https://www.faz.net/-gv6-qzkm

Schwellenländer : Russische Aktien sind wieder „in“

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Nach einer „politisch schwierigen“ Konsolidierungsphase erreicht die russische Börse wieder neue Hochs. Die Aktien sind vergleichsweise günstig, die Wirtschaft des Landes wächst deutlich und die Finanzsituation hat sich verbessert.

          2 Min.

          Rußland profitiert zwar stark vom anhaltenden Öl- und Rohstoffboom. Bis zum vergangenen Jahr zeigte sich das auch an der Börse. Sie eilte von Hoch zu Hoch, allen voran die Ölunternehmen des Landes.

          Dann gab es jedoch einen deutlichen Rückschlag, als der Staat gegen das Management des Ölkonzerns Yukos vorging und das Unternehmen mehr oder weniger zerschlug. Das hat das Vertrauen der Anleger deutlich unterminiert und die Börse des Landes in eine Konsolidierungsphase geschickt.

          RTS-Index erreicht neues Allzeithoch

          Angesichts der jungen Hausse an vielen Börsen weltweit scheinen die Bedenken jedoch inzwischen wieder in den Hintergrund getreten zu sein. Denn die russische Börse markiert am Mittwoch gemessen am RTS-Index ein neues Allzeithoch von 794 Punkten. Das ist in einem anhaltend freundlichen weltwirtschaftlichen Umfeld ein positives Zeichen.

          Diese Entwicklung dürfte angesichts der fundamentalen Bewertung kaum verwundern. Denn mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von etwa elf auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Jahr ist die russische Börse im internationalen Vergleich noch sehr vernünftig bewertet. Vor allem dann, wenn man den anhaltend hohen Ölpreis, das beachtliche Wachstum und vor allem auch die deutlich verbesserte Finanzsituation des Landes berücksichtigt.

          Die starke Kursentwicklung führt auch zu einer beachtlichen Verschiebung in der internationalen Unternehmenshierarchie. So hat russische Gasproduzent OAO Gazprom am Dienstag zumindest vorübergehend einen Marktwert von mehr als 100 Milliarden Dollar. Der weltgrößte Erdgasproduzent läßt damit, gemessen an der Marktkapitalisierung, Unternehmen wie Dell, den größten Computerhersteller der Welt, hinter sich.

          Gazprom will innerhalb von fünf Jahren mit Exxon Mobil und BP rivalisieren

          Die amerikanischen Aktienzertifikate (ADR) von Gazprom, die in Großbritannien, Deutschland und Amerika gehandelt werden, repräsentieren 4,42 Prozent des Unternehmens. Die in Russland notierten Aktien, die den Großteil des Kapitals ausmachen, notieren etwa 20 Prozent tiefer. Sie können zur Zeit noch nicht von Ausländern gekauft werden. Der Aktienkurs des Moskauer Konzerns hat davon profitiert, daß Anleger mit der Aufhebung der Beschränkungen für den Aktienbesitz rechnen. Rußland plane noch vor Jahresende die Restriktionen für den Aktienbesitz von ausländischen Investoren abzuschaffen, hatte Gazprom erklärt.

          Gazprom will innerhalb von fünf Jahren mit Exxon Mobil und BP um den Rang des weltgrößten Öl- und Erdgasproduzenten konkurrieren. Der russische Staat zahlt 7,1 Milliarden Dollar, um die Mehrheit an Gazprom und die Kontrolle über die Energiebranche des Landes zu übernehmen. Auf diese Weise kann Rußland seinen internationalen Einfluß stärken, so die Vermutung.

          Mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 9,3 und 7,9 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Jahr ist die Aktie noch günstig zu haben, auch im Vergleich mit dem heimischen Index. Und „wenn die Beschränkungen aufgehoben werden, wird diese Aktie zu einem Muß“, erklärte Harvey Sawikin, Vermögensverwalter bei Firebird Management in New York der Nachrichtenagentur Bloomerg. Insgesamt dürften die russischen Aktien bei Ausbleiben weiterer politischer Störungen weitere Kursphantasie haben.

          Weitere Themen

          Dax minus 4 Prozent

          Angst vor dem Coronavirus : Dax minus 4 Prozent

          Die Börsen hatten das Coronavirus schon fast abgehakt. Doch nach neuen Erkrankungen in Italien ist die Angst der Anleger zurück – nicht nur in Europa.

          Topmeldungen

          Angespannt: die Hamburger FDP-Landes- und stellvertretende Bundesvorsitzende Katja Suding am Sonntag bei Bekanntgabe der ersten Prognosen

          Panne bei Wahlauszählung : Die FDP hat in Hamburg doch weniger Stimmen

          Die FDP könnte den Wiedereinzug in die Hamburger Bürgerschaft verpassen, weil ihre Stimmen im Wahlbezirk Langenhorn mit denen der Grünen verwechselt wurden. Die Thüringer Turbulenzen haben auch in der Hansestadt das Vertrauen vieler Wähler in die Liberalen erschüttert.

          Bayern München : Die Kampfansage des Thomas Müller

          Es ist schon fast acht Jahr her. Doch vor dem Achtelfinale der Champions League kommt die Erinnerung an das dramatische Finale gegen Chelsea wieder hoch. Ein Bayer möchte nicht mehr darüber sprechen, ein anderer ist umso motivierter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.