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Schwellenländer : Leerverkäufer setzen auf das Ende der Rally

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Bild: FAZ.NET

Die Börsen verschiedener Schwellenländer haben sich deutlicher als die etablierten Märkte von den massiven Kursverlusten des vergangenen Jahres erholt. Professionelle Marktteinehmer setzen nun jedoch auf eine Gegenbewegung.

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          Die Börsen in verschiedenen Schwellenländern haben sich in den vergangenen Wochen deutlicher als die etablierten Märkte von den massiven Kursverlusten des vergangenen Jahres erholt.

          Seit Jahresbeginn konnte alleine der Shenzhen Composite Index knapp 50 Prozent in lokaler Währung zulegen, der russische RTS verbuchte einen Kursgewinn von 30 Prozent, derTaiex in Taiwan knapp 28 Prozent, der Tel Aviv 100 Index knapp 27 Prozent, der brasilianische Bovespa etwas mehr als 20 Prozent, der südkoreanische Kospi 22 Prozent, während sich der indische Sensex um mehr als 15 Prozent verbesserte. Rechnet man Währungsgewinne hinzu, die sich aus der gleichzeitigen Erholung geschwächter Währungen zumindest für europäische Anleger ergaben, so fiel die Wertentwicklung der verschiedenen Märkte noch beeindruckender aus.

          Professionelle Marktteilnehmer neigen zu Wetten auf eine Kurskorrektur

          Die Kurserholung rief mit zunehmendem Optimismus immer mehr Strategen und Berater auf das Feld, die das Ende der Krise ausriefen und Anleger zum Einstieg in die Schwellenländermärkte aufforderten. Allerdings ist es immer dann riskant, solchen Stimmen zu folgen, wenn bestimmte Märkte schon gut gelaufen sind und wenn sie aus technischer Sicht „überkauft“ sind. Dann können sie manchmal auch als Gegenindikatoren dienen.

          Tatsächlich neigen professionelle Marktteilnehmer im Moment in den Schwellenländern eher zu nehmend zu Wetten auf fallende Kurse. Das zeigt sich daran, dass Leerverkäufer so stark wie seit März des Jahres 2007 nicht mehr auf fallende Kurse an den Emerging Markets, da die Unternehmensgewinne in den Ländern sinken. Die Leerverkäufe im iShares MSCI Emerging Markets Indexfonds, der die Aktien von 23 Entwicklungsländern abbildet, sind im März um 51 Prozent gestiegen, geht aus Daten der New York Stock Exchange hervor. Das ist die größte Zunahme seit zwei Jahren. Bei Leerverkäufen leihen Investoren Wertpapiere und verkaufen diese in der Hoffnung, sie später zu einem niedrigeren Kurs wieder zurückzukaufen. Die Differenz streichen sie als Gewinn ein.

          Der MSCI-Index ist seit dem Jahrestief vom 2. März um 32 Prozent gestiegen. Er dürfte in den kommenden Wochen um zehn Prozent sinken, wenn die niedrigeren Unternehmensgewinne den Optimismus der Anleger dämpfen, erklärte Eric Conrads, Hedge-Fondsmanager bei ING Investment Management der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Wir sind noch nicht aus dem Schneider“, sagt Conrads. Er hat diesen Monat begonnen, gegen Aktien aus Entwicklungsländern zu spekulieren, weil er überzeugt ist, dass sich die Märkte in einer „Bärenmarktrally“ befinden.

          An der NYSE stiegen die Leerverkäufe in allen Aktien im vergangenen Monat auf 4,23 Prozent der in Umlauf befindlichen Titel. Die Aktienkurse sind im Vergleich zu den Aussichten für die Unternehmensgewinne einfach zu stark geklettert, erläuterte auch Martin Herbon, Hedge-Fondsmanager bei der Union Capital Group. Die Experten der Citigroup gehen davon aus, dass die Unternehmensgewinne in den Schwellenländern in diesem Jahr um 26 Prozent sinken werden. Bei Taiwan liegt der erwartete Rückgang bei 29 Prozent, Brasilien dürfte mit 37 Prozent den stärksten Gewinneinbruch in Lateinamerika verzeichnen.

          Niedrigere Unternehmensgewinne dürften den Optimismus der Anleger dämpfen

          Von den 41 Mitgliedern im MSCI, die seit Ende des ersten Quartals einen Gewinn gemeldet haben, hinkten 29 hinter den Analystenerwartungen her, zeigen Bloomberg-Daten. Der Index ist zum 11,4fachen des Gewinns bewertet, was nahe des höchsten Stands seit fast neun Monaten liegt. Mindestens 256 Unternehmen aus dem Index werden nächsten Monat ihr Ergebnis vorlegen. „Die Kurse sind geklettert, aber bei den Gewinnen besteht noch Korrekturbedarf“, sagt Herbon. Die Rally erscheine verfrüht.

          Die Spekulationen gegen die Amerikanischen Aktienzertifikate (ADR) des brasilianischen Ölkonzerns Petroleo Brasileiro erreichten den höchsten Wert seit August des Jahres 2005. Die „Shorts“ stiegen im März um 61 Prozent auf 34,1 Millionen. Das entspricht 1,4 Prozent der im Umlauf befindlichen Aktien. Bei AU Optronics erreichten die Wetten auf fallende Kurse den höchsten Stand seit acht Monaten. Sie haben die Leerverkäufe 26 Prozent auf 13,1 Millionen oder 1,5 Prozent des Free Float zugenommen.

          Möglicherweise sichern Fondsmanager auf diese Weise nur die Kursgewinne der vergangenen Wochen ab, statt in ausgeprägter Form auf fallende Kurse zu wetten. Allerdings zeigt alleine schon das, dass die Rückschlagsrisiken zunehmen und damit auch die Skepsis der professionellen Marktteilnehmer. Faktisch sind einige der Märkte inzwischen selbst bei optimistischen Erwartungen schon ambitioniert bewertet. Das gilt unter anderem für der chinesischen Markt, auf den sich optimistische Wachstumshoffnungen vieler Anleger richten, obwohl viele der dort produzierten Waren und Dienstleistungen in den angeschlagenen Industriestaaten verkauft werden müssen.

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