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SDax : TAG Tegernsee-Aktie zeigt neuerdings viel Triebkraft

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von TAG Tegernsee seit einem Jahr. Bild:

Seit 14 Tagen schwingt sich die Aktie mächtig auf. Der Grund ist offensichtlich der Neunmonatsbericht, der die Ertragswende ausweist. Der Titel ist günstig bewertet und notiert deutlich unter seinem Nettoinventarwert.

          Im SDax zeigt sich dieser Tage bei einem der kleinsten Werte eine wahre Kursexplosion: Um mehr als 22 Prozent hat die Aktie der TAG Tegernsee Immobilien- und Beteiligungs-AG seit dem 24. November zugelegt. Am Dienstag ging es um gut fünf Prozent auf 7,70 Euro aufwärts. Gleichzeitig haben sich die Umsätze mit diesem Titel vervielfacht, was für einen stark gestiegene Nachfrage spricht. Am Mittwoch wurde der Titel vorbörslich bei 7,78 Euro gesehen.

          Die Ursache des Kursanstiegs ist offenbar der am 25. November veröffentlichte Neunmonatsbericht. Der Konzern weist darin die Ertragswende aus und zeigt sich zuversichtlich, trotz eines schwierigen Umfelds wachsen zu können. Zudem bekennt sich das Management zwar zur Suche nach einem Großinvestor, aber auch zur eigenen Aktie.

          Im Zuge der Kursexplosion hat es die TAG-Aktie geschafft, den kurzfristigen Abwärtstrend hinter sich zu lassen, einige aus früheren Zwischenhochs folgende charttechnische Hürden zu nehmen und Kaufsignale zu senden. Nun läuft sie auf ihr Jahreshoch zu. Für den Titel spricht nicht nur die verbesserte charttechnische Lage: Das Papier ist günstig bewertet und notiert deutlich unter seinem Nettoinventarwert. Nicht zuletzt ist die Marktkapitalisierung zu zwei Dritteln durch liquide Mittel gedeckt.

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Aktie von TAG seit fünf Jahren.

          Zunehmende Verbesserung des Alltagsgeschäfts

          TAG Tegernsee hat im dritten Quartal den Konzernumsatz um 32 Prozent auf 29,3 Millionen Euro gesteigert. In den ersten neun Monaten des Jahres kletterten die Erlöse um fast zwölf Prozent auf 75,6 Millionen Euro. Dies spricht für eine zunehmende Verbesserung des Alltagsgeschäfts. Dabei konnten beide Töchter zulegen. Der Bau-Verein zu Hamburg legte beim Umsatz von 47,8 auf 49,9 Millionen Euro zu, die JUS AG von 16,6 auf 24,5 Millionen Euro.

          Gleichzeitig steigerte TAG die Ertragskraft. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) vervielfachte sich von 0,3 Millionen Euro auf 14,3 Millionen Euro. Und unter dem Strich steht nach den ersten drei Quartalen ein Gewinn von 3,1 Millionen Euro nach einem Verlust von 11,5 Millionen Euro im gleichen Vorjahreszeitraum; im dritten Quartal erzielte der Konzern einen Überschuß von einer Millionen Euro nach einem Minus von 13,3 Millionen Euro vor Jahresfrist.

          Aktie deutlich unterbewertet

          Die Restrukturierung ist nach Angaben des Vorstands abgeschlossen. Die Führungsspitze zeigt sich im Neunmonatsbericht zuversichtlich. Der Konzern habe seine Ertragswende bestätigt und schaffe die Voraussetzungen für künftiges Wachstum in den Kerngeschäftsfeldern. I Oktober hatte Vorstandschef Lutz Ristow gesagt, Kernproblem bleibe indes die Überversorgung mit Gewerbeimmobilien. Aber: „Dieses Jahr werden wir wieder einen Nettogewinn erzielen. Im vergangenen Jahr hatten wir Abschreibungen vorgenommen, um die Bilanz zu säubern.“

          Den Nettoinventarwert bezifferte er bei einer Investorenkonferenz auf 15 Euro je Aktie. Zuvor hatte sich das Management dazu nicht geäußert, wie das Analysehaus Independent Research (IR) in einer Studie von Anfang November anmerkte. IR schätzte den Nettoinventarwert auf knapp 11,60 Euro je Aktie. Auch andere Immobiliengesellschaften wie IVG und Euroshop notieren erheblich unter ihrem Inventarwert. Gleichwohl ergibt sich daraus eine deutliche Unterbewertung der TAG-Aktie, die sich binnen Jahresfrist um 17,7 Prozent verbessert hat, während der SDax um 19 Prozent hochgelaufen ist.

          Bewertungsabschlag wegen einiger Risiken

          IR hält zwar einen Bewertungsabschlag von 30 Prozent von dem vom Analysehaus ermittelten Nettoinventarwert für gerechtfertigt. Denn der Konzern weise einen hohen Fremdkapitaleinsatz auf mit entsprechenden Risiken bei steigenden Zinsen. Zweitens sei die Stimmung auf dem Markt für Immobilien eher schlecht, und drittens müsse das Management erst noch beweisen, längerfristig erfolgreich wirtschaften zu können. So sieht IR das Kursziel bei 8,10 Euro. Wenn der Bewertungsabschlag von 30 Prozent indes auf den vom Konzern genannten Inventarwert bezogen wird, ergibt sich ein Kursziel von gut elf Euro. So oder so hat der Titel demnach noch Kurspotential bei einem günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,7.

          Ein weiteres Kaufsignal würde die Aktie aus technischer Sicht bei einem Sprung über das Jahreshoch bei 8,23 Euro senden. Ein Meilenstein wäre die Überwindung des derzeit bei etwa 8,90 Euro verlaufenden langfristigen Abwärtstrends. Dann wäre technisch gesehen der Weg frei bis etwa 9,20 Euro. Nach den starken Kursgewinnen muß indes mit kurzfristigen Gewinnmitnahmen gerechnet werden.

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