https://www.faz.net/-gv6-3oiu

Serie : Vorsicht bei Aktienrückkauf gegen Unterbewertung

  • -Aktualisiert am

Eckert & Ziegler kauft eigene Aktien Bild: Eckert &Ziegler

Wenn Aktienrückkäufe nur auf den Kurs zielen, kann das ins Auge gehen. Das Management ist nicht der Oberschiedsrichter für die Angemessenheit des Börsenkurses.

          2 Min.

          Es ist das am häufigsten vorgebrachte Argument für einen Aktienrückkauf: Unsere Aktie notiert an den Börsen viel zu niedrig, der innere Wert ist wesentlich höher und spiegelt sich im Aktienkurs keinesfalls angemessen wieder.

          Das klingt wie der anfängerhafte Rat an einen Börsenneuling, Aktien einfach unten zu kaufen und oben zu verkaufen. Nur wo ist unten und wo oben. Oder wer entscheidet, dass die Aktie des Unternehmens billig ist. Bei solchen Werturteilen wird dann das Management zum Oberschiedsrichter über den Börsenkurs. Dabei sollte doch eigentlich die Kursbildung dem Spiel von Angebot und Nachfrage an den Märkten überlassen werden. Denn die Börse hat immer Recht, sonst wäre ein Kurs nicht dort, wo er ist!

          Den Börsenkurs machen die Märkte

          In diesem Zusammenhang ist viel von einer Signalwirkung die Rede. Mit dem Aktienrückkauf gebe das Management zu erkennen, dass es an die Zukunft des Unternehmens glaube und kaufe, weil die Aktie - siehe oben - billig sei. So geschehen beispielsweise bei dem Aktienrückkauf von Eckert & Ziegler. Dem würden sich dann viele Anleger anschließen in der Erwartung, dass der Kurs augrund dieser Ankündigung nach oben tendieren werde. Angenommen einmal, die Rechnung geht auf. Ist es dann so abwegig, dass bei zurzeit so sensibilisierten Anlegern und auch Aufsichtsbehörden einmal gewisse Insider-Verdachtsmomente vorgebracht werden? Denn wer sollte besser über das Unternehmen Bescheid wissen, als das Management? Ganz bewusst nimmt hingegen SAP nicht Stellung zu der Werthaltigkeit seiner Aktien. Der Kurs der Aktie werde an der Börse gemacht, da wolle man sich nicht einmischen, meint man dort.

          Und umgekehrt sei einmal der Fall ventiliert, dass der Kurs der Aktie - aus welchen Gründen auch immer - nicht steigt sondern weiter fällt. Nimmt dann nicht die Glaubwürdigkeit des Managements Schaden, weil es offensichtlich nicht in der Lage ist, seine eigene Leistung kritisch einzuschätzen und marktmäßig zu bewerten? Gar nicht zu reden von den Mitläufer-Aktionären, die sich in die erhoffte Rückkauf-Hausse eingeklinkt hatten und die demnächst sicher nicht mehr als Geldgeber zur Verfügung stehen. Und in solchen Fällen taucht dann auch die Frage auf, wie die zurückgekauften Aktien zu bewerten sind, das heißt es werden eventuell saftige Abschreibungen anfallen.

          Missbrauch hat Anleger misstrauisch gemacht

          Ganz generell kann doch ein Aktienkurs auf Sicht nur durch eine langfristig gute Management-Leistung, also steigende Erträge, gestützt und getrieben werden. Und eine solche Einschätzung kann demzufolge im Anlegerpublikum nicht durch eine einmalige Rückkaufaktion erzeugt werden. Außerdem ist das anlegende Publikum sehr misstrauisch geworden, weil die Rückkaufaktionen von einigen kleineren Unternehmen nur auf den Ankündigungseffekt setzten und ein Rückkauf gar nicht ernsthaft geplant war und auch nicht durchgeführt wurde.

          Daneben gibt es auch Rückkaufaktionen, die je nach den Begleitumständen im Einzelfall ausgesprochen negativ zu werten sind. Wenn die Aktion zum Beispiel, anders als dies zuletzt bei der Deutschen Bank oder Schering und BASF der Falle war, nicht aus überhöhter Liquidität und zur Rückführung der zu hohen Eigenkapitalquote geschieht, sondern nur unter Aufnahme von Fremdkapital und nur zur Beeinflussung des Börsenkurses. Solchen Etikettenschwindel einer versuchten „Kursmanipulation“ machen aufgeklärte Anleger - zumindest in Deutschland - nicht mehr mit.

          Zumal sich dann die Finanzierungssituation des Unternehmens deutlich verschlechtert, nämlich über den Abbau des Eigenkapitals und den Aufbau des Fremdkapitals. Und was als positiv für die Aktionäre gedacht ist, schlägt den Anleihegläubigern, den Bondholdern, kräftig auf die Butterseite, da sich die Verschuldung erhöht und Bonität und Rating sinken. Momente, die ebenfalls Rückwirkungen haben können auf die Bonität des Unternehmens und damit auch auf die Wertschätzung für die Aktie.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die HMS Defender bei ihrer Ankunft im Hafen von Odessa am 18. Juni

          Vorfall im Schwarzen Meer : Wollte die Royal Navy Russland provozieren?

          In Großbritannien verstärkt sich der Eindruck, dass die Royal Navy im Schwarzen Meer ein Zeichen setzen wollte. Moskau droht für Wiederholungen mit Bombenangriffen „nicht einfach in den Kurs, sondern auf das Ziel“.
          Der neue Bosch-Chef Stefan Hartung

          Generationswechsel : Bosch baut seine Führung komplett um

          Dass Stefan Hartung an die Spitze des Technologiekonzerns aufrückt, war schon länger klar. Doch wie groß der Umbau ausfällt, überrascht. Vor allem die neue Position des bisherigen Chefs erregt Aufmerksamkeit.

          Probleme des DFB-Teams : Höggschde Fahrigkeit

          Der Unterschied zur WM 2018, als Deutschland krachend vom hohen Ross fiel, besteht in erster Linie darin, dass sich „die Mannschaft“ nun wehrte. Das Grundproblem aber hat sich nicht verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.