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SER Systeme : Was nun, Herr Reinhardt?

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Seine Zukunft hängt am Aktienkurs: SER-Vorstand Reinhardt Bild: SER Systeme

Nichts Neues von SER Systeme. Wieder einmal musste der Software-Anbieter seine Planzahlen korrigieren. Und wieder einmal reagiert die Börse mit harschen Kursverlusten.

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          Never ending story bei SER Systeme. Zum wiederholten Mal hat der Hersteller von Software für das Dokumenten-Management die Erwartungen enttäuscht. Die am Dienstag veröffentlichten Ergebnisse beinhalteten gleich mehrere Hiobsbotschaften. Die Anleger reagieren harsch. Bereits im Vormittagshandel fällt die Aktie um 9,7 Prozent auf 17,60 Euro. Auch Analysten geben sich verstimmt. So haben M.M.Warburg, Berenberg Bank und SES Research den Wert bereits zurückgestuft.

          Auf den ersten Blick bewegt sich der für das Vorjahr veröffentlichte Umsatz von 185 Millionen Euro und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit 20 Millionen Euro zwar im Rahmen der im November revidierten Unternehmensprognosen. Doch auf den zweiten Blick zeigt sich, dass das Ebit nur durch nicht näher bezifferte außerordentliche Erträge erreicht wurde. In Wahrheit war das Ergebnis offenbar von unvorhergesehenen Aufwendungen für Restrukturierungen belastet.

          Gesenkte Planzahlen und Strategiewechsel verwirren

          Das SER Systeme in Schwierigkeiten steckt, zeigt sich auch an weiteren Punkten. So wurde das Ziel-Ebit für 2001 vom Unternehmen auf 24 Millionen Euro gesenkt. Bisher waren aber 30 Millionen Euro geplant. „Störend ist auch, dass das US-Geschäft künftig nur noch eine Finanzbeteiligung sein soll. Der dort geplante indirekte Vertrieb stellt einen vollkommenen Wechsel der Vertriebsstruktur dar,“ bemängelt Marc Osigus. Der Analyst der Berenberg Bank beklagt zudem die Öffentlichkeitsarbeit. Auch auf seine Anfrage hin seien keine genauen Angaben zu den angedeuteten Umstrukturierungen gemacht wurden. Aus dem spärlichen Informationsfluss zieht Osigus Konsequnenzen und stuft die Aktie von „Akkumulieren“ auf „Halten“ zurück. Eine noch drastischere Rückstufung werde nur durch die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17 „relativ preiswerte“ Bewertung verhindert.

          M.M.Warburg rät zum Verkauf

          Keine Gnade kennt dagegen Michael Bahlmann. Der Analyst von M.M.Warburg stuft den Titel direkt von „Kaufen“ auf „Verkaufen“. Nach der erneuten Ergebnisrevision konstatiert er unzufrieden: „Die Glaubwürdigkeit der Aussagen und Prognosen des Unternehmens ist nach dieser erneuten Gewinnwarnung kaum noch gegeben und das Vertrauen in die Gesellschaft hat einen neuen Tiefpunkt erreicht.“ Bahlmann sieht Abwärtspotenzial bis auf 13 Euro.

          Vorstand knüpfte Zukunft an Aktienkurs

          Ob es auch bei SER Systeme Konsequenzen nach den erneuten Enttäuschungen geben wird, ist derzeit unklar. Nervös dürfte zumindest so langsam der Vorstandsvorsitzende Gert Reinhardt werden. Der hatte im Juni des Vorjahres bei der Hauptversammlung vollmundig erklärt, dass er zurücktreten werde, wenn der Kurs in zwei Jahren nicht bei 250 Euro steht. Da sich gemessen an der aktuellen Notiz der Kurs vervierzehnfachen müsste, damit Rheinhardt nicht beim Wort genommen wird, dürfte dies dem Vorstandsvorsitzenden bereits jetzt einige schlaflose Nächte bereiten.

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