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Schwellenländer : Peruanische Börse zeigt Bewertungsrisiken

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Bild: FAZ.NET

Der Lima General Index hat in den vergangenen fünf Handelstagen knapp 15 Prozent seines Wertes verloren. Hintergrund dürfte die Neigung zu Gewinnmitnahmen aufgrund einer hohen Bewertung und der Volatilität im Rohstoffbereich sein.

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          Sorgte am Mittwoch die chinesische Börse wieder einmal mit deutlichen Kursverlusten für Schlagzeilen, so werden diese schon seit Tagen von jenen der peruanischen Börse übertroffen. Der Lima General Index in den vergangenen fünf Handelstagen knapp 15 Prozent seines Wertes verloren.

          Das sind deutliche Verluste. Allerdings werden sie relativiert durch die vorhergehenden Kursgewinne: Der Index hatte von einem Zwischentief von gerade einmal 1.108 Zählern im Juli des Jahres 2002 bis zu knapp 2.000 Prozent auf 23.210 Zähler noch Anfang des Monats zugelegt, bevor es zur jüngsten Gegenbewegung kam.

          Peruanische Aktien sind trotz der jüngsten Konsolidierung immer noch teuer

          Auf dieser Basis dürfte die Gegenbewegung grundsätzlich kaum überraschen. Auch nicht mit Blick auf die Bewertung. Denn mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas mehr als 40 auf nachlaufender Basis ist sie trotz der jüngsten Kursverluste immer noch extrem hoch. Aus diesen Grund dürften unter normalen Umständen weitere Kursverluste kaum überraschen.

          Die Frage ist allerdings, ob die Umstände gegenwärtig normal sind. Dagegen spricht allein schon die Überraschung, dass der Markt mit Blick auf die Bewertung überhaupt so weit laufen konnte. Denn normalerweise werden Schwellenländerbörsen mit einem deutlichen Bewertungsabschlag zu den etablierten Märkten gehandelt. Allerdings scheint diese Art von „Normalität“ in den vergangenen drei Jahren abhanden gekommen zu sein.

          Diese Jahre sind geprägt von einer extremen Liquiditätsversorgung, rasch steigenden Energie-, Rohstoff- und Vermögenspreisen und der immer verzweifelter werdenden Suche der Anleger nach rentierlichen Anlagen. Diese hat nicht nur zu extrem tiefen Renditen an selbst den exotischsten Rentenmärkten geführt. Auch die Börsen sind dort rasant gestiegen, wo noch vor fünf Jahren kaum ein normaler Anleger sein Geld angelegt hätte. Allerdings sorgten steigende Kurse für eine gewisse Eigendynamik, die schließlich durch die Auflage und zum Teil intensive „Bewerbung“ von entsprechenden Zertifikaten und Fonds noch verstärkt wurde.

          Angesichts des anhaltenden Optimismus dürfte die Neigung groß sein, Kursrückschläge immer wieder zu Nachkäufen zu nutzen. Allerdings scheint sich das Umfeld doch so langsam zu ändern. Denn erstens sind die Bewertungen in vielen Schwellenländern inzwischen längst nicht mehr attraktiv. Zweitens sind in den vergangenen Tagen und Wochen die Renditen aufgrund aufkommender inflationärer Bedenken an den Rentenmärkten beinahe weltweit angestiegen. Diese Kombination könnte Anleger mittelfristig zunehmend risikoaverser werden lassen.

          Können sich die Rohstoffpreise längerfristig auf dem erreichten Niveau halten?

          Darauf deutet alleine schon ein gewisse Tendenz zu relativ konservativen und großkapitalisierten Werten in den vergangenen Tagen hin. Sie führt dazu, dass insbesondere in Europa und auch in den Vereinigten Staaten die großen Werte des Dax, Dow und des S&P-500 gefragt sind. Denn das operative Geschäft dieser Werte ist stark regional diversifiziert und damit robuster als das kleinerer und regional orientierter Unternehmen. Gleichzeitig sind die Aktien vieler dieser Unternehmen noch vergleichsweise günstig bewertet.

          Genau diese Aspekte gelten für die peruanischen Aktien kaum. Denn der Lima General Index wird von Rohstoffwerten dominiert. Und gerade bei diesen scheint unter anderem aufgrund der Volatilität bei den Rohstoffpreisen in Verbindung mit der ambitionierten Bewertung eine gewisse Neigung zu Gewinnmitnahmen aufgekommen zu sein.

          Kurz- und mittelfristig dürfte die weitere Kursentwicklung an der peruanischen Börse von der Ausprägung des Risikoappetits der internationalen Anleger abhängen. Sollte er zurückgehen, dürfte eine weitere Konsolidierung wohl kaum überraschen.

          Grundsätzlich sieht dagegen die konjunkturelle Entwicklung des Landes relativ gut aus. Das Wachstum lag im vergangenen Jahr bei 5,6 Prozent, die Inflationsrate ist niedrig und die Finanzsituation hat sich deutlich verbessert: Die Währungsreserven lagen Ende Februar nach einem Zuwachs von 30 Prozent auf Sicht eines Jahres bei 17,5 Milliarden Dollar. Fragt sich nur, ob sich die Rohstoffpreise mittel- und längerfristig auf den gegenwärtigen Niveaus werden halten können.

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