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Schwellenländer-Investments : Für Vietnam brauchen Anleger starke Nerven

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Vietnams Aktienmarkt boomt. Gerüchten zufolge drohen zwar Kapitalverkehrskontrollen, doch Investoren schreckt das bisher nicht. Jetzt warnt sogar der Zertifikateanbieter DWS Go vor besonders hohen Risiken.

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          Vietnam ist offensichtlich nichts für Anleger mit schwachen Nerven. An den Finanzmärkten machen derzeit Gerüchte die Runde, dass in dem südostasiatischen Land bald Kapitalverkehrskontrollen drohen könnten. Nun warnt der Zertifikateanbieter DWS Go im Internet zudem vor den besonderen Liquiditätsrisiken seines Finanzproduktes auf die Börse des Schwellenlandes.

          Das Zertifikat beinhalte neben dem allgemeinen Marktrisiko des vietnamesischen Aktienmarktes ein Spekulationsrisiko, heißt es dort. Anleger, die sich für das Vietnam-Zertifikat der DWS Go interessieren, müssen diesen Warnhinweis als „gelesen und zur Kenntnis genommen“ bestätigen, um überhaupt an weitere Informationen zu gelangen - ein ungewöhnliches Verfahren.

          Nur elf Milliarden Dollar Marktkapitalisierung

          „Es ist einfach die Botschaft an den Anleger: Bitte seien Sie vorsichtig!“, sagt Claus Gruber, Sprecher bei der DWS: „Der vietnamesische Aktienmarkt ist heißgelaufen, und Liquidität ist dort das Thema überhaupt.“ Daher könne es aufgrund von Liquiditätsengpässen am dortigen Markt zu Abweichungen des Zertifikatepreises zum zugrundeliegenden Index kommen. Allein seit Jahresanfang hat das vietnamesische Börsenbarometer, der Ho Chi Minh Stock Index, rund 45 Prozent zugelegt, kein Aktienindex in der Welt war in diesem Jahr besser. Für die vergangenen zwölf Monate beläuft sich der Aufschlag gar auf 230 Prozent.

          Dabei gilt der steigende Zufluss von Investorengeldern aus dem Ausland, aber auch aus dem Inland als Haupttreiber der jüngsten Hausse. Schätzungen zufolge beläuft sich die Marktkapitalisierung in Vietnam auf rund elf Milliarden Dollar. An solch engen Märkten sind die Kursschwankungen in der Regel höher als anderswo. Von den 109 Index-Mitgliedern gelten laut Gruber lediglich 20 Werte als liquide, in zwölf Aktien sei man derzeit investiert. Einige der von ausländischen Investoren erwerbbaren „P-Notes“, die ein Recht auf die jeweiligen Aktie verkörperten, seien zudem kaum mehr verfügbar.

          Manche Anleger sind verunsichert

          Dem vietnamesischen Aktienmarkt haben die Spekulationen über Kapitalmarktkontrollen bisher jedoch kaum geschadet. Der Ho Chi Minh Stock Index lag am Donnerstag nur 13 Punkte unter dem in der vergangenen Woche erreichten Rekordhoch von 1096 Punkten. Bei den Anlegern zeigt sich dennoch eine gewisse Verunsicherung. In den vergangen Tagen hätten sich einige von ihren Vietnam-Zertifikaten getrennt, sagt Gruber. Derzeit verwalte DWS Go etwa 85 Millionen Euro. In der Spitze seien es 90 Millionen Euro gewesen, 140 Millionen Euro seien in der derzeitigen Marktsituation möglich.

          Noch wird am Markt nur kolportiert, dass die vietnamesische Notenbank zum 1. März Kapitalverkehrskontrollen einführen könnte. Wie ein Markt reagieren könne, habe eine entsprechende Ankündigung in Thailand gezeigt, sagt Gruber. Im Dezember ist der dortige Aktienmarkt daraufhin um bis zu 20 Prozent eingebrochen, um sich später wieder zu erholen, als die Zentralbank die restriktiven Kapitalkontrollen für Aktienanleger wieder zurücknahm. Und im schlimmsten Fall könnten solche Marktsituationen, in denen viele Investoren auf einmal verkaufen wollten, nicht mehr nur über den Preis abgefangen werden. Dann sei es auch möglich, dass die Zertifikate zeitweise nicht mehr zurückgenommen würden, sagt Gruber.

          Neben dem Vietnam-Zertifikat von DWS Go gibt es in Deutschland noch zwei weitere Produkte auf den vietnamesischen Aktienmarkt. Emittenten sind die Deutsche Bank (Vietnam Top Select) und die Landesbank Berlin (Vietnam Opportunitiy). Hier begegnen die Anbieter Liquiditätsschwankungen mit unterschiedlichen Partizipationsquoten am zugrundeliegenden Basiswert.

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