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Studie : Schwellenländer stellen spätestens 2030 die Börsen-Schwergewichte

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In den beiden nächsten Jahrzehnten dürfte der Börsenwert in den Schwellenländern deutlich steigen. Die Marktkapitalisierung dürfte dann die an den entwickelten Börsen übersteigen. Zumindest prognostiziert das Goldman Sachs in einer Studie.

          In einer 48 Seiten langen Ausarbeitung bereiten die Autoren Timothy Moe, Caesar Maasry und Richard Tang die Leser auf bevorstehende Umwälzungen an den weltweiten Aktienmärkten vor. Die Grundthese dabei lautet, dass die Börsen der Schwellenländer absolut gesehen deutlich an Statur gewinnen werden. Als Resultat daraus werden sie die Aktienmärkte der entwickelten Länder in Sachen Marktkapitalisierung überholen.

          Vorangetrieben wird die Wachablösung demnach durch das in den Emerging Markets zu erwartenden dynamischere Wirtschaftswachstum und das Erwachsen werden der Börsen, die sich jetzt noch im Entwicklungsstadium befinden. So wird den Volkswirtschaften der Schwellenländer in den nächsten 20 Jahren ein Wachstum von im Schnitt 6,7 Prozent zugetraut, während der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in den entwickelten Ländern nur auf durchschnittlich 1,8 Prozent veranschlagt wird.

          Konkret wird von den Goldman Sachs-Analysten prognostiziert, dass der Börsenwert der Schwellenländer bis 2020 von 14 Billionen Dollar auf 37 Billionen Dollar steigen wird. Und 2030 sollen es dann sogar 80 Billionen Dollar sein. Von dem erwarteten Anstieg sollen dabei 39 Billionen Dollar aus organischem Wachstum bestehender Titel kommen, 14 Billionen Dollar auf Neuemissionen und 12 Billionen Dollar auf Kursgewinne darauf. Der Anteil an der weltweiten Marktkapitalisierung würde dadurch dann von 31 Prozent auf 44 Prozent (2020) und 55 Prozent (2030) zunehmen (der gesamte weltweite Börsenwert wird für 2020 auf 83 Billionen Dollar und für 2030 auf 145 Billionen Dollar taxiert. Derzeit sind es 43 Billionen Dollar).

          China dürfte Amerika als weltgrößte Börse ablösen

          Die Gewichtung der Emerging Markets im MSCI AC World Index könnte dadurch von 13 Prozent auf 19 Prozent in 2020 und 31 Prozent in 2030 wachsen. Die BRIC-Staaten Brasilien, Chine, Indien und Russland könnte laut diesem Szenario bis 2020 auf 30 Prozent und bis 2030 auf 41 Prozent anziehen. Derzeit beträgt deren Anteil 18 Prozent. In Börsenwert ausgedrückt wären das dann 25 Billionen und 59 Billionen Dollar nach 8 Billionen Dollar. Die entwickelten Börsen müssten dagegen einen Bedeutungsverlust und zwar von 87 Prozent auf 81 Prozent und69 Prozent hinnehmen.

          Den Prognosen zufolge könnte die chinesische Börse bis 2030 größer sein als die Wall Street. Jedenfalls sehen die Berechnungen von Goldman Sachs dort einen Anstieg der Marktkapitalisierung von derzeit 5 Billion Dollar auf 41 Billionen Dollar vor. Dem amerikanischen Aktienmarkt wird dagegen nur eine Erhöhung von 14 Billionen Dollar auf 34 Billionen Dollar zugebilligt. In Gewicht ausgedrückt würde das für die Wall Street einen Rückgang von 32 Prozent auf 27 Prozent und 23 Prozent bedeuten, während die Chinesen ihren Anteil von 11 Prozent auf 20 Prozent und 28 Prozent ausbauen könnten.

          Deutlich weniger dynamisch ist dagegen die Vorhersage für die so genannten Next-11-Staaten, also jenen Ländern außerhalb der BRICs, denen ebenfalls ein starkes Wachstumspotenzial zugebilligt wird. Deren Anteil an der weltweiten Marktkapitalisierung soll der Studie zufolge bis 2030 nur von derzeit 5 Prozent auf 6 Prozent steigen. Absolut würde das dann einer Marktkapitalisierung von 4 Billionen und 8 Billionen Dollar nach derzeit 2 Billionen Dollar entsprechen. Unterstellt wird dabei ein jährliches Plus bei der Marktkapitalisierung von 7,3 Prozent, während es bei den BRICs 7,3 Prozent sind und bei den Emerging Markets allgemein 9,3 Prozent und bei den entwickelten Ländern 4,0 Prozent.

          Massive Umschichtungen von Kapital sind zu erwarten

          Diese Projektionen haben nach Einschätzung der verantwortlichen Analysten auch direkte Auswirkungen auf das künftige Anlageverhalten. So müssten die Investoren in den entwickelten Ländern deutlich mehr in den Schwellenländern investieren als dies derzeit noch der Fall sei. Derzeit wird der Anteil an Aktien aus den Emerging Markets in den Aktienportfolios der institutionellen Vermögensverwalter auf rund 6 Prozent geschätzt. Bis 2030 könnte dieser Anteil auf 18 Prozent zunehmen.

          Das wäre gleichbedeutend mit Nettokäufen im Volumen von 4 Billionen Dollar, wobei man dann aber noch immer unter der Gewichtung im Vergleichsindex liegen würde. Und weil gleichzeitig auch die Vermögensverwaltung in den Schwellenländern professioneller werden dürfte, könnte das in den dortigen Märkten letztlich zu geringeren Kursschwankungen und zu weniger erratischen Ausschlägen in den Bewertungsniveaus führen.

          Allgemein kommt man bei Goldmans Sachs zudem zu dem Schluss, dass Aktien aus Emerging Markets einerseits zwar sowohl absolut als auch relativ gesehen interessante Chancen böten. Andererseits werde das Anlegen dadurch aber auch aufwendiger, die operativen Kosten für Investmentmanager würden steigen und der Konkurrenzdruck dürfte zunehmen. Wer erfolgreich investieren wolle, müsse außerdem darauf achten, beim Einstieg nicht zu teuer einzukaufen. Denn an den Börsen der Schwellenländer sei die Performance positiv mit dem jeweils gebotenen Gewinnwachstum korreliert und negativ mit der Höhe der beim Kauf gültigen Bewertungen.

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