus Hongkong will bis März seine südchinesischen Häfen über das Parkett im Stadtstaat Singapur verkaufen. Die Einnahmen könnten sich auf bis zu 6 Milliarden Dollar belaufen. Hutchison Whampoa ist in der chinesischen Sonderverwaltungsregion börsennotiert. Die Mehrheit liegt in Händen der Hongkonger Investorenlegende Li Ka-shing. Der 81jährige Gründer ist mit einem von Forbes geschätzten Vermögen von gut 21 Milliarden Dollar die Nummer 14 auf der Liste der Reichsten der Welt.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Dass er sich ausgerechnet jetzt von Teilen seines Hafengeschäftes in China trennen will, interpretieren manche Analysten als Hinweis darauf, dass sich Chinas Export und Wachstum abkühlen werde. Das Konglomerat plant, die Hutchison Port Holdings Trust abzutrennen und an die Börse zu bringen. Zu ihr zählen Tiefseehäfen in Hongkong, dem benachbarten Macau und der südchinesischen Industrieprovinz Guangdong. Nach einer Mitteilung des Unternehmens bietet der Stadtstaat Singapur bessere Bedingungen für den Börsengang von Stiftungen als Hongkong. Frank Sixt, Finanzchef der Muttergesellschaft sagte am Dienstag, die Umwandlung in eine Stiftung werde dem Unternehmen mehr finanzielle Freiheit verleihen. Zugleich werde Hutchison Whampoa trotz eines Anteils von nur noch 25 Prozent beim Hafenbetreiber weiterhin das Sagen haben. Begleitet wird der Börsengang von der Singapurer DBS Bank, der Deutschen Bank und Goldman Sachs.

          Spezialfeld für Schifffahrt und Häfen

          Der Gang ausgerechnet nach Singapur ist nicht ohne Brisanz: Denn die beiden Städte liefern sich seit Jahrzehnten einen harten Konkurrenzkampf um Investoren. Während alle Börsengänge in Singapur zusammen im vergangenen Jahr mit 5,4 Milliarden Dollar kleiner waren als der aktuelle Schätzwert für die Häfen von Hutchison Whampoa, kommt der Börsenplatz Hongkong dank seiner Nähe zu Festlandchina auf fast den zehnfachen Wert.

          „So ein Börsengang verleiht der Börse in Singapur Schub und wird sie darin bestärken, ihre Vorteile im Angebot von Nischenprodukten zu suchen, statt sich direkt mit den großen Märkten anzulegen“, sagte Roger Tan von Sias Research in Singapur. Die Börse Singapur dreht sich derzeit vor allem um sich selbst, da sie um die Übernahme des australischen Börsenbetreiber ASX kämpft. Im zweiten Quartal ihres Geschäftsjahres (30. Juni) verbuchte sie ein Wachstum ihres Reingewinns auf 81,7 Millionen Singapur Dollar (47,6 Millionen Euro). Der Vergleichswert betrug im Jahr 2009 rund 71,8 Millionen Singapur Dollar.

          Der seit einem Jahr amtierende Börsenchef Magnus Bocker bietet 8,4 Milliarden australische Dollar (6,3 Milliarden Euro) für den Kauf der ASX. Seit Bekanntgabe des Vorhabens Ende Oktober 2010 hat der Kurs der SGX um 6 Prozent nachgegeben. Der Börsengang der Hutchison-Häfen in Singapur werde der SGX helfen, sich im Spezialfeld der Börsen für Schifffahrt und Häfen zu positionieren, sagen Analysten. Asien ist die Weltgegend mit den größten Hafenbetreibern, so wie Shanghai International Port, Dalian Port, Hutchison Whampoa oder PSA in Singapur.

          Hutchison Whampoa profitiert vom weltweiten Aufschwung: Seit der Vorlage der Jahresergebnisse im vergangenen August hat die Aktie 77 Prozent an Wert gewonnen. Am Dienstag gab der Kurs mit dem Markt um 2,4 Prozent nach. Analysten führten dies auf Gewinnmitnahmen zurück. Hutchison Whampoa, tätig vom Einzelhandel über den Energiesektor bis zum Immobiliengeschäft, steigerte seinen Reingewinn 2009 um 12 Prozent auf 14,17 Milliarden Hongkong Dollar (1,37 Milliarden Euro). Der Anteil von Hutchison Port lag bei 1,83 Milliarden Hongkong Dollar, nach 2,11 Milliarden Hongkong Dollar im Jahr 2008. Die Ratingagentur Fitch schätzt, dass der Teil des Hafenbetreibers, der nun in Singapur an die Börse soll, rund die Hälfte zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen des Hafengeschäftes beisteuerte.

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