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Silizium : Solarboom: Profitieren von den Profiteuren

  • Aktualisiert am

Granulares Polysilizium Bild: Wacker Chemie

Silizium ist der Rohstoff, der den Solarboom anfeuert. Davon, so ein naheliegender Gedanke, sollten Anleger profitieren können. FAZ.NET stellt die wichtigsten Siliziumproduzenten kurz vor.

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          Silizium ist der Rohstoff, der den Solarboom anfeuert. Davon, so ein naheliegender Gedanke, sollten Anleger profitieren können. Denn irgend jemand muß das Silizium ja produzieren, und genau diese Unternehmen sollten bei dieser hohen Nachfrage gutes Geld verdienen (siehe Silizium bleibt teuer und knapp).

          Den Markt für Silizium teilen sich wenige große Anbieter, von denen nur zwei börsennotiert sind: MEMC (Amerika) und Tokuyama (Japan). Doch das könnte sich ändern, denn REC (Norwegen) plant im zweiten Quartal den Gang an die Börse, und bei Wacker (Deutschland) halten sich hartnäckig ähnliche Gerüchte. FAZ.NET stellt die Unternehmen kurz vor.

          Wacker wäre ein interessanter IPO-Kandidat

          Wacker wäre das erste große deutsche Chemieunternehmen seit langem, das eine Börsennotierung anstreben würde. Bisher ist aber noch nicht einmal klar, ob es dazu überhaupt kommen wird. „Ein Börsengang ist eine von mehreren Optionen, alles andere sind Spekulationen, die wir nicht kommentieren“, sagte Wacker-Sprecher Christof Bachmair gegenüber FAZ.NET.

          Reaktoren für die Siliziumproduktion bei Wacker
          Reaktoren für die Siliziumproduktion bei Wacker : Bild: Wacker Chemie

          Die Siliziumproduktion macht derzeit etwa zehn Prozent vom Umsatz aus. Mitte Januar teilte das Unternehmen mit, seine Polysilizium-Produktion in Burghausen weiter auszubauen und dafür 200 Millionen Euro zu investieren. Sollte der Börsengang kommen, würde Wacker sicher zu den interessantesten IPO-Kandidaten des Jahres gehören. Vorausgesetzt natürlich, die Papiere kommen nicht von vornherein überteuert an den Markt.

          REC mit Wachstumsstory

          REC bezeichnet sich als weltgrößter Siliziumhersteller für die Photovoltaik, denn anders als die Konkurrenz verkauft die norwegische Gruppe sein Silizium nur an PV-Unternehmen. Die Gruppe erwirtschaftete 2004 noch Verluste, für 2005 wird aber ein Nettogewinn erwartet. Der Umsatz in den ersten drei Quartalen hat sich 2005 im Vergleich zur Vorjahresperiode fast verdoppelt. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern betrug im gleichen Zeitraum 270 Millionen Norwegische Kronen (etwa 33,7 Millionen Euro) nach einem Verlust von 25 Millionen Kronen in der Vorjahresperiode. Das Silizium-Geschäft macht - neben anderen Solaraktivitäten - nur etwa ein Drittel des Umsatzes aus, trägt aber über 40 Prozent zum operativen Gewinn bei.

          REC könnte es schaffen, den Investoren eine Wachstumsstory nach ihrem Geschmack zu präsentieren. Die bisherigen Großinvestoren werden ihr Engagement bisher nicht bereut haben, auch wenn in den ersten Jahren einige Verluste aufgelaufen sind. Erst im vierten Quartal des vergangenen Jahres hat das norwegische Energieunternehmen Hafslund rund 17 Millionen Euro in REC investiert.

          „Die Aussichten für REC sind sicher sehr gut“, sagt Matthias Fawer, Analyst für erneuerbare Energien bei der Bank Sarasin in Basel. „Das Unternehmen ist der einzige 'pure player' in der Branche“, sagt er im FAZ.NET-Gespräch. Er hebt besonders die Verbindungen des Unternehmens in die Solarindustrie hervor, die auch in Zukunft eine starke Marktstellung sichern sollten. „Auch von der Technologie des Unternehmens bin ich überzeugt“, sagt Fawer. Trotz dieser Euphorie sollten Anleger nicht vergessen, vor dem Börsengang ganz genau hinzuschauen. Schließlich besteht die Gefahr, daß REC als reines Solarunternehmen schon sehr hoch bewertet an die Börse kommt.

          MEMC mit guten Aussichten

          MEMC (ISIN US5527151048) produziert Silizium nicht in erster Linie für die PV-Industrie, sondern für Computer, Telekommunikationssysteme und Konsumelektronik. Aber das Unternehmen profitiert natürlich vom steigenden Preis für den begehrten Stoff und hat inzwischen auch einige langlaufende Verträge mit Solarunternehmen abgeschlossen. Dies könnte den Umsatz der Sparte für 2005 im Vergleich zu 2004 um einige Millionen Dollar nach oben getrieben haben, ohne daß wesentliche zusätzliche Kosten entstanden wären.

          2003 kam MEMC in die schwarzen Zahlen. 2004 blieb unter dem Strich ein Gewinn von 1,09 Dollar je Aktie. Für 2006 rechnen Analysten im Schnitt mit 1,31 Dollar, für 2007 mit 1,52 Dollar. Auf Basis dieser Gewinnschätzungen ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 für 2006 und 16,4 für 2007. Das scheint - im Vergleich mit anderen Solarwerten - nicht überteuert. Investoren müssen aber wissen, daß sie nicht primär in einen Solarwert investieren, sondern in ein Unternehmen, das eher nebenbei vom Solarboom profitieren könnte.

          Tokuyama inzwischen hoch bewertet

          Tokuyama (ISIN JP3625000009) produziert vor allem Chemikalien für die Industrie, Zement und Baustoffe. Die Siliziumsparte machte 2005 nur für ein Zehntel des Umsatzes aus, lieferte aber ein Viertel des operativen Gewinns. Andreas Schuster von CLSA schätzt, daß sich dieser Anteil in den kommenden Jahren verdoppeln könnte - das Silizium also die Hälfte der Gewinne liefern würde.

          Obwohl der Umsatz nicht so richtig vom Fleck kommt, konnte das Unternehmen den Gewinn in den vergangenen Jahren deutlich steigern. Der Chart zeigt, daß die Anleger das zu schätzen wußten. Analysten rechnen für 2006 im Schnitt mit 45,67 Yen Gewinn je Aktie, 2007 sollten 62,52 Yen je Aktie folgen. Daraus berechnet sich ein KGV von 44 für 2006 und 32,2 für 2007 - die Bewertung ist inzwischen also durchaus ambitioniert.

          Trotzdem gibt sich Sarasin-Analyst Fawer optimistisch: „Bei Tokuyama sind wir immer noch zuversichtlich.“ Das Unternehmen habe inzwischen das Marktpotential der Solarbranche erkannt und baue diesen Sektor aus. Anfang Februar erreichte der Kurs ein neues Hoch bei 16 Euro, dann folgte eine scharfe Korrektur. Am Mittwoch stand der Kurs bei 14,23 Euro. Anleger sollten vor einem Investment deshalb genau beobachten, ob der jüngste Aufwärtstrend verletzt wird oder intakt bleibt (siehe Grafik).

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