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SDax : Für die CTS Eventim-Aktie wird die Luft dünn

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Bild: FAZ.NET

CTS Eventim ist ein Star im SDax. Der Eintrittskarten-Vermarkter hat durch den Verkauf von Tickets für die Fußball-WM noch einen Schub bekommen und will in Europa expandieren. Analysten applaudieren. Im Aktienkurs ist aber viel Hoffnung eingereist.

          In dem bis weit ins zu Ende gehende Jahr hinein bullenstarken SDax spielt die Aktie von CTS Eventim eine herausragende Rolle. Binnen Jahresfrist hat sich das Papier um gut 178 Prozent verteuert - und zeichnet damit als zweitbester Performer nach Vivacon. Das Unternehmen gilt als führender Vermarkter von Eintrittskarten für Konzert-, Theater- und Sportveranstaltungen. Zudem bietet es selbst Live-Ereignisse an. Beim Vertrieb setzt CTS Eventim auch und gerade auf das Internet. „Denn mit steigenden Käufen sinken die Kosten“, was wiederum der Gewinnspanne dienst, sagte Vorstandschef Klaus-Peter Schulenberg der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

          Den Kursanstieg begleitet CTS mit sehr guten Geschäftszahlen: Mit den Neun-Monats-Zahlen konnte das Unternehmen die Erwartungen des Marktes gut erfüllen. Der Konzernumsatz stieg um 1,41 Prozent auf 183 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) überdurchschnittlich um 50,4 Prozent auf 22,4 Millionen Euro. Die Ebit-Marge, das Verhältnis des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern zum Umsatz, kletterte von 9,3 Prozent auf 12,3 Prozent.

          Ticketcorner-Absage hat für Stirnrunzeln gesorgt

          Doch sind in den vergangenen Wochen auch Mißtöne zu hören gewesen. So etwa die Mitteilung, von der Übernahme der schweizerischen Ticketcorner Abstand genommen zu haben. Diese wurde von manchen Analysten mit Stirnrunzeln vermerkt. Denn: „Die geplante Akquisition von Ticketcorner war unseres Erachtens in den zurückliegenden Wochen ein wesentlicher Treiber für die Kursentwicklung der Aktie gewesen“, schreibt das Bankhaus Lampe. Das Institut erwartet weiter eine gute Geschäftsentwicklung bei CTS Eventim, hat aber die Aktie gerade von „halten“ auf „verkaufen“ heruntergestuft. Begründung: Die Notiz sei über das von den Analysten gesteckte Kursziel hinaus gelaufen. Ähnlich hatte zuvor schon die NordLB bei ihrer Verkaufsempfehlung argumentiert.

          Und in der Tat mutet die Bewertung des Titels angegriffen an. CTS Eventim kommt inzwischen fast schon auf Kurs-Gewinn-Verhältnisse, die an die New-Economy-Ära erinnern. Damit ist das Papier deutlich teurer als der SDax, in dem es notiert. Und der Börsenwert übersteigt den zu erwartenden Jahresumsatz um gut das Doppelte.

          Marge soll vor Zinsen und Steuern bei 35 Prozent liegen

          Das Unternehmen verkauft nach Angaben von Schulenberg rund 35 Millionen Tickets im Jahr. „Auf die WM entfallen drei Millionen.“ Dies sei mithin ein „schönes Zusatzgeschäft“, das dem Vermarkter zusätzliche Aufmerksamkeit beschert. Allerdings keine überdurchschnittlichen Margen, wie der Vorstandschef sagt. Die Gewinnspanne liege bei 20 Prozent vor Zinsen und Steuern. „Generell wird sich die Marge bei Tickets brutto sogar auf über 60 Prozent erhöhen.“ Vor Zinsen und Steuern rechne CTS Eventim mit 35 Prozent vor Zinsen und Steuern.

          Vom nächsten Jahr wird sich laut Schulenberg die Möglichkeit auswirken, sich Eintrittskarten zu Hause auszudrucken. „Das bringt pro Ticket einen Euro zusätzlich.“ Und im Jahr darauf will CTS Eventim rund 70 Prozent der Tickets über das Internet absetzen sowie eine Wiederverkaufs-Plattform nutzen. Nicht zuletzt dem Ergebnis dienen soll der Kauf der Sportfive Tixx GmbH, die mit 30 Vereinen und Verbänden, darunter elf Bundesligaclubs, zusammenarbeitet.

          Angesichts dieser Aussichten hat das Bankhaus Lampe die Gewinnschätzungen für das nächste Jahr und 2007 hochgestuft: So erwarten die Analysten nun für 2006 einen Profit je Aktie von 74 Cent und für das Folgejahr von 77 Cent; 2005 soll CTS Eventim 55 Cent abliefern. Daraus errechnet sich für das zu Ende gehende Jahr ein KGV von 43,4 und für 2006 eines von 32,2. Damit liegt das Bankhaus unter dem durchschnittlichen Schätzungen, für auf Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 39,3 und 27,5 hinauslaufen. Zu bedenken sollte dabei nicht nur geben, daß CTS mit diesen Kennziffern ziemlich hoch bewertet ist: Die Lampe-Analysten haben nach eigenen Angaben „hoffnungsvolle Erwartungen“ an die Neun-Monats-Zahlen gehabt, also das Ergebnis und den Umsatz nicht konservativ geschätzt.

          Aus ihrer Sicht ist die CTS-Aktie 22 Euro wert. Die NordLB hat das Kursziel sogar bei lediglich 16,50 Euro gesteckt. Dagegen hat die Citigroup zuletzt den fairen Wert mit 25 Euro angegeben - das war aber vor der Abkehr von der möglichen Akquisition von Ticketcorner. Vor diesem Hintergrund sollten Anleger, die CTS Eventim noch nicht besitzen, auch nicht zugreifen. Auch wenn das Kursbild stimmt. Wer die Aktie im Portfolio hat, sollte sich überlegen, ob er/sie nicht besser Performance in bares Geld ummünzt.

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