https://www.faz.net/-gv6-3q7z

Serie : Aktienrückkäufe sind kein Schutz vor Übernahmen

  • -Aktualisiert am

T-Aktie hatte unter „Aktienrückflüssen” zu leiden Bild: dpa

Mit Aktienrückkäufen ist ein Schutz vor Übernahmen kaum zu bewerkstelligen. Selbst bei eigenen Übernahmen ist Cash besser als Aktien mit einer Haltefrist.

          2 Min.

          Sind Aktienrückkäufe ein Schutz vor Übernahmen? Im Prinzip nein - und der Anleger will auch keinen vollkommenen Schutz.

          Auch wenn die Zeit der großen Übernahmen infolge der Misere an den Weltbörsen und der damit aufgekommenen Ernüchterung erst einmal vorbei sein sollte, bleibt das Thema Aktienrückkauf zum Schutz vor Übernahmen sicher ein Dauerbrenner. Auch hier ist jedoch wieder von Anlegern und ihren Analysten genau zu hinterfragen, wie denn dieser Schutz durch den Rückkauf eigener Aktien wirken soll. Das gilt, und das ist Zweifel Nummer eins, ganz abgesehen von der Fragestellung, ob denn ein wirklich funktionierender Übernahmeschutz für den Privatanleger zum Beispiel überhaupt positiv zu werten ist. Denn die Möglichkeit einer Übernahme seines Unternehmens bedeutet doch auch eine gewisse Kursfantasie, oder? Jedenfalls gibt es ja Anleger-Spezies, die ganz bewusst Jagd auf Übernahmekandidaten machen.

          Hoffnung auf und Zweifel an einem Kursanstieg

          Nun zu der Fragestellung, wie denn ein Übernahmeschutz über Aktienrückkäufe wirken soll. Dabei wird von Unternehmensmanagern regelmäßig unterstellt, dass die Ankündigung und dann vor allem auch die Praktizierung eines Rückkaufprogrammes positive Wirkungen auf den Kurs entfaltet, dieser also mehr oder weniger steigt. Und das würde dann die geplante Übernahme durch einen Aufkäufer wesentlich verteuern und ihn möglicherweise von seinem Plan abbringen. Das kann, Zweifel Nummer zwei, in dem einen oder anderen Falle zutreffen. Doch ist diese Logik eigentlich reichlich naiv. Denn was sagen denn die bereits an Bord befindlichen freien Aktionäre, wenn ihnen eine Übernahmechance genommen werden soll. Ist das Management nicht der Meinung, dass von diesen Aktionären aus Enttäuschung über die genommene Übernahmechance dann auch Aktien abgestoßen werden? Und was ist, wenn der Kurs durch die Rückkaufaktion gar nicht (nachhaltig) steigt?

          Verminderter Free Float - gut oder schlecht?

          Die damit in Zusammenhangstehende zweite Argumentationslinie ist eigentlich noch naiver. Durch den Rückkauf eigener Aktien vermindert sich die Zahl der umlaufenden Aktien, also der Free Float, was es dem potenziellen Übernehmer zusätzlich erschwere, bestimmte Mengen an Aktien am Markt einzusammeln. Das mag ja sogar sein, Zweifel Nummer drei, doch sind mit einer Verringerung des Free Float auch noch andere Wirkungen verbunden. Man denke nur an das geringer werdende Gewicht der betreffenden Gesellschaft in einschlägigen Indizes, was heutzutage regelmäßig am Free Float gemessen wird. Bei sinkendem Indexgewicht sind die inzwischen zahlreichen Index-Käufer gezwungen, die entsprechende Aktie zu geben, um wieder das richtige Indexgewicht herzustellen. Ob das den erhofften Positiv-Effekt nicht (über-) kompensiert?

          Bargeld lacht - nicht Aktien mit Embargo

          Die Kette an Argumenten lässt sich - leider gar nicht pro Aktienrückkauf - fortsetzen. Geringerer Free Float bedeutet doch gleichzeitig auch, dass die bisher schon von einem potenziellen Raider - direkt oder über befreundete Adressen - eingesammelten Aktienpositionen plötzlich ein deutlich höheres Gewicht erhalten. Dann hat der Aktienrückkäufer mit Zitronen gehandelt und sich ein Eigentor geschossen. Und auch die Argumentation, mit den zurückgekauften Aktien selbst Übernahmen finanzieren zu wollen, zieht nicht wirklich. Zum einen hat der Käufer sicher lieber neutrales Geld als Aktien, die eventuell noch mit einem zeitlichen Embargo versehen sind.

          Oder sind die schnellen Aktienrückflüsse an T-Aktien aus Übernahmetransaktionen nach Ablauf entsprechender Fristen schon vergessen? Außerdem passt das nicht mit der Grundargumentation für die derzeitigen Rückkäufe zusammen, dass nämlich die Aktien derzeit so billig seien. Denn schließlich bezahle ich doch am besten mit Aktien, die ich für überbewertet halte? Zu billige Aktien behalte ich doch lieber selbst, um später daran selbst einen Reibach zu machen, oder?

          Weitere Themen

          Wie die Lufthansa sich befreien will

          Scherbaums Börse : Wie die Lufthansa sich befreien will

          Der Nachholbedarf der reisefreudigen Europäer stimmt die Fluggesellschaft optimistisch. Die Kranich-Airline wird daher wieder selbstbewusster und sieht sogar die Gelegenheit, einen unliebsamen Aktionär früher als gedacht loszuwerden.

          Topmeldungen

          Deutscher Sieg über Portugal : Ein Abend, an dem Funken sprühen

          Mit der überwältigenden Mischung aus Wucht und Wille erfüllt die DFB-Elf ihren Auftrag gegen Portugal. Auch die Konkurrenz in Fußballeuropa dürfte diese deutsche Verwandlung mit einigem Staunen gesehen haben.

          Deutsche Einzelkritik : Müller nervt Portugal, Gosens ragt heraus

          Beim Sieg über Portugal macht Robin Gosens wohl die Partie seines Lebens. Auch andere DFB-Akteure zeigen sich deutlich verbessert. Aber einer scheint nicht der Lieblingsspieler von Bundestrainer Joachim Löw zu sein.
          Kann Jens Spahn als von Corona genesen gelten?

          F.A.S. Exklusiv : Herr Spahn und die Genesenen

          Der Gesundheitsminister macht es Leuten schwer, die Corona schon überstanden haben. Wie viele Impfungen sie brauchen, ist umstritten. Hat Jens Spahn sich selbst vergessen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.