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SDax : Loewe-Aktie eine Wette auf die Ertragswende

  • Aktualisiert am

Der Himmel lichtet sich über Loewe Bild: dpa/dpaweb

Fernsehgerätehersteller Loewe sieht die Trendwende geschafft und will im zweiten Halbjahr vor Zinsen und Steuern einen Gewinn erzielen. Die günstig bewertete Aktie legt zu und bestätigt den erfreulichen Trend der jüngsten Zeit.

          Der angeschlagene Fernsehgeräte-Hersteller Loewe rechnet erst in der zweiten Jahrenshälfte 2005 wieder mit operativen Gewinnen. Doch vielen Anlegern genügt diese Perspektive: Sie kaufen Loewe-Aktien. Die Notiz steigt im SDax um 2,41 Prozent auf 8,50 Euro. Damit ist sie am Mittwoch der zweitbeste Titel im Kleinwertesegment SDax hinter der Dürr-Aktie und bestätigt den erfreulichen Trend der vergangenen Monate.

          Wie diese kommt Loewe aus einem Tal. Allerdings hat sich die Notiz des fränkischen Traditionsunternehmen schon früher auf den Weg nach oben als der Titel des schwäbischen Konzerns: Seit dem Absturz auf das Allzeittief von 4,17 Euro im August vergangenen Jahres hat sich der Wert der Loewe-Aktie gut verdoppelt. Zwar liegt der Titel mit einem Jahresplus von 18 Prozent gegenüber dem SDax mit einem Aufschlag von gut 21 Prozent etwas im Hintertreffen, hat sich aber in der jüngsten Zeit erheblich besser entwickelt als der Index: Ein Plus von 28 Prozent in den vergangenen drei Monaten spricht für sich.

          Abwärtstrend längst nicht gebrochen, aber...

          Die Aktienkäufer setzen offenbar auf eine Wende zum Besseren nach dem verstärkten Engagement Branchenriesen Sharp. Loewe hatte den Trend zu Flachbildschirmen anfangs verschlafen und war so in Schwierigkeiten geraten. Im Rahmen der Sanierung leitete der Konzern einen starken Stellenabbau ein. Im laufenden Jahr soll die Zahl der Beschäftigten von zuletzt gut 1000 Stellen nochmals um fünf Prozent sinken. Im nächsten Jahr will das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben.

          Der Chart zeigt den Kursverlauf der Loewe-Aktie.

          Die Aktie ist zwar noch Lichtjahre von einstigen Kurshöhen entfernt und steckt weiter tief im langfristigen Abwärtstrend, der bei knapp 28 Euro verläuft. Doch zeigt sie seit einigen Monate wieder Triebkraft und ist gemessen am Kurs-Umsatz-Verhältnis günstig.

          Unternehmen holt bei Flachbildschirm-Geräten auf

          Loewe werde im dritten oder vierten Quartal wieder schwarze Zahlen vor Steuern und Zinsen (Ebit) schreiben, sagte Finanzchef Burkhard Bamberger am Mittwoch auf der Bilanz-Pressekonferenz in München. Wenn das Unternehmen wie geplant im Gesamtjahr ein ausgeglichenes operatives Ergebnis erreiche, müsse es 2006 das Ziel sein, auch unter dem Strich schwarze Zahlen zu schreiben. Für das Auftaktquartal 2005 stellte Bamberger ein Umsatzplus im niedrigen zweistelligen Prozentbereich in Aussicht. Loewe-Chef Rainer Hecker bekräftigte, er gehe für das laufende Jahr im TV-Gerätemarkt von einem Preisverfall von gut 20 Prozent aus.

          Im vergangenen Jahr machte der angeschlagene Loewe-Konzern wieder hohe Verluste und verfehlte seine ursprünglichen Ziele. Vor Steuern und Zinsen stieg das Minus leicht auf 33,8 Millionen Euro. Unter dem Strich stand ein Verlust von 29,4 Millionen Euro nach 29,7 Millionen Euro im Jahr zuvor. Der Umsatz sank von 288,9 auf 273 Millionen Euro. Dennoch sah Hecker das Jahr als Fortschritt. „2004 haben wir in schneller Folge zehn neue Flachdisplay-Geräte am Markt eingeführt“, sagte er laut dpa.

          Von der Deutschen Bank zuletzt hochgestuft

          Analysten sind sich bei der Bewertung von Loewe uneins. Im Spätherbst stufte die Bankgesellschaft Berlin den Titel als Halte-Position ein. Einen Monat stufte die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) die Aktie nach einem deutlichen Kursanstieg von „Halten“ auf „Verkaufen“ zurück, nachdem sie einen Monat zuvor das Gegenteil getan hatte. Auch im Dezember meldete sich die Deutsche Bank mit einer Hochstufung von „Hold“ auf „Buy“ zu Wort und setzte ein sportliches Kursziel von zehn Euro zu einer Zeit, in der die Aktie gut sieben Euro wert war. Die Deutsche Bank begründete diese Schritte mit der erweiterten Partnerschaft mit Sharp und ersten Anzeichen einer Ertragswende. Als Hauptrisiken führte sie wie zuvor die LBBW den von Loewe eingestandenen Preisdruck an - sowie eine möglicherweise nachlassende Nachfrage. Doch die Kunden scheinen Loewe nach den jüngsten Äußerungen eher zugeneigt.

          Derweil holt die Aktie bei der Bewertung auf, ist aber immer noch nicht teuer: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis beträgt lediglich gut 0,3. Das auf Ergebnisschätzungen der Analysten beruhende Kurs-Gewinn-Verhältnis für dieses Jahr ist noch negativ. Für 2006 geht die LBBW bisher von einem Gewinn je Aktie von vier Cent aus. Ob die Analysten die Schätzungen nach oben korrigieren, wird sich weisen.

          Etwas für mutige Anleger

          Unter dem Strich hat die Loewe-Aktie in den vergangenen Wochen eher an Attraktivität gewonnen als verloren, nicht zuletzt dürfte der Ausblick den Titel mindestens stützen. Wichtig ist nun, anders als im vergangenen Jahr die Prognose auch einzuhalten. Aus charttechnischer Sicht sieht sich die Aktie nach dem Sprung über das bisherige Zwölfmonatshoch bei 8,37 Euro weiteren Hürden gegenüber; die nächsten stehen bei 8,80 Euro, 9,00 Euro und zehn Euro. Mutige Anleger wetten auf die Ertragswende bei Loewe und greifen zu, konservative Naturen halten sich besser bedeckt.

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