https://www.faz.net/-gv6-oudo

Schwellenländer : Schwellenländer-Märkte in Sorge über Chinas „Bremsspuren“

  • Aktualisiert am

Bild:

In Südamerika und Asien konsolidieren in jüngster Zeit die Finanzmärkte. Ursachen: Sorgen über möglicherweise steigende Zinsen in Amerika und abnehmendes Wachstum in China. Es dürfte ratsam sein, auf die Trends zu achten.

          2 Min.

          Mit deutlichen Kursverlusten reagieren die Finanzmärkte in Südamerika und in Asien, aber auch die Rohstoffpreise auf die Bemühungen Chinas, das eigene Wirtschaftswachstum zu bremsen. So hat der brasilianische Bovespa am Mittwoch satte 3,95 Prozent auf 20.474 Zählern nachgegeben, der mexikanische IBV verlor 3,45 Prozent auf 10.241 Zähler, die Börse in Peru gab gemessen am Lima General Index 3,56 Prozent auf 2.862 Zähler nach, und auch die Märkte in Argentinien und Venezuela tendierten leichter.

          Damit setzt sich beispielsweise in Brasilien nicht nur die Konsolidierungsbewegung seit Jahresbeginn auf hohem Niveau fort. Der Index nähert sich verdächtig nahe dem Aufwärtstrend, der seit dem Zwischentief im August des Jahres 2002 im Extrem zu einem Plus von beinahe 200 Prozent in nicht ganz eineinhalb Jahren geführt hatte. Auch in Asien konsolidieren die Märkte in Hongkong, Taiwan und Thailand seit einigen Wochen. Der südkoreanische Kospi ist mit den jüngsten Kursverlusten unter den kurzfristigen Aufwärtstrend gefallen. Selbst die Währungen, die auf Grund der Leistungsbilanzüberschüsse grundsätzlich zur Stärke tendieren sollten, geben kurzfristig nach.

          China will das Wachstum dämpfen ...

          Ursache für die jüngste Entwicklung ist die Tatsache, daß sich China offensichtlich ernsthaft bemüht, das Wachstum der eigenen Wirtschaft zu bremsen. Mit einem Plus von 9,7 Prozent im ersten Quartal fiel es stärker aus als erwartet. Nun ist einigen Banken untersagt worden, neue Kredite zu vergeben. Auch der Bau eines Stahlwalzwerkes im Gegenwert von 1,3 Milliarden Dollar ist gestoppt worden, die Genehmigung neuer Projekte ähnlicher Art werden restriktiver gehandhabt. Denn der Boom wurde und wird vor allem getrieben von den Investitionen in Infrastruktur- und Immobilienprojekte und nicht vom Binnenkonsum.

          Sicherlich dürfte für die Anleger auch die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft eine Rolle spielen. Denn das impulsinduzierte starke Wachstum läßt Befürchtungen zunehmen, die amerikanische Notenbank könnte den Leitzins von seinem Rekordtief weg erhöhen. Das setzt auch die Rentenmärkte in den Schwellenländern unter Druck. Auch sie hatten - ähnlich wie die Börsen - in den vergangenen Monaten eine phantastische Rally an den Tag gelegt. Auf der Suche nach attraktiven Renditen sind sie von internationalen Anlegern beinahe blind gekauft worden.

          ... und die amerikanische Notenbank tritt möglicherweise auf die „Zinsbreme“

          In Brasilien scheint dabei keine Rolle mehr gespielt zu haben, daß das Land nach wie vor stark verschuldet ist und daß die notwendigen Strukturreformen auch unter dem ehemaligen Arbeiterführer Luis Inacio Lula Da Silva nicht vorankommen. Im Gegenteil: Plötzlich wurden die Wachstumsphantasie des Landes und die damit verbundenen Ertragschancen gefeiert. Die wurden unter anderem durch die steigenden Rohstoffpreise induziert, die von der starken Nachfrage Chinas ausgelöst wurden. Brasilien und andere südamerikanische Staaten profitierten bisher unter anderem von den stark steigenden Erz- und Rohstoffexporten allgemein in das Land der Mitte.

          Stellt sich nun China ernsthaft auf die Bremse, so gerät das optimistische Weltwirtschaftszenario in Gefahr. Denn nicht nur das Wirtschaftswachstum in Asien hängt davon ab, sondern auf Umwegen auch der „Rest der Welt“. Dabei spielten auf der einen Seite bisher die gigantischen Investitionen in China eine Rolle, auf der anderen der auf Grund extrem tiefer Zinsen und fallenden Steuern boomende Konsum in Amerika. Beide dürften nicht ewig auf dem aktuellen Niveau verharren können. Den hoch verschuldeten amerikanischen Konsumenten dürften steigende Zinsen überhaupt nicht munden. Insgesamt dürfte es damit ratsam sein, die Trends an den verschiedenen Märkten ständig im Auge zu behalten, um rechtzeitig reagieren zu können.

          Weitere Themen

          Weltgrößter Börsengang erfolgreich Video-Seite öffnen

          Aramco-Aktie im Plus : Weltgrößter Börsengang erfolgreich

          Der weltgrößte Börsengang des Ölkonzerns Saudi Aramco ist ein Erfolg: Die Aktien der saudiarabischen Staatsfirma debütierten am Mittwoch mit 35,2 Riyal an der Börse in Riad. Das ist ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Ausgabepreis.

          „EZB hat an Rückhalt verloren“

          Ökonom : „EZB hat an Rückhalt verloren“

          Die Kritik an der Geldpolitik ist auch in der breiten Öffentlichkeit angekommen, stellt der Chefvolkswirt der Privatbank Donner & Reuschel fest. Für 2020 erwartet er politisierte Börsen.

          Topmeldungen

          Die draußen gegen die drinnen: Aktivisten demonstrieren am Mittwoch vor den Türen der Messehalle in Madrid.

          Klimagipfel in Madrid : Aufbruch im Mäuseschritt

          Beim Klimagipfel in Madrid trifft Protest auf Politik, ehrgeizig wollen alle sein. Doch im Inneren der Messehalle sind selbst kleine Kompromisse mühsam – vielversprechend klingt nur der „Green Deal.“
          Christine Lagarde auf der Pressekonferenz in Frankfurt

          EZB-Präsidentin Lagarde : Zinsentscheid mit einem Lächeln

          Die neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, stellt sich erstmals nach einer Ratssitzung der Presse. Den Zinssatz lässt sie unverändert, doch ihr Stil unterscheidet sich deutlich von dem ihres Vorgängers Draghi.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.