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Schwellenländer : Mit Zertifikaten in die Exotenmärkte

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Privatanleger können mit immer mehr Zertifikaten am rasanten Wachstum aufstrebender Länder wie Vietnam, Slowenien, Bulgarien oder Kroatien teilhaben. Die Risiken sind jedoch enorm.

          3 Min.

          Deutsche Privatanleger können mit Zertifikaten an dem rasanten Wachstum aufstrebender Länder teilhaben. Es gibt immer mehr Produkte auf den Aktienmärkten von Ländern wie Vietnam, Slowenien, Bulgarien oder Kroatien. Hier winken teils rasante Kursgewinne, die Risiken für die Anleger sind jedoch auch deutlich höher als an etablierten Börsen. Doch Kursgewinne von 50 Prozent in zwei Wochen wie jüngst in Vietnam locken immer mehr Privatanleger in exotische Investments.

          „Der Markt in Vietnam ist mittlerweile ziemlich heiß gelaufen und derzeit nur für sehr risikobereite Anleger zu empfehlen“, sagt Ferdinand Haas, Leiter für strukturierte Produkte bei der Fondsgesellschaft DWS. Vietnams Aktienmarkt ist eng und das Interesse der Anleger riesig - das führt zu schnell steigenden Kursen. So hat das Vietnam-Zertifikat der DWS-GO seit Jahresbeginn um 50 Prozent zugelegt (siehe auch: Zertifikate: DWS bietet neue Vietnam-Wette).

          Kleine Marktkapitalisierung in Vietnam

          Das schürt das Interesse der Anleger noch weiter. Das Zertifikat ist in der Umsatztabelle der Derivate-Börse Euwax in Stuttgart regelmäßig führend. Seit Mitte Dezember ist das Produkt auf dem Markt und hat mittlerweile ein Volumen von rund 50 Millionen Euro erreicht. 100 Millionen Euro sollen es maximal werden. „Diese Summe wollten wir aber langfristig erreichen und nicht innerhalb weniger Wochen“, sagt Haas.

          Das zufließende Geld muss sofort in den Aktienmarkt in Hanoi investiert werden. Der Handel mit vietnamesischen Aktien unterliegt jedoch strengen Restriktionen. So dürfen Ausländer nur Anteile bis maximal 49 Prozent an den Unternehmen erwerben, oft sogar nur weniger. Zudem ist der Markt noch nicht ausgereift, er existiert schließlich erst seit sechs Jahren. Die Marktkapitalisierung des Ho-Chi-Minh-Index liegt bei rund 6 Milliarden Euro. Zum Vergleich: der Deutsche Aktienindex Dax kommt auf 820 Milliarden Euro.

          Wachstumsaussichten gelten als glänzend

          In einem engen Markt wie dem in Hanoi steigen die Kurse schon bei kleineren Kaufaufträgen deutlich. Und die DWS ist nicht der einzige größere Investor. Alleine in Deutschland gibt es von der Landesbank Berlin und der Deutschen Bank zwei weitere Zertifikate. Ganz zu schweigen von dem enormen Interesse der Anleger aus dem übrigen Europa, aus Amerika und aus Japan. „Vietnam bietet langfristig eine unglaublich gute Investment-Story“, sagt Haas. Gerade ist das kommunistische Land der Welthandelsorganisation beigetreten, die Wachstumsaussichten gelten als glänzend.

          Einen derartigen Kursanstieg an den Aktienmärkten rechtfertigt dies jedoch nicht. „Finanzprodukte auf enge Märkte neigen dazu, die zugrundeliegenden Aktienmärkte selbst in bestimmten Situationen zusätzlich in die Höhe zu treiben“, stellt Christopher Maaß vom Bankhaus Sal. Oppenheim fest. Dies gilt allerdings auch in umgekehrter Richtung. „Werden viele Positionen gleichzeitig aufgelöst, wie damals beim Platzen der Internetblase, dann können die Kurse einzelner Aktien zeitweise sogar auch ins Bodenlose fallen und damit selbst auch die Indizes signifikant belasten“, warnt Maaß.

          Klassischer Nadelöhreffekt

          Als den klassischen Nadelöhreffekt beschreibt Dirk Heß von Goldman Sachs dieses Marktphänomen. Ein Markt gilt als eng, wenn die Marktkapitalisierung und die Liquidität, gemessen an den gehandelten Aktien, nur gering sind. Die Kurse an kleineren Aktienmärkten wie dem in Vietnam, aber auch anderswo schwanken in der Regel stärker, was entsprechende Gewinnchancen, aber eben auch höhere Risiken birgt. Investoren aus dem Euro-Raum sollten auch die Währungsrisiken beachten.

          Dabei kommt es an diesen Märkten zu größeren Unterschieden zwischen den An- und Verkaufskursen (Spread) der einzelnen Aktien, was sich freilich auch in den Zertifikatepreisen niederschlägt. Zudem ist der Marktzugang zu vielen exotischeren Märkten vergleichsweise teuer, weil auch die Banken hier oftmals nicht direkt, sondern nur über bestimmte Wertpapierhändler investieren können.

          Höhere Risiken, schnellere Marktverwerfungen

          Auch die Abwicklung des Wertpapierkäufe und -verkäufe bringe häufig höhere Kosten mit sich, meint Heß. Daher könne der Spread bei einem Zertifikat auf einen sehr engen Markt durchaus 4 bis 5 Prozent betragen. Dies gelte umso mehr, als es angesichts der höheren Risiken schnell zu Marktverwerfungen komme könne, die dann den Spread nochmals ausweiten dürften.

          Da man mit Derivaten solche Märkte stark beeinflussen könne, seien die Emittenten gefragt, möglichst marktschonend vorzugehen und große Wertpapieraufträge auf kleinere Positionen aufzuteilen, meint Heß. Wenn Märkte sehr eng seien, sei es durchaus ratsam, keine Finanzprodukte aufzulegen oder die maximalen Anlagevolumina zu begrenzen.

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