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Schwellenländer-Krise : Die Turbulenzen der Schwellenländer sind auch hausgemacht

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Vom Süden in den Norden: Im vergangenen Jahr ist viel Kapital aus Schwellenländern zurück in die nördliche Hemisphäre geflossen Bild: ddp images / United Archives

An dem Absturz der Schwellenländer hat nicht nur die Federal Reserve schuld. Die Aktienmärkte laufen schon länger schlecht. Dennoch bieten sich Chancen für Anleger.

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          Ein paar Worte genügten, um Panik auszulösen. Als der damalige Chef der Federal Reserve, Ben Bernanke, im Mai vergangenen Jahres auch nur laut darüber nachdachte, dass die amerikanische Notenbank ihre expansive Geldpolitik drosseln könnte, rauschten die Kurse von Aktien, Währungen und Anleihen von Ländern wie Brasilien, Türkei und Südafrika in die Tiefe. Zwischenzeitlich erholten sie sich wieder ein wenig, seit kurzem stehen die Regierungen der betroffenen Länder aber wieder unter Druck. In dieser Woche erhöhten die Notenbanken der Türkei, Argentinien und Südafrika ihre Leitzinsen drastisch, um die gefährliche Kapitalflucht aus ihren Staaten zu bremsen.

          Dass die ehemaligen Lieblinge der Investoren nun derartig in Schwierigkeiten stecken, hat aber nicht nur mit der lockeren Geldpolitik der Fed zu tun. Fast alle Länder leiden unter einer zu hohen Inflation und einem riesigen Leistungsbilanzdefizit, das sie abhängig von ausländischen Kapital macht. Dazu gesellen sich neben einer eher einseitig ausgerichteten Wirtschaft, etwa auf Rohstoffe, politische Konflikte, die Investoren abschrecken. Im Falle des südafrikanischen Rand hat der Kurswechsel der Fed eine lange Schwächephase verstärkt.

          Südafrika wird vor allem wegen eines hohen Leistungsbilanzdefizits von 6,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu den fünf Schwellenländern mit den anfälligsten Währungen der Welt gerechnet. Hinzu kommt das Risiko von Arbeitskämpfen, das Investoren seit einer Streikwelle im Jahr 2012 besonders fürchten. Südafrika wird wegen seiner Führungsrolle in Afrika zwar zum „Brics-Club“ der großen Schwellenländer (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) gezählt. Zuletzt jedoch ist die Volkswirtschaft um weniger als 2 Prozent gewachsen. Hohe Arbeitslosigkeit sorgt für Frustration in der Bevölkerung.

          Von einem Rekord zum nächsten

          In dieser Lage kommen von Seiten der Regierung wenige Impulse, die das Vertrauen der Investoren stärken könnten. Südafrika gilt aber weiterhin als politisch stabiler Staat mit einem verlässlichen Rechtssystem. Ungeachtet der Schwierigkeiten sind die Aktienindizes an der Johannesburger Börse (JSE) im Jahr 2013 von einem Rekord zum nächsten geklettert. Die höchsten Gewinne verzeichneten der auch in China und Russland engagierte Medienkonzern Naspers und der Papierhersteller Mondi. Zu den Favoriten in diesem Jahr gehören abermals Aktien, die im Ausland ihr Geld verdienen und vom schwachen Rand profitieren. Wirtschaftszweigen wie der Bauwirtschaft dürfte ein milliardenschweres Infrastrukturprogramm helfen. Insgesamt liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse jedoch auf hohem Niveau.

          In Brasilien hingegen ist der heimische Aktienmarkt von der wirtschaftlich eher mäßigen Lage angesteckt worden. Allein im Jahr 2013 fiel Brasiliens Aktien-Leitindex Bovespa um 27 Prozent auf Dollarbasis, im Januar um weitere 10 Prozent. Die jüngsten Schwellenländerturbulenzen haben die schlechte Stimmung nur verstärkt. Brasiliens Dynamik war lange vorher verflogen. Während das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den Jahren 2004 bis 2010 um 4,5 Prozent pro Jahr gewachsen war, sind es seit dem Jahr 2011 gerade noch 2 Prozent. Strukturelle Faktoren wie mangelhafte Infrastruktur, lähmende Bürokratie und eine überhöhte Steuerlast drücken das Potential. Ratingagenturen drohen darum mit einer Herabstufung Brasiliens, auch wegen der latenten Schwäche und der mangelnden Transparenz der öffentlichen Finanzen.

          Trotz der schon deutlich erhöhten Leitzinsen auf zuletzt 10,5 Prozent ist es Regierung und Notenbank bisher nicht gelungen, die Inflation von 6 Prozent wieder auf den Zielpfad zu bringen. Weitere Zinserhöhungen sind damit programmiert, was Rentenpapiere gegenüber Aktien attraktiver macht. Brasiliens Stärke bleibt auch künftig der Rohstoffexport, der Bergbaukonzern Vale ist Weltmarktführer für Eisenerz und kann auch in schlechten Zeiten konkurrenzlos günstig anbieten. Zu den verwundbaren Ländern wird Brasilien vor allem aufgrund seines Leistungsbilanzdefizits gezählt, das im Jahr 2013 mit 3,7 Prozent des BIP auf den höchsten Wert seit zwölf Jahren explodierte. Zu fast vier Fünfteln wird das Defizit jedoch durch anhaltend hohe Direktinvestitionen aus dem Ausland kompensiert.

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